Millionen-Coup in Basel

11. März 2018 15:50; Akt: 11.03.2018 21:20 Print

Bleiben beklaute Kunden auf ihrem Schaden sitzen?

22 Bankschliessfächer von Basler Raiffeisen-Kunden wurden geplündert. Die Bank haftet in solchen Fällen kaum für den entstandenen Schaden.

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Unbekannte Täter haben 22 Fächer der vollautomatischen Tresorfachanlage der Raiffeisenbank am Aeschenplatz in Basel aufgebrochen und ausgeräumt. Die Hintergründe der Tat und die Höhe des Schadens sind noch unklar. Laut Informationen der «Schweiz am Wochenende» haben die Diebe einen Millionen-Coup gelandet.

Ein betroffener Kunde habe Anfang Woche Anzeige erstattet, weil aus seinem Tresorfach Wertgegenstände und Geld gestohlen worden seien, sagte Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel, am Samstag auf Anfrage.

Waren Insider am Werk?

Die Ermittlungen hätten dann gezeigt, dass noch weitere Tresorfächer geleert worden seien. Die Abklärungen der Kriminaltechnik seien am Laufen. Gill sprach von einem «grossen Aufwand». Es müsse auch geklärt werden, wie es den Tätern möglich gewesen sei, mehrfach an die Tresorfächer zu gelangen.

Nach Angaben der Bank wiesen die Schliessfächer keine äusserlichen Schäden auf. Doch bei anderen spektakulären Coups in der Vergangenheit waren immer wieder auch Insider beteiligt gewesen, etwa beim Zürcher Fraumünster-Postraub von 1997. Über den Stand der Ermittlungen ist nichts bekannt.

Versicherung ist Sache der Kunden

Wie hoch der Schaden auch ist – am Ende müssen die Kunden diesen womöglich selbst tragen. Wie Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi gegenüber dem «Blick» erklärte, liegt die Versicherung der Safe-Inhalte «grundsätzlich in der Verantwortung der Kunden». Man werde aber zuerst die Umstände abklären und analysieren und dann mit den Kunden eine Lösung finden, so Chiavi. Allzu viele Hoffnungen dürften sich die Geschädigten aber kaum machen. Schliesslich weiss die Bank nicht, was in ihren Schliessfächern lagert.

Die betroffene Raiffeisen-Filiale öffnete am Samstag ausserordentlich ihre Türen für Kunden mit Schliessfach. «Wir haben Verständnis dafür, dass unsere Kunden beunruhigt sind», erklärte Filialleiterin Pia-Maria Rubitschon gegenüber Telebasel.

Safes nur noch beschränkt zugänglich

Die Tresorfächer befinden sich gemäss der Staatsanwaltschaft im Keller der Bank. Der Kunde gehe in einen kleinen Raum und könne mit einer persönlichen Identifikationsnummer (PIN) den Safe automatisch heraufholen lassen. Danach gehe der Safe wieder zurück in den Keller. Die Raiffeisenbank Basel wirbt damit, dass sie als einzige Bank in Basel über eine vollautomatische Tresoranlage verfüge. Die Miete eines Faches kostet den Kunden pro Jahr zwischen 108 und 259 Franken.

Normalerweise haben die Kunden rund um die Uhr und sieben Tage die Woche Zugang zur Safeanlage. Aus gegebenem Anlass ist sie momentan aber nur während der Banköffnungszeiten geöffnet, wie die Raiffeisenbank kommunizierte.


So funktioniert eine automatisierte Tresoranlage wie jene der Basler Raiffeisen-Filiale. (Video: Youtube)

(daf/sda)