Geologische Zeitbombe?

12. März 2018 17:41; Akt: 12.03.2018 18:21 Print

«Ein Erdbeben der Stärke 6 ist jederzeit möglich»

In der Nacht auf Montag hat es knapp 30 Kilometer von Basel entfernt gebebt. Sind solche kleineren Erschütterungen Vorboten für ein Jahrhundert-Beben wie zuletzt 1356?

Video: "Basel bebt", Aon Re (CH), 2006, bearbeitet von 20 Minuten
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Am Montag um etwa 0.30 Uhr bebte die Erde nördlich des Fricktaler Städtchens Laufenburg. Der Schweizer Erdbebendienst der ETH Zürich bestätigte, dass das Beben im Umkreis bis 40 Kilometer um das Epizentrum Herrischried in Süddeutschland spürbar war: «Die entfernteste Verspürtmeldung kam aus Oberwil BL», so der SED.

Könnte so ein Mikrobeben möglicherweise Vorbote eines viel grösseren Bebens sein? Zwar seien solch leichte Beben normal, gleichzeitig seien «Erdbeben der Magnitude 6, die schon grössere Schäden verursachen können, selten, aber überall in der Schweiz jederzeit möglich», erklärt Nadine Stauenmaier vom SED.

Alle 500 bis 1500 Jahre sei damit in der Schweiz zu rechnen. Die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Wallis seien am stärksten erdbebengefährdet, wie man anhand der Bodenbeschleunigungen berechnen könne.

Tausende Todesopfer erwartet

In Basel muss also jederzeit mit einem grossen Beben wie anno 1356 gerechnet werden. Damals wurden grosse Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Das Beben hatte eine Stärke zwischen 6 bis 7 und gilt als eines der verheerendsten der Geschichte Europas. Der Versicherungskonzern Aon Risk Solutions hat dieses Szenario vor einigen Jahren in einem Video simuliert.

Seit Jahren wird in Basel deshalb in die Erdbeben-Ertüchtigung der öffentlichen Bauten investiert. Der Schweizerische Ingenieur- und Architekten-Verein (SIA) habe in den vergangenen Jahren bereits Anpassungen vorgenommen. Auch die neue St. Jakobshalle, die noch bis Herbst saniert wird, soll erdbebensicher gemacht werden. Das reiche im Fall der Fälle jedoch nicht aus. Staudenmaier sieht im Katastrophenfall einer düsteren Bilanz entgegen.

«Es wäre mit mehreren tausend Todesopfern sowie zehntausenden Schwer- und Leichtverletzten zu rechnen.» Darüber hinaus wären Sachschäden in der Grössenordnung von 50 bis 100 Milliarden Franken zu erwarten, prognostiziert die Seismologin.

Erdbebenversicherung auf dem Prüfstand

Seit 2010 hat die Stadt Basel ihre kantonseigenen Gebäude erdbebenversichert. Weil sich die Prämie im letzten Jahr aufgrund einer Fehleinschätzung des Versicherungswertes jedoch versechsfacht hat, will der Grosse Rat demnächst entscheiden, ob so die obligatorische Versicherung überhaupt lohnenswert sei. Für das Jahr 2018 zahlt sie den Versicherern Helvetia und Basler Versicherung eine Prämie von 1,8 Millionen Franken.

Phillippe Cottet, der für das Versicherungswesen der Stadt Basel zuständig ist, spricht sich dagegen aus. Er argumentiert damit, dass Basel – sollte der schlimmste Fall eintreten – die Schäden gestaffelt über Jahre hinweg beheben müsse und dazu sehr wohl in der Lage sei. Die Versicherungssumme von 700 Millionen Franken könne nicht auf einmal ausgegeben werden. Ohnehin gäbe es nicht genügend Manpower, um alle Schäden sofort zu beheben, wie er gegenüber der «BZ Basel» sagte.

Für den Notfall nicht gewappnet

Als Standort einer grossen Pharmaindustrie und nahegelegen an Atomkraftwerken sei Basel besonders gefährdet. Die Regiokommission des Grossen Rats sorgt sich schon seit Jahren, dass die Stadt in einem grenzüberschreitenden Katastrophenfall kein adäquates trinationales Notfallkonzept vorweisen kann.

Insbesondere geht es da auch um die Kommunikation. Diese stelle bereits im Alltag eine Herausforderung dar, weil in Deutschland und Frankreich verschiedene Systeme genutzt würden, hält die Basler Regierung in einer Stellungnahme vom 7. März fest. Man sei aber dabei, die Situation zu verbessern.

(sis)