Baselland

13. März 2018 17:10; Akt: 13.03.2018 19:01 Print

Forscher legen für Studie Wald für 20 Jahre trocken

Um die Folgen des Klimawandels für den Schweizer Wald zu erforschen, simuliert die Uni Basel in einem Baselbieter Waldstück zwanzig Jahre lang Trockenheit.

Pflanzenwissenschaftler Ansgar Kahmen erklärt die spektakuläre Versuchsanlage im Hölsteiner Wald. (Video: sda/Keystone)
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Gesunde Wälder sind für unser Ökosystem essentiell. In ihnen entstehen Ressourcen wie Holz, Sauerstoff und sauberes Wasser; sie reinigen unsere Luft und bieten vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Wie aber reagieren sie auf den Klimawandel? Genau das möchte die Universität Basel nun herausfinden.

Diese Woche hat sie daher mit den Vorbereitungen für ein europaweit einzigartiges Langzeitexperiment gestartet. Im Baselbieter Jura bei Hölstein werden die Wissenschaftler einen Hektar Mischwald 20 Jahre lang beobachten und zur Hälfte trocken legen. «Wenn wir besser verstehen, welche Effekte Trockenheit auf mitteleuropäische Wälder hat, können wir besser vorhersagen, was das für den Nutzen und die Leistungen bedeutet, die das Ökosystem Wald erbringt», erklärt der Pflanzenwissenschaftler Professor Ansgar Kahmen, der das Projekt leitet.

Trockenheit soll simuliert werden

Laut neuesten Prognosen würden die Sommerniederschläge im Westen der Schweiz bis zum Jahr 2085 um bis zu einem Fünftel zurückgehen, schreibt die Universität auf ihrer Website. Diese Trockenheit soll im Gebiet Schoren, namentlich die Karst-Hügelkuppe, simuliert werden. Auf einer Hälfte wird ein Regendach zwischen den Bäumen den Boden trocken halten; die andere Hälfte bleibt als Kontrollfläche der Witterung ausgesetzt.

«Der Standort ist einzigartig. Hier in Hölstein können wir Rotbuchen, Stieleichen, Hagebuchen, Fichten, Waldföhren und Weisstannen in das Experiment einbeziehen, die zwischen 80 und 150 Jahre alt sind. Zudem sickert dank der Kuppellage kein Grundwasser ein. Das haben wir sonst nirgends gefunden», sagt Kahmen.

Mit dem Kran in die Baumkronen

Das Experiment soll auch zeigen, ob die Bäume ihren Stoffwechsel an das neue Klima anpassen können. Zudem will man erforschen, wie sich der Wassermangel auf biogeochemische Kreisläufe im Wald auswirkt und ob die Wälder auch unter zukünftigen Klimabedingungen grosse Mengen an Kohlenstoff speichern können.

Am Dienstag wurde das weit herum sichtbarste Element des Experiments installiert: ein 50 Meter hoher Baukran in der Mitte des Versuchsgeländes. Dieser soll Forschende per Gondel in die Baumkronen bringen, wo sie Veränderungen etwa am Laub beobachten und im Detail Experimente durchführen werden.

Der 45 Meter lange Kranausleger wird am Mittwochmorgen per Helikopter montiert. 2019 wird das teildurchlässige Regendach installiert; dann beginnt der eigentliche Langzeitversuch.

Internationales Projekt

Die Uni Basel will mit Forschern aus ganz Europa sowie mit Wissenschaftlern der Unis Bern und Zürich und der Bundes-Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zusammenarbeiten.

Waldexperiment der Uni Basel

(sis/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Sanders am 13.03.2018 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenswichtig

    Die Erkenntnis aus dem Experiment wage ich voraus zu sagen: Wir brauchen den Wald, stoppt die Überbevölkerung weltweit oder die Natur wird zurückschlagen!

    einklappen einklappen
  • SylviaK am 13.03.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdummung

    Wenn man die Natur mehr achten und in Ruhe lassen würde, die Menschen naturnaher leben würden und der Instinkt nicht mit medialem Müll begraben würde, dann hätten die Wissenschaftler gescheiteres zu tun! Lange können wir so nicht weiter machen!

    einklappen einklappen
  • Rudoph Rendeer am 13.03.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Pinkeln erlaubt?

    Darf ich als einheimisches Reh dort pinkeln?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ottokar Rex am 15.03.2018 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übung abbrechen!

    Unsinniger Versuch! Schon während der 20jährigen Versuchsphase dürften die meisten bei uns heimischen Pflanzen absterben! Dafür braucht es nun echt nicht einen derartig aufwendigen - auch in finanzieller Hinsicht! - Versuch!

  • Ulrich Steger am 14.03.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Völliger Quatsch

    Durch den Klimawandel schmelzen die Gletscher ab. De Fakto gibt es mehr Wasser und Wärme, was das Wasser wiederum schneller Verdunsten lässt. Fazit: Das Klima wird also feuchter und nicht trockner. Dieser Test ist völliger Quatsch!

  • Kibuz am 14.03.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Mega schlau

    Wurden die Wurzeln auch durchtrennt oder was? Was ist mit der Osmose? Die Bäume sind ja u.a. Weltmeister darin.

  • S. Bader am 14.03.2018 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Am Wissen vorbei geschafft

    Typisch Wissenschaft. Nach den Tieren werden jetzt Pflanzen gequält. Ich sage jetzt schon, ohne akademische Verbildung: 20 Jahre Trockenheit überlebt schlicht keine Pflanze. Wahrscheinlich geht es nur ein paar Jahre bevor sie tot alle sind. Der Boden geht auch kaputt und alle dort lebenden Kleinstorganismen, dann übernimmt der Borkenkäfer und breitet sich dafür auch im restlichen Wald aus. Irgendwann ist das Experiment beendet und der trockene Boden führt zusätzlich zu Hangrutschen und Überschwemmungen, wenn es dann mal ordenlich regnet. Kurzsichtiges Experiment.

  • secnd am 14.03.2018 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Scheint in diesem Fall nicht besonders aussagekräftig zu sein. Oder macht man Statistiken neuerdings mit Einzelerscheinungen?