«Unerwünschte Elemente»

13. Juni 2018 21:52; Akt: 13.06.2018 21:52 Print

Russische Prostituierte stehen an WM im Abseits

Die Fussball-WM mit ihrem überwiegend männlichen Publikum hätte für die russischen Prostituierten ein grosses Geschäft werden können.

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«Die meisten Bordelle schliessen wegen der Warnungen der Polizei», sagt Irina Maslowa, Chefin der Organisation Silberne Rose, die sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen einsetzt.
Nur jene Etablissements, die gute Beziehungen zu Polizei und Behörden hätten und diese dafür bezahlten, blieben geöffnet, sagt Maslowa. Russland wolle während der Weltmeisterschaft ein «sauberes Bild» abgeben und verfolge «unerwünschte Elemente» entschlossener.

In den 1990er-Jahren war Russland berüchtigt für seine Sexindustrie. Präsident Wladimir Putin pries die russischen Prostituierten als «die besten in der Welt». In den vergangenen Jahren gehen die Behörden zunehmend härter gegen Sexarbeiterinnen vor und zwingen sie, im Verborgenen zu agieren. Auch die russische Finanzkrise 2014 hat das Geschäft einbrechen lassen: die Nachfrage und die Tarife sanken.

«Die Städte verlassen»

Bereits bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi wandte die Polizei laut Maslowa drastische Massnahmen gegen Prostituierte an. Manche seien für die Zeit der Wettkämpfe sogar inhaftiert worden. Maslowa selbst sass 2003 während der 300-Jahr-Feier in St. Petersburg für 48 Stunden in Einzelhaft.

Andere Frauen wurden bis zu 60 Kilometer weit vor die Stadt gebracht. «Um solche Gefahren zu vermeiden, um ihr Leben, ihre Gesundheit und Sicherheit zu schützen, werden die Sexarbeiterinnen die Städte verlassen», sagt Maslowa.

Englischunterricht für die Angestellten

Striplokale und das neu eröffnete Sexpuppen-Hotel in Moskau dürfen ihr Geschäft hingegen auch während der Weltmeisterschaft betreiben. «Wir erwarten einen grossen Zustrom von Gästen», sagt Lucky Lee, dem der Strip-Club Golden Girls im Zentrum der Hauptstadt gehört. Um den ausländischen Besuchern den Kontakt zu erleichtern, organisierte er Englischunterricht für die Angestellten.

«Das sind einfache Englischlektionen– wie man ein Hotel reserviert oder mit den Kunden spricht», erzählt Melanie, eine 29 Jahre alte Stripperin, die seit sechs Jahren in dem Club arbeitet. «Es wäre gut, wenn es während der WM mehr Arbeit gäbe», sagt sie. Denn auch sie spürt die Auswirkungen der Krise. Verdiente früher eine Tänzerin fast 10'000 Franken im Monat, sind es heute maximal 4800 Franken.

WM-Trikot inklusive

Dmitri Alexandrow eröffnete vor wenigen Wochen die erste russische Filiale der spanischen Kette Lumidolls Sex Hotel. Dort bezahlen Männer 5000 Rubel (rund 80 Franken), um eine Stunde mit einer lebensgrossen Silikonpuppe zu verbringen. Auch Alexandrow rechnet mit einem grossen Ansturm während der WM, zumal die meisten Paare Sex mit Puppen nicht als Untreue empfänden.

«Die meisten Fans werden ohne ihre bessere Hälfte hier sein», sagt Alexandrow, während Lolita und Alise neben ihm sitzen, die beliebtesten Modelle der Kollektion. Während der WM tragen die Puppen auf Kundenwunsch das Trikot der jeweiligen Nationalmannschaft.

(gux/afp)