Verwilderte Katzen

13. Juni 2018 05:52; Akt: 13.06.2018 05:52 Print

«Sie sind verängstigt, krank und ausgemergelt»

Tierschützer schlagen Alarm wegen unerwünschten Katzenbabys. Die unkontrollierte Vermehrung vor allem verwilderter Katzen stellt sie vor grosse Probleme und schafft viel Tierleid.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Miggeli hatte Glück. Die frischgebackene fünffache Katzenmama presst mit einer Pfote ihre Jungen an sich. Sie liegt in einer Box des Tierschutzbundes Basel Regional (TSB), wo man sich liebevoll um sie kümmert. Dank einer aufmerksamen Frau, die sie in einem Hinterhof fand und den Tierschutz informierte, konnten Miggeli und ihre Babys professionell versorgt werden.

Umfrage
Was halten Sie von Kastration und Chips für Katzen?

Anderen Tieren ergeht es schlechter. In der Schweiz leben geschätzt zwischen 100'000 und 300'000 verwilderte Katzen. «Genau lässt sich das nicht bestimmen», sagt TSB-Sprecherin Barbara Fischer. «Der Gesundheitszustand dieser Tiere ist oft alarmierend, sie sind verängstigt, krank und ausgemergelt. Zudem stellen sie ein gesundheitliches Risiko für frei laufende Hauskatzen dar.»

«Das Problem ist menschengemacht»

Die verwilderten Katzen leben oft auf der Strasse. Sie wurden entweder ausgesetzt oder stammen von verlassenen Hauskatzen ab. «Das Problem ist definitiv menschengemacht», konstatiert Fischer. Entstehen konnte es nur, weil die Tiere nicht kastriert worden seien und sich selbstständig gemacht hätten.

Beim TSB bekomme man dies jeweils im Frühling und im Herbst zu spüren, nämlich dann, wenn Katzen Junge zur Welt bringen, sagt die Tierschützerin. Dann müsse sich die Organisation um besonders viele Jungtiere kümmern. Gegenwärtig sind es allein in Muttenz derer 21.

Die Lösung für das Elend der Tiere sieht der TSB in der Kastration. Ohne diese könnten laut Daten des Schweizer Tierschutzes aus einem Wurf nach sieben Jahren über 420'000 Katzen entstehen. Darum unterstützt der TSB eine Petition, die am Dienstag mit 115'000 Unterschriften beim Bund eingereicht wurde. Diese fordert eine Kastrationspflicht.

Was passiert mit Miggeli?

Sobald ihre Jungen alt genug sind, wird Miggeli kastriert und wieder in ihr Revier freigelassen. Weil sie den Kontakt mit Menschen scheut, kann sie nicht als Hauskatze vermittelt werden, so eine Pflegerin des TSB. Ihr Nachwuchs sei aber noch jung genug, um sich an Menschen zu gewöhnen und bei ihnen zu leben.

Miggeli wird sich wohl wieder ihren Artgenossen in der menschenbewohnten Wildnis anschliessen. Junge wird sie dank der Kastration aber keine mehr bekommen, womit zumindest sie nicht weiter zur Verschlimmerung des Problems beitragen wird.

Füttern ist keine echte Hilfe

«Am besten sollte man den Tierschutz informieren, wenn man eine verwilderte Katze entdeckt», sagt Fischer. Die Tierpfleger könnten die Katzen artgerecht einfangen und verfügten über die nötige Ausrüstung.

Das Problem bestehe auch darin, eine verwilderte Katze zu erkennen. Denn frei laufende Katzen sind nicht unüblich. Zudem sind sie im Gegensatz zu Hunden oft nicht gechippt, was es schwierig macht, die Halter zu identifizieren. «Das müsste sich ändern», sagt Fischer.

Sie mahnt auch zur Vorsicht: Zwar würde das Füttern der Tiere ihr Leid kurzfristig lindern, das Problem aber langfristig schlimmer machen. Deshalb sei der Tierschutz die beste Option.

(las)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Häxli68 am 13.06.2018 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halterpflicht, Registrieung zwingend!

