Kanton Solothurn

12. Juli 2018 05:52; Akt: 12.07.2018 05:52 Print

Mann missbraucht eigenes Enkelkind und Verwandte

von Benjamin Hostettler - In Olten stand am Mittwoch ein 70-Jähriger vor Gericht. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer: Er soll etliche Kinder aus der eigenen Familie missbraucht haben.

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Zusammen mit seiner damals neunjährigen Nichte soll der 70-jährige J. N. * in seinem Büro in Wangen bei Olten gesessen haben. Der Rentner benötigte angeblich von seiner Nichte Hilfe am Computer. Diese Situation nützte er schamlos aus: Der Mann soll den Po der Geschädigten unter der Kleidung gestreichelt haben. Auch soll er sich während einem Bootsausflug auf dem Hallwilersee an seinem Neffen vergangen haben.

Es sind nur zwei von vielen Beispielen, welche am Mittwoch vor dem Richteramt Olten-Gösgen behandelt wurden. Die Taten, welche dem unauffälligen Rentner vorgeworfen werden, geschahen über Jahre. Teils liegen sie 20 Jahre zurück, doch andere geschahen letztmals im 2013. Angeklagt ist er wegen sexuellen Handlungen mit Kindern und Pornografie.

Ein Opfer spricht

«Das, was er mir damals angetan hat, ist mittlerweile verjährt», sagt eines der Opfer gegenüber 20 Minuten. So hoffe sie umso mehr, dass die aktuellen Opfer genügend Gehör erhalten. «Es ist wichtig, dass alle Lügen entlarvt werden», sagt die heute 28-jährige gebürtige Solothurnerin. Lange genug seien die Taten ihres Onkels unter den Teppich gekehrt worden. «Erst als sich die Mutter des jüngsten Opfers bei der Polizei meldete, kam der Fall ins Rollen», sagt die Frau. Laut ihren Angaben soll der Mann 16 bis 20 Personen sexuell missbraucht haben – «teils sind sie mit uns verwandt, andere sind Aussenstehende.»

Sexuelle Übergriffe an Familienfeiern

Gemäss Anklageschrift sollen die Übergriffe meistens bei Familienausflügen oder Feiern geschehen sein. Insgesamt fünf Verwandte erhoben gegen J. N. schliesslich Anklage. Nebst Kindern seiner Schwägerinnen befindet sich auch das eigene Grosskind unter den Klägern.

Der 70-Jährige bestritt am Mittwoch vor Gericht die meisten ihm vorgeworfenen Übergriffe. Er könne sich nicht erklären, wie seine Angehörigen auf die Idee kämen, solche Geschichten zu verbreiten. Nur in zwei Fällen gab er ein Teilgeständnis ab. Auch den ihm vorgeworfenen Besitz von Kinderpornographie leugnete er nicht.

J.N. verstrickte sich während seinen Aussagen oft in Widersprüche und gab sich unwissend. Obwohl der Rentner während Monaten immer wieder Kinderpornografie im Internet konsumierte, meinte er gegenüber der Richterin, die Bilder hätten ihn nicht erregt.

«Alle Menschen sind pädophil»

Er habe sich allgemein mit dem Thema Pädophilie auseinandergesetzt, gab er vor Gericht an: «Alle Menschen sind pädophil, auch bereits wenn sie jemandem hinterherschauen» – das habe er in einem Buch zum Thema gelesen. Diese Aussage sorgte für Kopfschütteln unter den Angehörigen.

Das psychiatrische Gutachten bei J. N. hat eine Pädophilie festgestellt, vor allem im Bezug auf Knaben. Die sexuelle Neigung sei bereits früh erkennbar gewesen, so der Angeklagte. «Ich mache grosse Fortschritte in der jetzigen Therapie», meint J.N. im Gerichtssaal. Anders sieht dies sein Gutachter: Dieser spricht von einer latenten Rückfallgefahr.

Die Staatsanwaltschaft verlangt eine bedingte zweijährige Freiheitsstrafe sowie eine bedingte Geldstrafe. Die Verteidigung verlangt lediglich eine bedingte Geldstrafe. Das Urteil erfolgt in den kommenden Tagen.

*Name der Redaktion bekannt