Druckmittel

07. November 2017 15:55; Akt: 07.11.2017 15:55 Print

Weinstein heuerte eine «Armee von Spionen» an

Harvey Weinstein sah es offenbar kommen: Laut US-Medienberichten heuerte er Spione an, um Journalisten und seine mutmasslichen Opfer zum Schweigen zu bringen.

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Ende Oktober berichtete die «New York Times» von vier neuen Anschuldigungen gegenüber Weinstein, zwei der Fälle sollen in den 70er-Jahren vorgefallen sein. Schauspielerin Cynthia Burr sagte der Zeitung, dass sich die beiden damals in einem Hotel trafen, um über geschäftliche Angelegenheiten zu sprechen. Weinstein hätte sie jedoch schon im Lift küssen wollen, was sie deutlich abgelehnt hätte. Er versuchte sie danach im Hotelkorridor zu Oralverkehr zu zwingen. Sie dachte, niemand würde ihr glauben, deshalb spricht sie erst jetzt öffentlich über den Vorfall. Ebenfalls in diesem Zeitraum soll auch seine damalige Assistentin Hope Exiner d'Amore vom Film-Produzenten belästigt worden sein. Sie musste sich aufgrund eines Fehlers bei einer Hotelbuchung ein Zimmer mit Weinstein teilen. Er stieg dann mitten in der Nacht nackt zu ihr ins Bett, und obwohl sie sich entschieden wehrte, drängte er sich auf sie. Nach dem Vorfall bot er ihr diverse Kredit- und Shoppingkarten an, die sie aber ablehnte. Sie wurde noch im gleichen Monat gefeuert. Auch die Regisseurin Lacey Dorn wirft Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vor. An einer Halloween-Party im Gramercy Park Hotel in New York machte sie 2011 Bekanntschaft mit Weinstein, der sie daraufhin um ihre E-Mail-Adresse bat, um einen Termin zu verabreden. Wie Dorn nun der «New York Times» erzählt, fasste ihr Weinstein bei der Party zwischen die Beine und an den Hintern. Weinstein soll ihr später in einem Mail geschrieben haben, dass er es nett fand, sie kennengelernt zu haben. Die Producers Guild of America (PGA) ist der US-Wirtschaftsverband von Film-, Fernseh- und New-Media-Produzenten, bei dem auch Weinstein Mitglied war. Vor zwei Wochen kündigte die PGA an, dass sie Weinstein die Mitgliedschaft aufgrund der jüngsten Ereignisse entziehen werde, er habe jedoch 15 Tage Zeit, gegen einen Ausschluss zu plädieren. Da sich Weinstein nun nicht mehr bei der PGA gemeldet hat, wurde das Urteil verkündet: Die Mitglieder des Verbands haben einstimmig beschlossen, Harvey Weinstein auf Lebzeiten auszuschliessen. (31. Oktober) Die US-Schauspielerin Annabella Sciorra berichtete dem Magazin «New Yorker», Weinstein habe sie in den frühen 1990er Jahren in ihrer Wohnung vergewaltigt. Danach sei sie in eine Depression gefallen und habe jahrelang nicht mehr gearbeitet. Aus Angst vor negativen Reaktionen der Filmbranche habe sie jedoch geschwiegen, berichtete die vor allem durch die US-Serie «The Sopranos» bekannte 57-Jährige weiter. Als sie die Schauspielerei wieder aufgenommen habe, sei sie weiterhin jahrelang von Weinstein belästigt worden. Mickael Chemloul war fünf Jahre lang als Fahrer für Harvey Weinstein tätig. Nun packt er beim französischen TV-Sender BFMTV aus: Immer wieder habe er den Produzenten zu luxuriösen Hotels bringen müssen – und ihn dort auch wieder abgeholt, wenn er mit den Frauen «fertig» war. «Ein Tag ohne Sex war für Weinstein wie ein Tag ohne Sonne.» Allein die Anwesenheit von Frauen habe den Hollywood-Mogul ins Schwitzen gebracht, häufig habe er auch gezittert, so Chemloul. Weiter berichtet der Mann: «Ich musste ihn oft zu Sexorgien fahren.» Einmal habe Weinstein eine Frau auf dem Rücksitz des Wagens gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Ein anderes Mal habe er sich mit einer jungen Dame vergnügt, während