Neuverteilung der Flugkontingente

10. November 2017 12:59; Akt: 10.11.2017 12:59 Print

Droht der Air-Glaciers das Aus?

Der Lauterbrunner Gemeinderat will der Beo-Helicopter AG einen Teil der Flugfrequenzen übergeben. Lauterbrunner Bürger wittern Vetternwirtschaft und reagieren nun mit einer Petition.

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Air-Glaciers-Gründer Bruno Bagnoud (82) sieht sein Lebenswerk in Gefahr. Grund ist die Aufteilung des Betriebs auf dem Heliport Lauterbrunnen: Der Gemeinderat, Halter des Flugfeldes, will dem Konkurrenten Beo-Helicopter AG einen Teil der Flugfrequenzen der Air-Glaciers SA zuschieben. Bagnoud ist überzeugt, mit diesem Verlust den Stützpunkt in Lauterbrunnen nicht mehr rentabel betreiben zu können, wie der «Blick» berichtet.

Nun erhält Bagnoud aber Unterstützung aus der Bevölkerung: Mit einer Petition, unterzeichnet von 230 Bürgern, hat diese vergangene Woche ihren Unmut über die Absicht des Gemeinderats kundgetan. Die Petitionäre befürchten einen grossen Einschnitt bei der Alpinen Rettung Schweiz, falls die Air-Glaciers ihren Betrieb einstellt.

«Wer nicht macht, was ich will, muss gehen»

Mehr noch: Sie werfen dem Gemeinderat Vetternwirtschaft vor. Zu den Volksvertretern im Lauterbrunner Gemeindehaus gehört nämlich auch Christian von Allmen, Geschäftsführer der Beo Helicopter. Brisant: Von Allmen war acht Jahre lang Basisleiter bei Air-Glaciers, ehe ihm letztes Jahr fristlos gekündigt wurde. Gar ein Betretungsverbot für den Heliportwar soll ihm von Bagnoud auferlegt worden sein.

Bisher war wenig bekannt über die Gründe, die zu von Allmens Entlassung führten. Gegenüber «Blick» sagt Bagnoud nun: «Praktisch die gesamte Belegschaft hat unter von Allmen gekündigt – so etwas habe ich noch nie erlebt.» Dies habe mit seinem Führungsstil zu tun gehabt. Mit den Worten «Wer nicht macht, was ich will, muss gehen» habe von Allmen seinen Angestellten immer wieder gedroht, sagt Bagnoud.

Nachlässige Rechnungsführung

Ein weiterer Vorwurf Bagnouds an die Adresse des ehemaligen Basisleiters: Es seien keine Rechnungen mehr für von Air-Glaciers verrichtete Dienstleistungen mehr geschrieben worden. «Die sind einfach liegen geblieben», sagt Bagnoud. Was fatale Folgen gehabt habe: «Zwei Millionen Franken fehlten meinem Unternehmen zum Zeitpunkt, als ich von Allmen vor die Tür gestellt habe», so der Patron.

In Lauterbrunnen kursierten offenbar Gerüchte, dass von Allmen bereits während seiner Zeit als Basisleiter Pläne für sein neues Unternehmen schmiedete und den künftigen Konkurrenten Air-Glaciers mit einer nachlässigen Rechnungsführung deshalb schwächen wollte.

Gemeinderat prüft Petition

Von Allmen weist die Vorwürfe dezidiert zurück: «Es gibt keinen Zusammenhang zwischen diesen Verzögerungen und meiner heutigen Tätigkeit.» Er räumt aber ein, dass es «wegen Personalmangels bei der Air-Glaciers zu Verzögerungen mit der Rechnungsstellung gekommen sei».

Der Gemeinderat prüft aktuell die Argumente der Petitionäre und diskutiert das weitere Vorgehen. Wie die «Jungfrauzeitung» schreibt, sei Gemeindepräsident Martin Stäger zufolge bis Ende Jahr keine Kündigung der Verträge mit der Air-Glaciers vorgesehen.


