Häusliche Gewalt

09. November 2017 06:43; Akt: 09.11.2017 06:43 Print

«Ich hatte Angst, dass er mich töten würde»

Einem Bosnier (39) wird vorgeworfen, seine Partnerin wiederholt vergewaltigt und geschlagen zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine sechsjährige Haftstrafe und einen Landesverweis.

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Ein Bosnier (39) soll seine Freundin über Jahre hinweg geschlagen haben. Am Mittwoch sass er vor der Fünferkammer des Basler Strafgerichts. (Bild: aj)

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Der Beschuldigte machte am Mittwochmorgen alles andere als einen kooperativen Eindruck auf die Staatsanwältin Eva Eichenberger, wie sie in ihrem Plädoyer deutlich zu verstehen gab. Der am Hals tätowierte Mann aus Bosnien und Herzegowina sass in einem einfarbigen Traineranzug und mit Fussfesseln auf der Anklagebank und versuchte das Basler Strafgericht mit einem «halbherzigen Teilgeständnis» zu überzeugen, wie Eichenberger es nannte.

Die Worte, die die Staatsanwältin wählte, waren hart: Es handle sich um einen typischen Täter von häuslicher Gewalt. «In seinem Weltbild können Partnerinnen nach Belieben missbraucht werden.» Schuld seien am Ende immer die anderen.

Vergewaltigungen und versuchte Tötung bestritten

Der mehrfach vorbestrafte 39-Jährige soll zwischen 2015 und Mai dieses Jahres seine drei Jahre jüngere Freundin regelmässig grün und blau geschlagen und zweimal vergewaltigt haben. Die angeklagten Straftatbestände waren dementsprechend umfangreich. Unter anderem musste er sich wegen Körperverletzung, Drohung, mehrfacher Vergewaltigung und versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten.

Die letzten beiden Punkte bestritt der in Untersuchungshaft sitzende Mann jedoch vehement. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Auch konnte er sich nicht daran erinnern, dass er alkoholisiert seiner am Boden liegenden Partnerin einen Fuss auf den Hals gedrückt und somit ihr Leben aufs Spiel gesetzt habe.

«Am Anfang waren es nur Ohrfeigen»

Im Beisein ihrer Psychotherapeutin schilderte die Ex-Freundin, wie ihr damaliger Lebensgefährte nach zwei friedlichen gemeinsamen Jahren zum Monster wurde. «Am Anfang war es nur eine Ohrfeige, doch dann wurde es immer schlimmer», so das Opfer, das seit den Übergriffen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet.

Er habe sie auch mit Stöcken geschlagen, zu Boden geworfen und dort festgehalten. Sie schilderte den fünf Richterinnen und Richtern eine Episode, wie er an ihrer Hand gerissen habe, um ihr iPhone zu entsperren, bis ein Finger gebrochen sei.

Verteidigung spricht von «gutmütigem Mensch»

Stets habe sie gehofft, dass er sich bessere. Zur Polizei ging sie erst, als die Gewaltexzesse eskalierten. «Gegen Ende hatte ich Angst, dass er mich töten würde.» Laut Eichenberger ein typisches Verhaltensmuster von Opfern häuslicher Gewalt: «Betroffene wenden sich meist erst nach aussen, wenn sie einen Zusammenbruch erleiden, aufgrund von Verletzungen ein Arzt aufgesucht werden muss oder Dritte die Übergriffe mitbekommen.»

Die Staatsanwältin will den Beschuldigten sechs Jahre und vier Monate hinter Gittern wissen. Zudem fordert sie einen Landesverweis des Mannes und eine Fortsetzung der Sicherheitshaft.

Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten im Plädoyer als «gutmütigen Menschen», der keineswegs ein Schlägertyp sei. Seine bedingte Freiheitsstrafe sollte demnach auch nicht länger als 18 Monate sein. Auf einen Landesverweis soll verzichtet werden.

Das Urteil folgt am Donnerstag um 17 Uhr.

(jd)