seine Gattin Georgina im Zimmer nebenan hochschwanger geschlafen habe. Von seinen Mitarbeitern sei der 65-Jährige deshalb nur «das Schwein» genannt worden. Einmal wurde Chemloul laut eigenen Aussagen selbst Opfer einer Attacke Weinsteins. Als ein geplantes Treffen mit Prostituierten platzte, habe er auf den Fahrer eingeprügelt. «Ich konnte vier Tage lang nicht arbeiten.» Wie kam Harvey Weinstein eigentlich an die jungen Models? Der Produzent, hier an der New York Fashion Week 2011 mit Heidi Klum (3. v. r.) und Jessica Simpson (3. v. l.), habe die jungen Frauen teils absichtlich neben sich setzen lassen. So erzählt es jedenfalls Zoë Brock der «Los Angeles Times». Damals, bei einem Dinner in Cannes 1998, sei sie 24 Jahre alt gewesen. «Das war volle Absicht. Ich bin ziemlich sicher, dass es andere Leute gab, die gern neben Harvey Weinstein gesessen wären.» Einige Zeit später sei sie in ein Hotel gebracht worden, in der Annahme, dass dort weitergefeiert werde. Stattdessen war sie mit Weinstein allein im Zimmer. Er habe sich ausgezogen und sie massieren wollen. «Ich gab nach und liess ihn an meinen Rücken und meine Schulter.» Doch sie habe das Gefühl seiner Hände nicht ausgehalten, so Brock weiter. «Deshalb rannte ich ins Badezimmer und verschloss die Tür.» Das brasilianische Model Juliana De Paula berichtet der «Los Angeles Times» zudem, dass sie vor rund zehn Jahren zusammen mit anderen jungen Frauen in Weinsteins New Yorker Loft gewesen sei. Er habe sich damals ausgezogen und sei ihr nackt hinterhergerannt. Erst als ein Weinglas zerbrochen sei und sie Weinstein damit bedroht habe, habe er aufgehört, erzählt De Paula. Offiziell unterzieht sich Harvey Weinstein in einer Klinik in Arizona einer Therapie. Allzu ernst scheint er es damit jedoch nicht zu meinen, glaubt man dem meist gut unterrichteten Gossip-Portal «PageSix»: Während der Sitzungen schlafe der 65-Jährige oft ein oder telefoniere, berichtet ein Insider. Zudem übernachte er häufig nicht in der Klinik, sondern in einem Hotel. Laut dem Insider ist Weinstein zu einem Gespräch auch schon mal 15 Minuten zu spät gekommen. Als er dann mit Reden an der Reihe war, habe er erklärt, dass eine grosse Verschwörung gegen ihn laufe. Auch Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o berichtet, sie sei von Weinstein sexuell belästigt worden. Vor mehreren Jahren habe sie der in Ungnade gefallene Produzent zu einer privaten Filmvorführung in sein Haus eingeladen. Zuvor seien sie in ein Restaurant gefahren, wo Weinstein sie dazu gedrängt habe, Wodka zu trinken, so Nyong'o zur «New York Times». Zuhause habe er ihr dann eine Massage angeboten. «Ich dachte erst, er mache einen Witz. Doch das tat er nicht. Es war das erste Mal, dass ich mich mit ihm unsicher fühlte», so die 34-Jährige. Um die Kontrolle zu behalten, habe sie ihm dann zunächst angeboten, ihn zu massieren. Da habe, erzählt Nyong'o weiter, Weinstein seine Hose ausgezogen. Danach habe sie dessen Haus verlassen. Nach ihrem Oscar-Gewinn für «12 Years a Slave» 2014 hat es die Schauspielerin dann laut eigenen Aussagen abgelehnt, in einem von Weinsteins Filmen mitzuwirken. Nun hat auch die Polizei von Los Angeles nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen Weinstein eingeleitet. Laut einem Bericht der «Los Angeles Times» soll es sich bei der Frau um eine 38 Jahre alte Schauspielerin aus Italien handeln. Weinstein habe sie vergewaltigt, nachdem er sich Zugang zu ihrem Hotelzimmer verschafft habe, erklärte die Frau gegenüber der Zeitung. Weinstein könne sich zu anonym geäusserten Beschuldigungen nicht äussern, schrieb seine Sprecherin Sallie Hofmeister in einer