(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Trax am 10.11.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lions Air Group AG steckt dahinter

    Brisant ist das die Firma BEO der Lions Air Group AG gehört und nicht Hr. von Allmen.... Wir erinnern uns noch an das Theater TCS Helikopter vs. REGA.... Auch da war die Lions Air Group G federführend und versuchte mit allen mittel die REGA in ein schlechtes Licht zu setzten!

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  • Elisabeth am 10.11.2017 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Professionell?

    Das Konstrukt der Beo-Helicopter AG ähnelt eher einem Bubentraum. 1 Pilot und 1 Maschine, welche der Lions Air gehört. Was ist denn, wenn der Pilot oder die Maschine grad nicht kann? Mindestens 2 Maschinen und 2 Piloten sollte ein professionelles Heli-Unternehmen bieten. Diesbezüglich ist Air Glacier eindeutig professioneller unterwegs.

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  • Bud am 10.11.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist los?

    besinnt Euch ,das könnt und dürft Ihr nicht tun?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lauterbrunner am 11.11.2017 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Vetternwirtschaft

    In Lauterbrunnen ist alles Vetternwirtschaft. Deshalb geht es mit der Gemeinde auch bachab.

  • Flughelferin am 11.11.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunde Konkurrenz

    Und dann wären dann da noch die Bohag und eben die Rega. Mat-Flug-Aufträge gibts in der Region genug, etwas Konkurenz ist angebracht. Zudem waren etliche Aufträge bei AG durch C.vA. entstanden. Dass er als guter Pilot und Profi sich nun in seinem Beruf etwas Neues aufbauen will und das eben da, wo er wohnt und Familie hat, wird ja wohl gehen. Genauso wie Beck und Coop und Kiosk alle Sandwiches verkaufen. AG und Herr B. seichen C.vA. jetzt halt noch medial ans Bein. Aber: C.vA. wird im Gemeinderat hoffentlich in Ausstand gezreten sein.

    • Elvis am 11.11.2017 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Flughelferin

      Geht ja nicht um gesunde Konkurrenz. Wenn Air Glacier die Anzahl Flugbewegungen im Jahr mit vonAllmen teilen müssen, kann Air Glacier nicht mehr rentabel betrieben werden.

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  • Lama am 11.11.2017 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Die ganze Geschichte stinkt so etwas von zum Himmel. Die Gemeinde Lauterbrunnen will also Tatsächlich ein gut funktionierendes Rettungs - und Transportheli Unternehmen aus dem Tal vertreiben, dass ein Gemeinderatsmitglied ein eigenes Unternehmen aufbauen kann. Was soll das? Musste schon fast erbrechen, als ich das Interview mit dem Gemeindepräsident gesehen habe. Was macht so ein Typ, eigentlich in so einem Amt? Wollte wohl sonst niemand...

    • Kirche Im Dorf Lassen am 11.11.2017 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lama

      Also, wenn ein Pilot mit einem Heli die AG vertreiben können, sollte AG ihr Betriebsmodell überdenken. Ist von der AG eine Menge Stimmungsmache. Können es wohl nicht vertragen, dass sie nicht mehr die Alleinherrscher im Tal sein sollen.

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  • Silber Chrigel am 11.11.2017 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Karma

    Passt irgendwie gut zu den beiden. VonAllmen hinterlässt überall zerbrochenes Geschirr. Der Schafzüchter aus Mürren passt dazu wie die Faust aufs Auge. Irgendwann erhält dann jeder was er verdient.... Karma Baby, Karma

  • Rolf am 11.11.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage!

    Das ist schon so, das es am Ende immer auch um Geld, deswegen stehne wir alles morgen früh auf. Die frage die gstellt werden sollt ist: Möche iher eine Dienstleistung die um Leben und Tod geht und gut funktioniert. In frage setzten, nur weil jemand es auch versuchen will ein Traum umzusetzen. Was etwas unkonvenzionel umgestzt wird.

    • Silber Chrigel am 11.11.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

      Transport nicht Rettung

      Soviel man weis Transportiert der Heli nur Mat und keine Patienten. Schon daher ist es fraglich warum eine Firma die seit 30 Jahren im Tal ist nun dermassen geschwächt werden soll... Es stinkt zum Himmel

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