    Das mich dass nicht erstaunt, nach dem Gestrigen Artikel wegen skandalösen Zuständen von Haustieren die abgegeben werden! Unsere beiden Büsi sind ausgesetzte, die jetzt bei uns zum Glück es Dehei gefunden haben. Der Kater 9 Jahre alt wurde zu 100% hier bei uns am Waldrand ausgesetzt er war total abgemagert und das im Januar!!....nun freut er sich seit 7 Jahren es Kuscheliges Katzendaheim zu haben. Die Kätzin wurde samt Geschwister vom Tierdörfli Olten vermittelt auch sie geniesst seit 1,5 Jahren unser Daheim. Schämt euch alle die Tiere ausetzen, ein domiziertes Tier überlebt die Wildniss nie, auch nicht in der Schweiz! Und Kastrationspflicht, wer das nicht bezahlen will sollte auch kein Tierhalter sein!

  • Sambar2.0 am 13.06.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der ursprung

    der ursprung des katzenelends liegt - nicht nur - aber oft bei bauern, die sich weigern ihre katzen kostenlos(!!) zu unterbinden lassen, stattdessen überlassen sie unkontrolliert vermehren und ihrem schicksal. wenns zu viele hat werden sie ersäuft oder mit dem stein erschlagen. der rest verendet früher oder später wegen krankheiten.

    einklappen einklappen
  • Cäcilia Roth am 13.06.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kastrieren und Chippen wäre sinnvoll !

    Ich wäre dafür dass man die Katzen kastrieren würde ! Es gibt leider viel zu viele streunende Katten ! Ich habe vor 7 Jahren 2 Katzenbabys aus dem Tierheim geholt beide habe ich kastriert und Chippen lassen , obwohl sie in der Wohnung mit gesichertem Balkon leben ! Die eine wurde als Baby im Freien alleine gefunden , die andere von einer verwilderten trächtigen Kätzin im Tierheim geboren !Man den Tierchen viel Leid ersparen wenn sie kastriert wären !

Die neusten Leser-Kommentare

  • marco.c am 13.06.2018 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    sozialer kater

    ich habe einen sehr sozialen kater,der bringt mir fast jeden winter eine katze die kurz vor dem sterben ist ..pepele sie auf gehe zum tierarzt und dann bleiben sie halt bei mir und geniessen es total..

  • Pain_in_the_Ass am 13.06.2018 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was denn sonst

    Natürlich ist das Problem menschengemacht. Haustiere sind Teil der Zivilisation und nicht der Wildnis. Ein freilaufendes Haustier gehört kastriert, sofern es nicht zur Zucht genutzt wird.

  • Peperoni am 13.06.2018 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Wohnungskatzen

    Ich habe reine Wohnungskatzen. Trotzdem sind sie kastriert und gechippt.

  • Katzenfreund am 13.06.2018 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Katze soll entscheiden

    Die Menschen in der Schweiz, von denen es 8 Mio. gibt definieren, dass die ca. 1.5 Mio. Katzen in der Schweiz zu viel sind ??? Katzen beanspruchen weit weniger als Menschen. Deshalb stimme ich keiner Kastration von Katzen zu ohne dass eine schriftliche, eigenhändig unterschriebene Zustimmung der betroffenen Katze vorliegt. Das sollte so im Gesetz verlangt werden.

    • Der gestiefelte Kater am 13.06.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Katzenfreund

      Absolut richtig, aber um Fälschungen der Unterschriften zu vermeiden, muss die Katze beim Unterzeichnen ein Selfie schiessen

    einklappen einklappen
  • P.Z. am 13.06.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflicht

    Ganz einfach. Kastrations- und Chippflicht für alle Katzen die raus können! Ich verstehe nicht wie man das nicht machen kann. Chippen kostet mittlerweile nicht mehr die Welt. Kastrieren ist halt ein bischen teuer (je nach TA), aber wer sich eine Katze zulegen kann kann auch die Kastration/Sterilisation bezahlen!

    • Sulejka am 13.06.2018 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P.Z.

      Meine beiden Katzendamen wurden kastriert ubd gechipt, ohne dass sie aus dem Haus gingen, die eine wollte nie in den Garten, die andere nur wenn ich auch im Garten war..Sie hatten das ganze Haus für sich und die Fenster waren tsgsüber auch offen doch das interessierte beide nicht.

    einklappen einklappen