Stellungnahme. Der 65-Jährige weise die Vorwürfe des nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakts aber deutlich zurück. Harvey Weinstein soll den Verdienstorden der französischen Ehrenlegion verlieren. Präsident Emmanuel Macron hat entsprechende Schritte eingeleitet, wie er dem Fernsehsender TF1 am Sonntagabend erklärte. Die Ehrenlegion zählt rund 93'000 Mitglieder, wurde 1802 von Napoleon ins Leben gerufen und ist die höchste Auszeichnung Frankreichs. Im Sex-Skandal um Harvey Weinstein hat sich nun auch Regisseur Woody Allen zu Wort gemeldet. «Es ist sehr tragisch für die armen Frauen, die das durchmachen mussten», sagte der 81-Jährige zur BBC. Gleichzeitig zeigt er Mitgefühl für Weinstein: «Traurig für Harvey, dass sein Leben so aus den Fugen geraten ist.» Von den Missbrauchsvorwürfen habe er nichts gewusst, so Allen. Er warnt: «Es sollte jetzt nicht zu einer Atmosphäre der Hexenjagd führen, in der jeder Kerl, der im Büro einer Frau zuzwinkert, einen Anwalt holen muss.» Auf Twitter hat Schauspielerin Alyssa Milano den Hashtag #metoo ins Leben gerufen. Sie schrieb: «Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreibe ‹ich auch› als Antwort auf diesen Tweet.» Innerhalb weniger Stunden erhielt Milano über 25'000 Antworten, darunter auch von der neuseeländischen Oscar-Preisträgerin Anna Paquin und «Will and Grace»-Star Debra Messing. James Corden hat sich an der amfAR Gala, einer Charity-Veranstaltung, in Los Angeles über die Affäre Weinstein lustig gemacht. Nun krebst der Late-Night-Moderator zurück. «Um es deutlich zu sagen: Sexuelle Gewalt ist kein Witz-Thema. Ich wollte ihn (Harvey) blossstellen, nicht seine Opfer.» So spottete Corden an der Gala etwa: «So eine schöne Nacht in Los Angeles. Sie ist so schön, dass Harvey Weinstein schon gefragt hat, ob sie ihn in seinem Hotel oben massieren könne.» Wegen dieser Aussage bezeichnete Schauspieler Asia Argento, die behauptet, sie sei von Weinstein vergewaltigt worden, Corden auf Twitter als «Ferkel». Sängerin Courtney Love warnte schon 2005 vor Harvey Weinstein: Als sie von einer Reporterin des Senders Comedy Central gefragt wurde, was sie einer jungen Frau, die nach Hollywood geht, raten würde, antwortete die heute 53-Jährige: «Ich werde deswegen wahrscheinlich verunglimpft werden ... Falls Harvey Weinstein dich zu einer Privatparty ins Four Seasons einlädt – geh nicht hin.» Das Four Seasons ist ein 5-Stern-Hotel in Los Angeles. Gibt es diesen Passus tatsächlich, erhielte der Sex-Skandal um Harvey Weinstein noch einmal eine ganz neue Dimension: Die Gossip-Seite TMZ.com will herausgefunden haben, dass es im Vertrag zwischen dem Produzenten und seiner Firma eine Art Sex-Klausel gab. Demnach konnte er nicht entlassen werden, wenn er jemanden «unsittlich» behandelte oder sonst in irgendeiner Form gegen den Ehrenkodex des Unternehmens verstiess. Auch dann nicht, wenn er wegen wiederholter sexueller Belästigung verklagt worden wäre. Weinstein hätte der Firma nur eine grosse Summe Geld zahlen müssen – als Ausgleich für die Rufschädigung des Betriebs quasi. TMZ.com zitiert aus dem Vertrag: «Sie (gemeint ist Weinstein) werden dem Unternehmen eine vereinbarte Vertragsstrafe von 250'000 Dollar für das erste Vergehen zahlen, 500'000 Dollar für das zweite, 750'000 Dollar für das dritte – und eine Million Dollar für jedes weitere Vergehen.» Dadurch wäre auch die Entlassung der Weinstein Company, die ihren eigenen Chef feuerte, illegal. Die Behörden machen Ernst: In New York untersucht die Polizei gemäss «Daily News», was an den Vorwürfen von Lucia Evans dran ist. Die Schauspielerin wirft dem Produzenten vor, sie 2004 in ein Hotelzimmer