Prunkmesse in der Krise

09. November 2017 20:08; Akt: 09.11.2017 20:11 Print

Die grossen Uhrenmarken sollen Baselworld retten

von David Frische - Die Baselworld setzt in Zukunft vor allem auf die Platzhirsche im Uhrengeschäft, um ihr Überleben zu sichern. Ein Sterben der Baselworld wäre für Basel ein schwerer Schlag.

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Die Nachricht kam am Mittwochabend: die Baselworld, weltgrösste Uhren- und Schmuckmesse, halbiert aufs nächste Jahr hin ihre Ausstellerzahl. Nur noch 600 bis 700 Aussteller statt bislang 1300, berichtete das SRF-Regionaljournal.

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In der Uhren- und Schmuckbranche bläst seit geraumer Zeit ein rauher Wind. Die Digitalisierung hat einen Umbruch ausgelöst: der Verkauf läuft nicht mehr ausschliesslich über die Uhrengeschäfte, sondern verästelt sich immer stärker über den Online-Handel. Auch das Design der Uhren verändert sich. Zudem wird in Ländern, in denen stets viele Uhren verkauft wurden, heute weniger abgesetzt. Zum Beispiel in China und in Russland. Die einst goldene Branche ist arg angeschlagen. Und kleine Uhrenmarken treffen die aktuellen Entwicklungen besonders hart.

«Was nutzen 1000 Aussteller?»

Der Schlachtplan der Organisatoren der Baselworld ist klar: «Entweder senken wir die Teilnahmekosten, damit sich mehr Aussteller beteiligen können und wir die Hallen füllen, egal mit wem. Oder wir sagen: Wir konzentrieren uns auf die starken Player der Branche und bieten ihnen eine Plattform, über die wir sie weiter stärken können. Letzteres ist der Weg, für den wir uns entschieden haben.»

Die Betreiber begründen ihr Vorgehen gegenüber 20 Minuten so: «Was nutzen 1000 Aussteller, von denen 500 kein grosses Besucherinteresse auf sich lenken können? Was ist eine Show wert, die 500 Aussteller hat, die aber niemanden anziehen und nichts verkaufen?» Die grossen Firmen halten sich über Wasser, der Rest geht unter. An den Platzhirschen orientiert sich die Baselworld, um nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden.

Grosse Wertschöpfung

Ein Aus der Baselworld wäre für die Stadt ein herber Verlust. Die Hotellerie und die Gastronomie profitieren jeweils zu Jahresbeginn stark vom Grossanlass. Auch über die Regionsgrenzen hinaus hätte ein Wegfall der Baselworld Folgen. Eine Studie des Basler Forschungsinstituts BAK Economics von 2006 zeigt, dass die Schweizer Messen einen grossen Beitrag zur Wertschöpfung in der Schweiz leisten. So vereinigte die Messe Schweiz, zu der auch die Baselworld gehört, im ganzen Land direkt und indirekt 22'000 Arbeitsplätze und generierte pro Jahr eine Wertschöpfung von 1,9 Milliarden Franken. Rund ein Drittel dieser Wertschöpfung schuf anno 2006 alleine die Baselworld. Die Zahlen verdeutlichen, welchen Stellenwert diese Messe in der Schweiz hat

Die Leiterin der Abteilung Aussenbeziehungen und Standortmarketing beim Kanton Basel-Stadt, Sabine Horvath, äussert sich besorgt: «Für die Baselworld ist das ein drastischer Schritt und die Auswirkungen auf den Messestandort in Bezug auf die Wertschöpfung werden spürbar sein.» Die internationale Strahlkraft der Messe und das Interesse an ihr würden aber gross bleiben, ist Horvath überzeugt.

Für den Influencer Jorge Guerreiro aus Lausanne, der auf Social Media für Uhrenmarken wirbt, kommen die Neuigkeiten aus Basel nicht überraschend. Die Baselworld müsse die Preise senken, sagt er unter anderem im Video gegenüber 20 Minuten. Alles rund um die Messe sei sehr teuer.

(Bearbeitung: daf)


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 09.11.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Dass die Aussteller und die Besucher diesen Wucher nicht mehr zahlen ist doch klar. Jahrelang den Preis in die Höhe treiben und jetzt jammern. Schade für Basel

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  • Insider am 09.11.2017 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fertig abgezockt!

    Jahrelang haben Messe Basel, Hotels & Restaurants die Aussteller & Besucher abgezockt. Ich höre schon das selbstmitgleidige Gejammere und Ruf nach Entschädigungs-Zahlungen. Hoffentlich bleiben sie ungehört.

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  • B. Achel am 09.11.2017 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Komisch, mich würden eher die kleinen Firmen ineressieren, als die Big Player die man überall bekommt und in allen Medien Werbung sieht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Rast am 13.11.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gastronomie

    Die Messe wird ja nur gebraucht um die Hotel und Restaurant preise in die höhe zu treiben.Das die Firmen der Uhren industie dies nicht länger tragen wollen ist auf kurz oder lang ja eine logische Konsequenz.Selbst schuld.

  • Hugo Meyer am 10.11.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nahrung für die Seele

    Eine Schmucke Uhr hat auch einen Sinn sowie Schmuckstücke gleich wie viel Sie kosten der dies wählt hält sich in Grenzen Es gibt auch eine gute Eigenschaft es ist auch Nahrung für die Seele

  • S.Berger am 10.11.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüs Basel-World..

    Sehe mich als Bebbi, ein Berner, der seit fast 40 Jahren in BS lebt. Wenn die frühere Uhren & Schmuck-Messe, die heutige Basel-World verschwinden sollte, weine ich dieser Ausstellung gewiss keine Träne nach. Hingegen der guten alten MUBA schon, die wurde von der MCH absichtlich kaputt gemacht! Es kamen/kommen immer weniger Aussteller, weil die abstrus-Hohen m2 Preise bald jeden verscheuchen. Die jetzige Messeleitung unter den Herren Kamm/Vischer muss zurücktreten, plus noch ein weiteres dutzend Verantwortliche der MCH.

  • Pietro am 10.11.2017 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eintrittspreis viel zu teuer

    und dann fehlen Uhren im Tiefpreissegment.

  • Beat Ottiger am 10.11.2017 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wir schaffen das

    Passt bloss auf dass die edlen stücke nicht geklaut werden...