Neuer Wasserwerfer

07. November 2017 09:00; Akt: 07.11.2017 09:00 Print

Polizei will 2000 Liter pro Minute spritzen können

Die Kantonspolizei Bern braucht einen neuen Wasserwerfer. Jetzt ist klar, wer ihn bauen darf – und was das neue Einsatzfahrzeug alles können muss.

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Der eine Wasserwerfer der Kantonspolizei Bern hat Jahrgang 1998 und der andere stammt sogar aus den 60er-Jahren. Weil der Oldtimer nicht mehr ganz auf dem neusten Stand der Technik ist, hat die Kapo im April einen Auftrag für einen neuen Wasserwerfer ausgeschrieben.

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Haben Sie auch schon einmal Tränengas abbekommen?

Nun ist klar, wer diese Ausschreibung gewonnen hat: Die Firma Vogt AG aus Oberdiessbach, welche auf Feuerwehrfahrzeuge spezialisiert ist, meldet der Bund. «Wir haben ja schon den anderen Wasserwerfer aus dem Jahr 1998 für die Kapo Bern gebaut und nun freuen wir uns sehr, dass wir den Zuschlag für den neuen auch bekommen haben», sagt Geschäftsführer Roland Leuthold zu 20 Minuten. «Der Aufrag ehrt uns sehr. Der Wasserwerfer ist auch ein Prestige-Objekt, den wir dann sicherlich das eine oder andere Mal in den Medien sehen werden.»

2 Millionen müssen erst noch bewilligt werden

Gebaut ist der Wasserwerfer für 1,977 Millionen Franken noch nicht, es existieren erst ein paar Skizzen. Auch der Liefertermin ist noch nicht bekannt. Denn zuerst muss noch der bernische Grosse Rat das Geld sprechen. Die Anschaffung dürften aber kaum umstritten sein, sagt Erich Hess (SVP) zu 20 Minuten. «Höchstens der stolze Betrag von 2 Millionen könnte zu Reden geben.»

In der Ausschreibung sind allerdings bereits einige Eckpunkte vorgegeben worden, die die Oberdiessbacher Firma beim Bau einhalten muss. So soll der Tank 9000 Liter fassen und die Düsen 2000 Liter Wasser pro Minuten mit 15 bar spritzen können. Zum Vergleich: Ein Tanklöschfahrzeug spritzt normalerweise auch 2000 bis 3000 Liter pro Minute, jedoch bei «nur» 10 bar. Die Durchlaufmenge einer Dusche liegt bei 15 bis 25 Liter pro Minuten und der Druck beträgt in etwa 3 bar.

«Die Kantonspolizei wird aber sicher noch einige Wünsche anbringen», so Leuthold. So muss dem Wasser Tränengas beigemischt werden können. «Auch die Einstellung des Tränengases muss sauber abgestimmt werden. Es darf nicht zu stark sein.» Die Vogt AG teste das Gefährt vor Auslieferung natürlich. «Ich war auch schon einmal bei einem solchen Test dabei und habe Tränengas abbekommen. Das ist sehr unangenehm. Ich wünsche niemandem, je vor einem Wasserwerfer zu stehen, wenn er in Aktion tritt.»

Reitschule will Oldtimer-Wasserwerfer kaufen

Die Vogt AG wird nach Auslieferung auch Schulungen bieten und den Service übernehmen. «Eben erst hatten wir kurz vor der Anti-WEF-Demo den anderen Wasserwerfer zur Wartung bei uns, weil die Zumischung von Tränengas kaputt war. Kaum geflickt, kam er ein paar Tage später schon zum Einsatz», erzählt Leuthold.

Was mit dem Oldtimer-Wasserwerfer der Kapo passiert, ist noch nicht geklärt. «Normalerweise beinhalten die Offerten auch, dass wir das alte Gerät zurücknehmen. In diesem Fall war das nicht so», sagt Leuthold. Die Kantonspolizei Bern gibt zu diesem Thema gegenüber 20 Minuten auch keine Auskunft.

«Es ist noch zu früh, um sagen zu können, was mit dem alten Wasserwerfer passiert», sagt Polizeisprecher Dominik Jäggi. Dieser stehe der Kapo zur Zeit weiterhin zur Verfügung. «Erst wenn der Beschaffungsprozess des neuen Wasserwerfers abgeschlossen ist, wird entschieden, was mit dem alten passieren soll.»

Mindestens einen potenziellen Abnhemer gäbe es schon: Die Reitschule hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Scherz angekündigt, den alten Wasserwerfer gerne kaufen zu wollen, «um damit den Vorplatz effektiver putzen» zu können.

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Beobachter am 07.11.2017 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Inhalt machts's

    Das braucht nie ein Fahrzeig mit 2000 Liter... pro Minute. Es braucht nur den richtigen Inhalt! Mit etwas Gülle im Tank, wäre der Einsatz effektiv und man könnte Wasser sparen.

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  • Amina123 am 07.11.2017 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo endet dies mal?

    positiv bewerte ich,dass das neue fahrzeug in der schweiz gebaut wird.negative bewertung in bezug auf das,dass ich es mehr als nur tragisch finde,dass dies überhaubt nötig ist....

  • Sonja Gut am 07.11.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Rechnung

    ...je zur Hälfte an die Fussball-Fans (wenn nötig über die Vereine abrechnen) und an die Reitschule. Danke!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cleo am 07.11.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig gute Sache

    Finde es eine traurig gute Sache. Die Kosten gehen bitte an die Chaoten, dank denen wir solch Fahrzeuge brauchen. Danke

  • Dani B. am 07.11.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    ich hasse die Randalierer

    ...aber 15Bar ist zu viel. Bei einem Unfall sind die Verletzungen tödlich. Schlimme Bilder! Ich will nicht, dass auf die Weise ein Polizist oder "Demonstrant" umkommt!

  • Euromensch am 07.11.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es gäbe günstigere Angebote

    Warum wird dieser Beschaffungsauftrag nicht nach WTO vorgaben International ausgeschrieben? Nein er wird unter der Hand an ein Schweizer Unternehmen vergeben! Ein Ost EU Betrieb oder ein Chinesischer Produzent würde den Wasserwerfer sicherlich um den halben preis bauen!

    • Mr X/Y am 07.11.2017 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Euromensch

      Es gäbe auch wesentlich günstigere Angebote aus der Schweiz...

    • Simi Bee am 07.11.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Euromensch

      Ja sie haben recht, machen wir unsere Wirtschaft noch mehr kaputt...

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  • Mike Zac am 07.11.2017 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserwerfer gegen Bürger

    wenn man sich überlegt wozu die Dinger gut sind, wird einem unwohl. Es dient um Demos niederzuschlagen also praktisch Meinungs- und Kundgebungsfreiheit zu unterbinden.

    • Do Me am 07.11.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike Zac

      In der Schweiz werden Wasserwerfer zum Glück eigendlich nur dann eingesetzt, wenn Demonstraten das Gefühl haben ihre Meinung mit Gewalt und Vandalismus untermauern zu müssen. Personen- und Sachschaden haben aber rein gar nichts mit freier Meinungsäusserung zu tun! Somit teile ich Ihre Meinung nicht, dass mit Wasserwerfer die demokratischen Rechte der Bürger beschnitten werden.

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  • D. Garicz am 07.11.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn!

    Wahnsinn und jetzt im Rahmen der Polizeiwillkür natürlich gleich beim nächsten Fussballspiel einsetzen, denn nur so können die Kosten däfür ja wieder gerechtfertigt werden.