gelockt und sie danach zum Oralsex gezwungen zu haben. Für Straftaten wie Vergewaltigungen gibt es in New York keine Verjährung. In London teilt die Polizei mit, sie befasse sich mit einem «angeblichen sexuellen Übergriff in der Gegend von London in den 80er-Jahren». Laut britischen Medien geht es um Weinstein als möglichen Täter. Auch Heidi Klum hat sich zum Sex-Skandal geäussert: «Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, wären eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht.» Man solle «nicht so naiv sein zu denken, dass solch ein Verhalten nur in Hollywood passiert», sagte Klum dem «People»-Magazin. Es sei nur ein Beispiel dafür, wie schlecht Frauen weltweit noch behandelt würden. «Es wäre sicher schwer, eine Frau zu finden – mich eingeschlossen –, die sich noch nie eingeschüchtert oder bedroht gefühlt hat von einem Mann, der seine Macht, Position oder körperliche Statur ausnutzt.» Was sonst noch passiert ist: In einer Dringlichkeitssitzung will die Oscar-Akademie am Samstag über einen möglichen Ausschluss Weinsteins beraten. Die renommierte «New York Times» berichtete zudem unter Berufung auf einen Anwalt des Produzenten, dass es eine aussergerichtliche Einigung mit drei oder vier Frauen gegeben habe. Mit Geldzahlungen habe Weinstein seine Opfer zum Schweigen gebracht. Ehefrau Georgina Chapman hat Harvey Weinstein bereits verlassen, die Karriere des Star-Produzenten ist wohl vorbei. Der Wirbel um seine Person scheint dem 65-Jährigen massiv zuzusetzen: Laut TMZ.com hat seine 22-jährige Tochter Remy am Mittwoch die Polizei gerufen. Ihr Vater sei suizidgefährdet, gab sie am Telefon an. Als die Beamten eintrafen, gab die Frau aber zu Protokoll, es habe sich nur um einen Familienstreit gehandelt. In einem Video, das TMZ.com vor Weinsteins Haus aufgenommen hat, wirkt der Star-Produzent aufgebracht. «Mir geht es nicht gut», erklärt der 65-Jährige. «Ich brauche Hilfe. Wir machen alle Fehler und ich hoffe, für mich gibt es eine zweite Chance.» Zu den wartenden Paparazzi sagt er: «Ich habe mich euch gegenüber immer loyal verhalten. Nicht wie die Arschlöcher, die mich nun wie ein Stück Dreck behandeln.» Gemeint sind wohl jene Prominenten, die ihn in Interviews und in den sozialen Medien verurteilen. Mit einem emotionalen Statement wendet sich Weinstein an die Presse: «Ich bin zutiefst erschüttert», sagte er zur Promi-Seite «Page Six». «Ich habe meine Frau und meine Kinder verloren, die ich mehr liebe als alles andere.» Zu diesen Schauspielerinnen gehört auch Cara Delevingne. Die 25-Jährige veröffentlichte am Mittwoch eine Mitteilung, in der sie eine Begegnung mit Weinstein schildert. Dieser habe sie vor ein paar Jahren angerufen und sie zu ihrer Sexualität befragt: «Er sagte mir, wenn ich homosexuell wäre, [...] würde ich niemals eine Rolle als heterosexuelle Frau bekommen oder es als Schauspielerin in Hollywood schaffen.» Bei einem weiteren Treffen einige Zeit später habe Weinstein damit angegeben, Frauen, mit denen er Sex gehabt habe, zu einer Karriere verholfen zu haben. In einem Hotelzimmer, in das sie Weinstein danach eingeladen habe, sei eine Frau gewesen. Er habe von Delevingne verlangt, sie zu küssen, was sie aber abgelehnt habe. «Er brachte mich zur Tür, stellte sich davor und versuchte, mich auf den Mund zu küssen.» Doch Delevingne konnte laut eigenen Angaben entkommen. Bis jetzt habe sie nicht über den Vorfall geredet, weil sie Weinsteins Familie nicht habe verletzen wollen, so Delevingne auf Instagram. Mittlerweile hat sich Weinstein gemäss diversen Medienberichten in Behandlung begeben. Die Einrichtung heisst The Meadows, liegt in Arizona und ist