Berner Altstadt

10. Juli 2018 17:51; Akt: 10.07.2018 17:51 Print

«Sensationfund» durch Altstadt-Brand zerstört?

von Raphael Casablanca - In der unteren Altstadt brannte es am Montag im Morell-Haus. Dabei könnte eine sehr gut erhaltene Deckenmalerei aus dem 17. Jahrhundert beschädigt worden sein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Altstadt war am Montagabend in Rauch gehüllt, Feuerwehr und Sanitäter waren im Einsatz. Der Grund: Das denkmalgeschützte Morell-Haus, das zuletzt als Ratssekretariat diente, war in Brand geraten. Wie genau das Feuer an der Postgasse in der unteren Altstadt ausbrechen konnte, ist bislang noch nicht bekannt. Die Löscharbeiten dauerten bis in die späte Nacht an.

Das Haus war zum Zeitpunkt des Feuers unbewohnt, da es derzeit von der Stadt Bern saniert wird. Bis Mitte 2019 hätten neue, bezahlbare 2- bis 3-Zimmerwohnungen entstehen und die ganze Haustechnik erneuert werden sollen – von den Bädern bis zu den Küchen. Wegen des Brands kann der Terminplan für die Sanierung nicht mehr eingehalten werden.

Der Sensationsfund könnte zerstört sein

Im Morell-Haus waren vor kurzem barocke Deckenmalereien entdeckt worden, die von Fachleuten als Sensationfund bezeichnet wurden, wie der «Bund» berichtete.

«Das, was man oben an der Decke sieht, hat jemand vor mehr als 300 Jahren gemalt. Das geht unter die Haut», sagte die leitende Architektin des Morell-Projekts Regina Glatz Ende Mai. Das Erstaunliche am Fund war, dass trotz zahlreicher Umbauten am Haus viele der wertvollen Malereien sehr gut erhalten waren.

Nun sorgt man sich um den Zustand der antiken Malerei. Ob und wie sehr diese durch den Brand beschädigt wurde, ist derzeit noch nicht bekannt: «Wir können sagen, dass der Dachstock des Hauses komplett zerstört ist. Was genau sich darin befunden hat, ist Teil der Ermittlungen», sagt Polizeisprecher Christoph Gnägi gegenüber 20 Minuten. «Inwiefern andere Räume durch Feuer, Rauch, Dampf und Hitze beschädigt wurden, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.» Auch im Haus nebenan kam es zu kleineren Schäden. Vor allem Fenster wurden beschädigt.

Der Tag danach

Auch am Tag danach ist die Feuerwehr noch am Brandort präsent. Thomas Jauch, Sprecher der Berufsfeuerwehr Bern, sagte auf Anfrage, dass die Feuerwehr die ganze Nacht vor Ort war: «Wir waren mit Nachlöscharbeiten beschäftigt und stellten eine Brandwache.» Das Morell-Haus und die umliegenden Strassen bleiben bis auf weiteres gesperrt: Weder Velos, Passanten noch Autos dürfen die Strasse befahren oder überqueren.

Neben Touristen kamen auch viele Einheimische, um sich über die Auswirkungen des Brandes ein Bild zu machen. Ein älterer Passant meinte: «In der heutigen Zeit wird alles auf Videos festgehalten. Als ich die heftigen Bilder sah, dachte ich, dass ich mir das Ausmass des Brandes mit eigenen Augen anschauen muss.»

Mittlerweile wurde das Nachbargebäude, aus dem am Montagabend sechs Personen aus Sicherheitsgründen evakuiert worden waren, wieder freigegeben. Die Brandursache ist immer noch unklar.

Eine Anwohnerin hat den Feuerwehreinsatz gefilmt:


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freiburger am 10.07.2018 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Herz blutet

    Als Freiburger kenne ich unsere Schwesterstadt Bern sehr gut. Mein Herz blutet wenn ich sehe was zerstört wurde. Ich hoffe dass es nicht zu schlimm war.

    einklappen einklappen
  • Pro_und_Contra am 10.07.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wüsste zu gerne

    wieviele potentielle "Sensationsfunde" durch private Bauherren klammheimlich zum Verschwinden gebracht werden, nur um sich den Baustopp und die geld- und zeitraubende Verzögerung durch die Historiker oder Archaeologen zu ersparen. Gilt auch für Kiesgrubenbesitzer, wenn wieder mal ein Mammutknochen hervorlugt.

    einklappen einklappen
  • liseluder am 10.07.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wertvoll!

    so kann man auch den Denkmalschutz umgehen, indem man alles abfackelt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 13.07.2018 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfusch am Bau

    Man muss halt Fachleute nehmen um elektrische Installationen auszuführen. Billig ist hier nicht besser. Selber schuld, das es gebrannt hat.

  • JamonSerrano am 11.07.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In den tiefsten Kerker

    Wenn die Deckenmalereien weg sind kann man halt ungehindert weiterbauen. Wenn das keine Brandstiftung war dann wäre ich sehr verwundert. Falls es so ist hoffe ich sie erwischen die Täter, denn Feuer in der Altstadt zu legen ist absolut gemeingefärlich. Ich wohne keine 100 meter weiter oben und als ich das Feuer aus dem Fenster gesehen habe hatte ich eine heiden Angst.

  • Unterer Altdstadtleist am 11.07.2018 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch nur halb so schlimm

    Sah ja auch schon vorher leicht geschwärzt aus

  • Gruss aus Bern am 11.07.2018 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentümerin ist die Stadt Bern,

    doch für einen Brandmelder im Haus hat das sonst für jeden Mist in Hülle und Fülle vorhandene Steuergeld offenbar nicht gereicht.

  • Bärnu am 10.07.2018 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss...

    Da waren beim Umbau ganz sicher Gäste aus dem näheren und/oder weiteren Umland am werken! Die können ja Alles und kosten nur ein Fünftel. Einfach zu dumm die Bauherren und Investoren. Oder hofften die genau auf diese "Finanzspritze" der Versicherungen?