Karin Dor

08. November 2017 19:50; Akt: 09.11.2017 11:11 Print

Winnetous grosse Liebe ist tot

Sie verpasste James Bond eine Ohrfeige und verdrehte dem kühlen Apachenhäuptling Winnetou den Kopf. Nun ist Karin Dor gestorben.

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«Sie sind ein Lügner!» Die Szene, in der Karin Dor als Bond-Girl Helga Brandt dem gefesselten Agenten erst eine schallende Ohrfeige gibt, ihn dann mit einem Skalpell bedroht und schliesslich zärtlich küsst, gehört zu den eigenartigsten Momenten in der weltweit erfolgreichen Kinoreihe. An der Seite von Sean Connery war Dor in «James Bond 007 – Man lebt nur zweimal» eine gefährliche rothaarige Schönheit – das bis heute einzige deutsche Bond-Girl. Das war 1967.

Die Deutschen hatten sie da schon ein paar Jahre vor der Bond-Rolle ins Herz geschlossen, als Ribanna, der grossen Liebe des Apachenhäuptlings Winnetou aus den bekannten Karl-May-Filmen.

Nun ist die prominente Schauspielerin gestorben. Karin Dor, die zuletzt in Bayern lebte, starb am Montagabend im Alter von 79 Jahren. Das wurde am Mittwoch bekannt.

«Sie sind ein Lügner!»: Karin Dor verhandelt als Bond-Girl Helga Brandt mit James Bond. (Archiv) Video: Youtube

Ihre Karriere hatte schon früh begonnen. 1938 wurde sie in Wiesbaden als Kätherose Derr geborene. Mit etwa 17 Jahren erhielt sie ihre erste kleine Rolle im «Rosen-Resli». Die gerade einmal neun Jahre alte Christine Kaufmann wurde als verwaistes Blumenmädchen zum Kinderstar.

Auch für Dor zahlte sich der Film aus dem Jahr 1954 aus, obwohl sie nur einen Satz sprechen musste: «Himmlisch, Frau Chefin, einfach himmlisch!». Regisseur Harald Reinl war hin und weg. Er engagierte sie für sein nächstes Projekt «Der schweigende Engel» und führte sie auch gleich vor den Traualtar.

Liess Rollenklischees hinter sich

Fortan ging es mit Dors Karriere nach oben. Mal war sie die verfolgte Unschuld, mal die schutzbedürftige Schönheit, sanft und etwas naiv. Reinl gab ihr gerne Rollen, in seinen «Winnetou»-Filmen ebenso wie in den Edgar-Wallace-Gruselstreifen, wo sie Joachim «Blacky» Fuchsberger kennenlernte. Dors Paradeblick: grosse, entsetzt aufgerissene Augen. Ein Image, das ihr irgendwann nicht mehr behagte.

Dor wollte diese Rollenklischees hinter sich lassen, was Reinl unterstützte. In «Zimmer 13» besetzte er sie als pathologische Mörderin. Und in seinem zweiteiligen «Nibelungen»-Epos spielte sie die Brunhilde. 1967 dann ihre internationale Chance als Bond-Charakter Helga Brandt.

Filmangebot von Hitchcock

Kurz darauf bekam sie ein Angebot des Meisters der Spannung: Alfred Hitchcock, der sie als heissblütige Kubanerin für den Spionagethriller «Topas» engagierte.

Privat ging es bei Dor in dieser Zeit auf und ab. 1955, im Jahr nach der Hochzeit mit Reinl, wurde ihr Sohn Andreas geboren. Gut 14 Jahre lang hielt die Ehe mit dem Regisseur, bis sie 1968 geschieden wurde. Ausserdem ein Schicksalsschlag: Krebs. Doch Dor liess sich nicht unterkriegen, auch wenn es ruhiger um sie wurde.

Sie spielte in der US-Krimi-Serie «Der Chef» an der Seite von Raymond Burr und in der britischen Produktion «Al Mundy». Auch viele deutsche Filme folgten, etwa «König ohne Krone», Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen oder mit Katja Riemann in Margarethe von Trottas Streifen «Ich bin die Andere».

Gefallen fand Dor auch am Boulevard- und Komödientheater, wo sie unter anderem mit Claus Biederstaedt auftrat in dem Stück «Der Neurosenkavalier». Noch zwei Mal war Dor nach ihrer Trennung von Reinl verheiratet. Eine Kurzehe mit einem Kaufmann, dann ab 1988 mit dem US-Amerikaner und Stuntman George Robotham, der 2007 starb.