auf Drogen- und Sexsucht spezialisiert. Zunächst habe Weinstein sich in der Schweiz kurieren lassen wollen, schreibt TMZ.com. Hier will Harvey Weinstein also Ruhe finden und sich von Spezialärzten helfen lassen. Gleichzeitig dürfte er froh sein, dem Medienrummel in Hollywood entfliehen zu können. Die Anschuldigungen, die der 65-Jährige in Teilen zugibt, haben für ihn Konsequenzen: Seine eigene Firma hat ihn entlassen, auch Ehefrau Georgina Chapman hat sich mittlerweile von ihm getrennt. «The New Yorker» hat zudem einen Ton-Mitschnitt aus dem Jahr 2015 publiziert. Dort ist zu hören, wie Weinstein das Model Ambra Battilana Gutierrez (damals 22) in einem New Yorker Hotel bedrängt. Sie solle ihm Gesellschaft leisten, während er duscht, fordert er seinen Gast auf. Als sie sich weigert, meint Weinstein: «Schätzchen, bitte, verdirb dir nicht wegen fünf Minuten die Freundschaft mit mir.» Hollywood hat zunächst nur zögerlich reagiert. Mittlerweile ist die Empörung in vollem Gange. Kate Winslet sagt in der «Variety», Weinsteins Verhalten sei «skandalös und sehr, sehr falsch». George Clooney sagt zu «The Daily Beast»: «Es ist unentschuldbar! Wir hatten gemeinsame Abendessen, wir waren gemeinsam am Set, wir hatten Streitereien. Doch ich kann Ihnen sagen, dass ich niemals ein solches Verhalten bei ihm gesehen habe – nie.» Angelina Jolie meint in der «New York Times», sie habe in ihrer Jugend mit Weinstein «schlechte Erfahrungen» gemacht. «Als Folge davon habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel.» Leonardo DiCaprio schreibt auf Facebook: «Es gibt keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe. Ich begrüsse die Kraft und den Mut jener Frauen, die sich getraut haben und ihre Stimme erhoben haben.» Auch Ex-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle (im Bild zusammen mit Weinstein bei einem Workshop für Studenten im Weissen Haus 2013) haben eine klare Meinung: «Jeder Mann, der Frauen in einer solchen Weise diskreditiert, muss verurteilt werden, egal, wie reich er ist oder über welchen Status er verfügt», werden die beiden in einem offiziellen Statement zitiert. Mit etwas Verzögerung meldete sich auch Jennifer Lawrence zu Wort. «Ich war extrem verstört, als ich gehört habe, was Harvey Weinstein getan hat», sagt sie zur «Variety». Und weiter: «Dieses Verhalten ist unentschuldbar.» Lawrence arbeitete 2012 bei ihrem Erfolgsfilm «Silver Linings» mit der Weinstein Company zusammen. Gwyneth Paltrow bemerkt in derselben Zeitschrift, Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und sie massieren wollen. Doch die Schauspielerin hat sich laut eigenen Aussagen geweigert. Lena Dunham greift Weinstein in einem Essay in der «New York Times» frontal an. Seine Übergriffe seien «über Jahrzehnte hinweg von Angestellten und Kollaborateuren schweigend abgesegnet» worden und «ein Mikrokosmos dafür, was seit jeher in Hollywood geschieht». Viele Unterstützer hat Weinstein in Hollywood nicht mehr. Lindsay Lohan hat sich, zumindest vor ein paar Tagen, hinter den Produzenten gestellt. «Harvey tut mir sehr leid. Ich glaube, was gerade passiert, ist nicht richtig», sagte sie in einem, mittlerweile gelöschten, Instagram-Video. Designerin Donna Karan (im Bild) meinte in einem Interview mit der Zeitung «Daily Mail», manche Frauen würden «Ärger suchen». Nach heftiger Kritik zog sie ihre Aussage zurück und entschuldigte sich. Die Faktenlage so weit bisher bekannt: Harvey Weinstein soll mehrere Frauen sexuell belästigt und bedrängt haben. Mindestens drei habe er zu Oralverkehr gezwungen, so die Vorwürfe, die von der «New York Times» sowie von «The New Yorker» öffentlich gemacht wurden.

