Berner Inselspital

09. November 2017 18:51; Akt: 09.11.2017 18:51 Print

«Weibliche Fachkräfte werden rausgeekelt»

Natalie Urwyler wurde 2014 vom Inselspital widerrechtlich entlassen. Die Narkoseärztin prangert Missstände an und will zurück an ihren Arbeitsplatz.

2014 wurde sie entlassen, am Donnerstag gab die Narkoseärztin eine Pressekonferenz. (20 min / nla)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Jahren liegen sich Oberärztin Natalie Urwyler und die Geschäftsleitung des Inselspitals in den Haaren. Grund: Nachdem Urwyler mehrere Jahrein der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie (KAS) gearbeitet hatte, wurde sie 2014 vom Arbeitgeber freigestellt. Das Verhältnis zwischen dem Inselspital und der Medizinerin sei aufgrund zahlreicher Vorfälle belastet und das Vertrauen dadurch nachhaltig gestört worden, begründete das Inselspital diesen Schritt damals.

Diskriminierung von Frauen in Führungsposition?

Doch die Narkoseärztin war stets der Überzeugung, eine faire Begründung für den Entscheid gebe es nicht. Viel eher handle es sich hierbei um Diskriminierung von weiblichen Führungskräften.

Am Mittwoch hat das Hickhack nun ein erstes Ende genommen: Das Regionalgericht Bern-Mittelland gab der entlassenen Klägerin in einem Teilurteil Recht. Die Kündigung der Ärztin sei widerrechtlich, das Spital müsse Urwyler wieder einstellen. Zudem habe das Spital der Frau eine Parteientschädigung von über 110’000 Franken zu zahlen.

Medienaufsehen genutzt

Einen Tag nach der Urteilsveröffentlichung hat Natalie Urwyler nun in Bern zur Pressekonferenz geladen. Vor versammelten Medien prangerte sie am Donnerstag die Diskriminierung von Frauen in Führungspositionen am Berner Inselspital an.

Dabei nannte sie mehrere Mängel: Der Mutterschutz werde in der Berner Klinik systematisch missachtet. Schwangere Ärztinnen hätten zudem nicht mit der im Arbeitsgesetz vorgeschriebenen Ruhezeit rechnen können. «Ich war verpflichtet, ein Arbeitspensum von hundert Prozent anzutreten, als mein Kind erst 16 Wochen alt war», so die Ärztin.

Für viele Frauen seien solche Bedingungen unmöglich, sodass sie nur noch die Wahl hätten, zu kündigen. «Auf diese Weise werden weibliche Fachkräfte nach und nach rausgeekelt oder dann eben gemobbt, bis sie von alleine gehen», sagt Urwyler. Als diplomierte Ärztin habe sie sich stets für die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz eingesetzt, «doch viele meiner Anliegen wurden nicht ernst genommen.»

Inselspital wartet auf Urteilsbegründung

Zu den Vorwürfen will sich das Berner Inselspital vorerst nicht äussern: «Der uns vorliegende Teilentscheid des Regionalgerichts Bern-Mittelland macht keine Angaben darüber, weshalb die Kündigung von der Einzelrichterin rückgängig gemacht wurde», heisst es dort auf Anfrage. Man wolle erst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Erst wenn diese vorliegt, will das angeprangerte Unternehmen das weitere Vorgehen festgelegen.

Für Oberärztin Urwyler ist aber jetzt schon klar: Trotz Meinungsverschiedenheiten mit dem ehemaligen Arbeitgeber will sie an ihren ehemaligen Arbeitsplatz im KAS zurückkehren: «Mit dem Fussvolk hatte ich ja keine Probleme, lediglich mit der Geschäftsleitung stand ich im Konflikt.»

(nla / miw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • luna3003 am 09.11.2017 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussvolk

    Ihre ehemaligen und evtl zukünftigen Mitarbeiter Fussvolk zu nennen, zeugt nicht gerade von viel Feingefühl...

    einklappen einklappen
  • DieFeuerlilie am 09.11.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äh..

    Hat sie wirklich "Fussvolk" gesagt..? Fände ich echt übel..

    einklappen einklappen
  • klage am 09.11.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ironie

    ja, das ist das beste klima für eine weitere, vertrauensvolle zusammenarbeit...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stiller Bürger.. am 10.11.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffe nur..

    Sollte ich das Pech haben dieser Frau in der Praxis begegnen zu müsse..sage ich auf.. nie mehr Wiedersehn...weil wie geht eine solche Person mit Patienten um.....? ( bin absolut kein Frauen Gegner...)

  • Hly am 10.11.2017 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussvolk

    Wer nicht richtig zuhört oder liest, kommt nicht auf die Idee, dass die Frau die Götter in weiss zitiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ärzte von Frauen welche dasselbe studiert haben, abwertend reden indem sie etwas besseres sein wollen.

  • Gruss aus Bern am 10.11.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Auch sozialer Suizid will gelernt sein,

    die eigene Geisteshaltung mit einem einzigen Wort zu umschreiben, das gelingt kaum wem auf Anhieb. Super gemacht, Frau Doktor, das Fussvolk wird es Ihnen bestimmt zu danken wissen. ...

  • Spatz am 10.11.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrgott nochmal

    Sie meinte doch nicht ihr Fussvolk, sondern das der Königreiches Inselspital. Man muss nicht immer was hinein interpretieren.

  • Mark am 10.11.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bewohner der Schweiz

    Bin Fussvolk und hab kein Problem damit! Warum hat heute jeder und jede das Gefühl was besseres zu sein?