Basel

12. Juni 2018 05:46; Akt: 12.06.2018 05:46 Print

Liebesschlösser sollen ihre Geheimnisse preisgeben

Die Politik liess sie einfach entfernen. Doch ein Künstler will die Basler Liebesschlösser nun vor einem unromantischen Ende auf dem Altmetall bewahren.

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Dass die Liebesschlösser am Käppelijoch auf der Mittleren Rheinbrücke in Basel entfernt werden, ist seit Anfang Mai beschlossene Sache. Am Montagmorgen vollzogen Mitarbeiter des Tiefbauamts den Entscheid der Regierung und entfernten die schlossbehangenen Gitter von der historischen Kapelle, wie Telebasel berichtet. Die Schlösser, es sind Hunderte, müssen einzeln aufgebrochen werden.

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Die alten Liebesbeweise sollen aber nicht im Alteisen landen. Der Waldenburger Künstler Renato Wellenzohn will sie erhalten, die Zusage vom Basler Tiefbauamt hat er bereits eingeholt. «Für mich ist die Entfernung ein notwendiges Übel», sagt der 68-Jährige wehmütig. Aus diesem Grund plant er, die Geschichten der Liebenden, die einst am Käppelijoch ihre Zuneigung bekundeten, aufzunehmen und in einem Kunstwerk festzuhalten. «So gibt es wenigstens kein abruptes Ende», so Wellenzohn.


Am Montagmorgen wurden die Liebesschlösser am Käppelijoch entfernt. (Video: Telebasel)

Liebe in Acryl gegossen

Der Künstler ruft deshalb Paare auf, ihm ihre Geschichte zu erzählen (siehe Box). Die Schlösser, deren Hintergründe Wellenzohn ermitteln kann, will er dann in Acryl giessen und daraus eine Skulptur formen. Zehn weitere möchte er im Schloss Biel-Benken ausstellen und den Rest in einem Schaufenster in Basel unterbringen.

Der Dadaist hat bereits zahlreiche Projekte realisiert und hat Ateliers in Waldenburg und in Italien. Der dem frühen 20. Jahrhundert entsprungene Kunststil Dada ist als Gegenpol zu konventioneller Kunst entstanden. Den Schlössern blüht also eine besondere Art der Konservierung.

Kontroverses Käppelijoch

Eigentlich sind die Liebesschlösser vom Käppelijoch wie geschaffen für ein unorthodoxes Kunstprojekt. Die Kapelle wurde 1392 anlässlich der Vereinigung von Gross- und Kleinbasel gebaut. Zwischen 1433 und 1680 wurden dort aber Todesurteile durch Ertränken vollstreckt. In der Zeit wurden 29 angebliche Hexen getötet. Die Regierung beschloss im März diesen Jahres, mit einer Gedenktafel an die Verfolgung zu erinnern und die «moralische Verantwortung» zu übernehmen.

Diese dunkle Epoche ist jedoch weitestgehend aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden. Stattdessen hängten Paare jahrelang Schlösser als Beweise ihrer Liebe an das Gitter der Kapelle. Weil ihr Gewicht inzwischen die Stabilität der Konstruktion gefährden, findet die versöhnliche Verwendung nun ein jähes Ende.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pegasus77 am 12.06.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Basel kennt man die Geschichte...

    wenn man etwas älter ist... somit könnte man den Schlössern auch eine andere Funktion zugedacht haben.....

  • Sw. Com. am 12.06.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrott

    Mit einer Zange abtrennen und Schrottwert bestimmen lassen, das gäbe für BS noch einen kleinen Batzen fürs entsorgen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sw. Com. am 12.06.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrott

    Mit einer Zange abtrennen und Schrottwert bestimmen lassen, das gäbe für BS noch einen kleinen Batzen fürs entsorgen.

  • Pegasus77 am 12.06.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Basel kennt man die Geschichte...

    wenn man etwas älter ist... somit könnte man den Schlössern auch eine andere Funktion zugedacht haben.....