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Es liest sich wie das Drehbuch eines Agenten-Thrillers. Ein Drehbuch, das Harvey Weinsteins Autoren nicht hätten besser schreiben können. Der gefallene Film-Mogul soll eine Armee von professionellen Spionen engagiert haben, um mutmassliche Opfer, Informanten oder recherchierende Journalistinnen und Journalisten unter Druck setzen zu können – und so alle, die ihm gefährlich werden könnten, zum Schweigen zu bringen, wie «The New Yorker» schreibt.

Weinstein habe im Oktober 2016 mit dieser Taktik begonnen, heisst es im ausführlichen Essay mit dem Titel «Harvey Weinsteins Armee von Spionen» von Ronan Farrow. Dem Sohn von Woody Allen und Mia Farrow liegen offenbar hunderte Seiten starke Dokumente vor, die Weinsteins organisierte Spionage beschreiben. Er habe damit Storys, die sein sexuelles Fehlverhalten thematisieren könnten, systematisch zu unterdrücken versucht.

Mossad-Spione organisierten Informationen

Das Vorgehen der «Corporate-Intelligence-Agenturen» (einer Art professionalisierte Detektei) jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Weinstein soll für mehrere hunderttausend Dollar die Dienste von Black Cube und Kroll in Anspruch genommen haben. Abgewickelt wurden die Deals laut «The New Yorker» über eine Anwaltskanzlei – damit das Anwaltsgeheimnis ihn im Falle eines Gerichtsverfahrens vor Offenlegung der Zusammenarbeit schützt.

Für Black Cube arbeiten offenbar ehemalige Mossad-Spione. Die Auftragsausführenden seien «sehr erfahrene und in Eliteeinheiten des israelischen Militärs oder im staatlichen Spionagedienst ausgebildete» Mitarbeiter, schreibt Farrow. Wie diese vorgehen? Wie im Krimi.

Rose McGowan ausgetrickst

So soll sich eine Ermittlerin unter falschem Namen bei Rose McGowan (sie brachte den Fall Weinstein unter anderem ins Rollen) gemeldet haben. Sie habe in vielen Gesprächen mit der Schauspielerin suggeriert, dass sie sich mit ihrer Firma (einer, wie sich später rausstellte, Briefkasten-Finanzfirma in London) für die Rechte von Frauen einsetzen wolle.

McGowan wurde etwa dazu eingeladen, bei einer Gala zu sprechen. Ihr wurde zudem in Aussicht gestellt, dass die Ermittlerin mit Codename Diana Filip in McGowans Produktionsfirma investieren wolle. Sie baute Vertrauen auf, horchte die Schauspielerin aus und übermittelte die Informationen auf Umwegen an Harvey Weinstein, wie es im «New Yorker» heisst.

