Unfall in Adelboden

13. März 2018 18:51; Akt: 14.03.2018 10:08 Print

«Ich konnte nicht helfen, der Schock war zu gross»

Im Berner Oberland verunfallte eine Mutter (34) mit ihrer Tochter (6) auf dem Traktor. Dieser rollte einen Abhang hinunter und prallte in eine Hauswand.

Die Unfallstelle am Tag nach dem Unglück. (Video: rc)
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Eine Adelbodnerin verunfallte am Montagabend zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter schwer. Die beiden waren auf einem Hang-Landwirtschaftsgerät unterwegs, als sie aus ungeklärten Gründen von der schmalen Strasse abkamen und einen steilen Hang hinunter rollten. Dabei überschlug sich das schwere Gerät laut Anwohnern mehrfach. Das Fahrzeug krachte schliesslich in eine Hauswand.

«Ich hörte einen lauten Knall. Zuerst dachte ich, dass ein Tisch in der Scheune umgefallen sei», sagt eine Anwohnerin. Als sie aus dem Fenster sah, bot sich ihr ein Bild der Verwüstung: Das schwere Arbeitsgerät krachte in ihre Hauswand, Mutter und Tochter lagen verletzt auf dem Feld – sie wurden während des Unfalls aus der Führerkabine geschleudert. «Zum Glück», wie die ältere Frau meint: «Sonst wären sie mit dem Gerät in meine Hauswand gedonnert und womöglich noch schlimmer verletzt worden.»

Unfall Adelboden

Kind geht es den Umständen entsprechend gut

Sofort seien Personen aus umliegenden Bauernhöfen hergerannt und hätten sich um die beiden gekümmert: «Ich konnte nicht aus dem Haus und helfen, der Schock war zu gross. Ich hätte die Bilder nicht ertragen.» Was unmittelbar vor ihrem Fenster geschehen sei, treffe sie sehr: «Besonders weil ein Kind involviert ist.»

Das gesamte Dorf stand auch am Dienstag noch unter Schock – die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. «Ich habe gehört, dass es dem Kind immerhin den Umständen entsprechend gut geht», so eine Adelbodnerin. Das Mädchen wurde am Dienstagabend mit dem Helikopter hospitalisiert. Seither liege es im Spital.

Waren die beiden angegurtet?

Nicht nur im Dorf, auch gerade unter den Bauern sorgt der Unfall für viel Gesprächsstoff. Die Arbeiten in den Oberländer Hängen seien nicht ungefährlich, so der Tenor. Das weiss auch Natanael Burgherr, Sicherheitsberater Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL. Im steilen Gelände komme es immer wieder zu Unfällen – auch mit Arbeitsgerät, das eigens dafür konzipiert worden sei: «Mit solchen Fahrzeugen geht man an die Grenzen der Möglichkeiten. Irgendwann greifen die physikalischen Gesetzte jedoch.»

Damit Unfälle mit solchen Geräten nicht geschehen würden, sei es wichtig, dass der Fahrer das Gerät gut kenne und der Traktor mit entsprechenden Pneus ausgestattet sei. Ganz wichtig sei, dass sich der Fahrer anschnalle: «Die Kabine bietet einen gewissen Schutz für den Insassen – jedoch nur, wenn dieser angegurtet ist.» Dies gelte auch für Kinder: «Diese sollten ebenfalls angeschnallt und in einem Kindersitz sein», so Burgherr. Üblicherweise seien die Kabinen solcher Fahrzeuge jedoch zu klein, für solche Vorrichtungen. Burgherr: «Ich gehe davon aus, dass das Kind hier ungesichert war.»

(rc)