Begeistert von Connery

Unverbrüchlich treu blieb Dor «ihrem» James Bond, Sean Connery, den sie in «Man lebt nur zweimal» mit dem Skalpell bedroht und später im brennenden Flugzeug festsetzt, während sie selbst sich mit einem Fallschirm rettet. Trotzdem küsst sie ihn leidenschaftlich.

«Bei den ersten Proben dachte ich: Um Gottes willen, ist der langweilig!», sagte Dor mal im Interview der «Süddeutschen Zeitung». «Aber als die Klappe fiel, war plötzlich alles da: der Wahnsinnscharme, die Coolness und the sparkle, dieses berühmte Funkeln in den Augen. Er war phänomenal.»

Connerys Nachfolger hatten es deshalb schwer, etwa Daniel Craig, der 2005 zum neuen Agenten im Auftrag der britischen Krone erkoren wurde. «Mir ist Connery lieber als Craig, weil er eine viel wärmere Ausstrahlung und auch mehr Humor in den Augen hatte», erklärte Dor 2012.

Winnetous Liebe

Und dann ist da noch Pierre Brice, ebenso umschwärmt wie James Bond. Der Franzose hatte einen eindeutigen filmischen Lieblingsmoment, natürlich mit Dor, die ihn in «Winnetou II» so hingebungsvoll anschmachtet.

Das verriet der 2015 gestorbene Brice einmal «Spiegel Online», womit er wohl vielen Dor-Fans aus dem Herzen gesprochen haben dürfte: «Die Szene in der Tropfsteinhöhle ist meine allerliebste, wenn Karin Dor mir zuruft Was sagt Winnetous Herz? Und ich antworte Ribanna.»

(mch/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cleanearth am 08.11.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    i see you later

    Alles Gute, Karin, nun ruht das Traum-Trio gemeinsam in Frieden.

  • Angie Galli am 08.11.2017 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine wunderschöne Frau

    mit ausdrucksvollen Augen! Für mich eine tolle Schauspielerin, diese unvergessene Karin Dor! Schade um sie!

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  • Sulejka am 08.11.2017 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P. Karin Dor

    Ruhe in Frieden Karin Dor. Danke herzlich für die schönen Filme die ich sehen durfte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 3di am 10.11.2017 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer ist das?

    karin Dor (in der Mitte)...auf das wäre ich beim ersten bild nie gekommen...

  • Elfe67 am 10.11.2017 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    In die ewigen Jagdgründe

    Schon wieder eine Heldin aus meiner Jungend, die von uns gegangen ist. Sie ist jetzt mit Pierre Brice, Lex Barker, Götz George zusammen in den ewigen Jagdgründen, mögen sie dort glücklich sein. RIP Karin grüsse mir die Anderen.

  • Eckzahn am 09.11.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veränderung

    Karin Dor hat ja als jung unglaublich gut ausgesehen. Irgendwie eigenartig, wie man sich im Laufe des Lebens verändert. Mir ist aufgefallen, dass es Leute gibt, die man noch gut erkennt, wenn sie älter sind, während man bei anderen nie darauf kommen würde.

    • Rosenreslis Freundin am 10.11.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Ehrendes Andenken

      Eckzahn: Voll daneben. kaum eine andere Schauspielerin hat die Anmut und Ausstrahlung so lange bewahrt wie Karin Dor. Sie war eine der besten deutschen Schauspielerinnen die grosse Karriere machten. Sie hat in Würde die Bürde der Krankheit durchgestanden. Ihr gebührt ehrendes Andenken!

    • Eckzahn am 10.11.2017 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rosenreslis Freundin

      Ich habe ihr mit keinem Wort ihre Anmut und Ausstrahlung abgesprochen. Ja, die hatte sie. Nun, man kann schreiben, formulieren wie man will; jemand interpretiert immer etwas anderes hinein oder legt es einem völlig anders aus. That's life.

    • Rosenreslis FREUNDIN am 10.11.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Veränderungen in der Physiognomie

      Verzehen Sie bitte, dass ich Ihren Kommentar missverstand. Nur ist es hier nicht leicht zu verstehen, wen Sie dann damit meinten.

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  • Uschi am 09.11.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Indianerin

    Ruhe in Frieden Karin Dor. Den Angehörigen mein Herzliches Beileid

  • Marco39 am 09.11.2017 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Winnetous

    Sie war die Schwester vom Winnetous. Ich fand sie echt cool. Sie machte auch im Bond super Szene ist für mich super . Aber so ist es alle werden Sterben und ihr könnt reich oder Arm Porsche fahren aber irgendwie ist unser letze fahrt e Kombi und unsere Kleidung habe keine Säcke

    • Susi am 09.11.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco39

      Die Schwester von Winnetou hiess Marie Versini, Karin Dor war seine grosse Liebe in Winnetou 2.

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