Harvey Weinstein lässt Artikel als «Fiktion» abtun

Gleichzeitig soll dieselbe Ermittlerin unter dem Namen Anna mit einem Journalisten, der an einer Weinstein-Enthüllungsstory arbeitete, Kontakt aufgenommen haben. Immer mit dem Ziel: Informationen herausfinden, die die Kontaktperson im Zweifelsfall diskreditieren könnten.

Die Kontaktierten fühlten sich unter Druck gesetzt und überwacht, wie sie zu Protokoll geben. Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister streitet die Vorwürfe ab: «Es ist reine Fiktion, dass Individuen gezielt unterdrückt wurden», wird sie im Artikel zitiert.

Dies sind nur zwei Beispiele von angeblich konkreten Fällen. Farrow zeichnet in seinem ausführlichen Text sehr detailliert nach, wie sich Weinsteins Praktik, Informationen anzusammeln oder Berichte zu verhindern, abgespielt haben könnte. Derweil gab die US-amerikanische Television Academy, eine Art Ehrenverband für Fernsehschaffende, bekannt, Weinstein auf Lebzeiten ausgeschlossen zu haben, wie Variety.com berichtet.

(bbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fipi am 07.11.2017 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Der Sturm beginnt

    Die neuen Erkenntnisse aus Hollywood sind nur die Spitze des Eisberges. In naher Zukunft wird noch viel mehr ans Tageslicht kommen. Es ist gut, dass endlich Leute vor die Medien stehen und die Missstände anprangern.

  • Kleine am 07.11.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch wir durften nicht Sprechen.

    Oh solche Sachen geschahen schon lange auch unter nicht Schauspieler.

  • 20min User am 07.11.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien...

    Sexuelle Belästigungs ist auf kein Fall ein Kavaliers Delikt und man muss es auch zu 100% ernst nehmen, was mich an der ganzen Sache stört ist, die Mediale inszenierung, als wäre es auf der selben Ebene wie Vergewaltigung, Schwere Körperverletzung, Mord und Todschlag.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grigionese am 08.11.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Meinung fehlt noch

    Nimmt mich wunder was dessen Glaubensbrüder dazu meinen. Bisher scheinen sie seine Taten nicht als negativ zu bewerten. Ansonsten melden sie sich doch recht schnell wenn sie etwas stört.

  • Chevalier am 08.11.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spitze des Eisberges - Sumpf austrocknen!

    Das ist nur die Spitze des Eisbergs und ein Warnschuss! Trump liess schon mehr als 1000 Leute im Pädogate-Skandal verhaften. Dieselben Geheimdienste, wie im Artikel erwähnt, setzten seit Jahrzehnten Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit unter Druck, die sie vorher in sexuell eideutigen Posen gefilmt hatten! So läuft diese Erpressung! Trump sei Dank, dass er diesen Sumpf austrocknen will, wie er bereits im Wahlkampf versprochen hatte!

  • Franz S. am 08.11.2017 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    das ist der Hammer

    Jemand der unschuldig ist, betreibt keine Spielchen mit solch hoher krimineller Energie. Die Detekteien haben auch keinen Kodex. Für Geld tun sie scheinbar alles.

  • Maler50 am 07.11.2017 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgründe

    Da tun sich ja Abgründe auf, nicht zu fassen. Jetzt wird Weinstein entgültig einpacken müssen!!

  • Rocho am 07.11.2017 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn liebt macht man keine Sachen mit anderen

    Er liebt seine Frau und Kinder mehr als alles andere und trotzdem gibt es so viele sich ähnelnde Verteilungen über ihn im Sexualbereich? Ehrlich gesagt, mir kann es egal sein wie er sein Leben gestalltet, aber seine Frau wird er garantiert nicht über alles geliebt haben wenn sich herausstellt das solche Aussagen über ihn rechtens sind. Dann sollte er sich mehr als schämen, weil man nicht solches macht wenn man seine Familie wirklich liebt!