Nach Geständnis

10. Juni 2018 21:25; Akt: 10.06.2018 21:58 Print

Ali B. wird im «BodyCuff» ins Gefängnis geflogen

Der Iraker hat den Mord an der deutschen Susanna F. offenbar gestanden. Eine Vergewaltigung bestreitet der 20-Jährige aber.

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Ali B. soll den Mord an der 14-jährigen Susanna F. gestanden haben: Sicherheitskräfte bringen den Iraker zu einem Helikopter, mit dem er ins Gefängnis geflogen wird. (10. Juni 2018) Der im Mordfall Susanna gesuchte 20-jährige Verdächtige wurde in der Nacht auf Freitag gefasst. Er setzte sich zuvor in den Irak ab. Mitglieder des Sondereinsatzkommandos mit dem Tatverdächtigen Ali B. vor der Befragung in Wiesbaden. (9. Juni 2018) Der 20-Jährige Iraker wurde am Sonntag in Wiesbaden dem Haftrichter vorgeführt. Ali B. wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna F. aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Am Mittwoch wurde die Leiche des 14-jährigen Mädchens gefunden. Sie wurde durch «Gewalteinwirkung auf den Hals» getötet. Die Afd hielt im Bundestag eine Schweigeminute für die getötete Susanna ab. Kritiker werfen der Partei vor, das Opfer politisch zu instrumentalisieren. (8. Juni 2018) Der Mord habe sie tief erschüttert, sagte die Kanzlerin am Samstag am Rande des G7-Gipfels in Kanada. In Deutschland schlägt der Fall hohe Wellen: Im Gedenken an das Mordopfer Susanna legen Menschen in Wiesbaden Blumen, Fotos und persönliche Botschaften nieder. Kerzen, eine Engelsfigur und persönliche Trauerbekundungen liegen in der Nähe des Leichenfundortes von Susanna F. Dieter Romann, Chef der deutschen Bundespolizei, im Gespräch mit Bundesinnenminister Horst Seehofer im Mai 2018. Romann war beim Flug des Tatverdächtigen von Erbil nach Frankfurt dabei und lobte die Zusammenarbeit mit den kurdischen Sicherheitsbehörden.

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Der im Nordirak gefasste Verdächtige im Mordfall Susanna, Ali B., hat die Tötung der 14-Jährigen laut Staatsanwaltschaft gestanden. Eine Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Wiesbaden ordnete am Sonntag Untersuchungshaft an.

«Er hat sich dahingehend geständig eingelassen, dass er Susanna F. umgebracht habe, eine Vergewaltigung wurde durch ihn allerdings bestritten», teilte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Sonntagabend mit. «Als Motiv für die Tat gab er an, dass er aufgrund von Verletzungen im Gesicht von Susanna, die in Folge eines Sturzes entstanden sein sollen, befürchtet habe, dass diese die Polizei informieren werde.»

Diese Angaben habe der 20 Jahre alte Iraker noch in der Nacht zum Sonntag in einer polizeilichen Vernehmung gemacht und in einer Anhörung der Ermittlungsrichterin am Sonntag bestätigt. Die Aussage am Sonntag dauerte demnach «nahezu sechs Stunden». Die Amtsrichterin ordnete Untersuchungshaft an. Ali B. wurde daraufhin mit einem Hubschrauber in die Justizvollzugsanstalt Frankfurt I gebracht.

Auf Bildern ist zu sehen, dass Ali B. einen weissen Overall trägt. Seine eigenen Kleider wurden ihm offenbar zur Beweissicherung abgenommen, schreibt «Bild». Ausserdem trägt der Iraker einen sogenannten «BodyCuff». An diesem Hüftgürtel werden die Arme fixiert, und zusätzlich die Fussfesseln festgemacht. So soll sichergestellt werden, dass der Gefangene nicht fliehen und niemanden verletzen kann.


Der Auslieferung des Mordverdächtigen ging eine enge Zusammenarbeit mit den kurdischen Behörden voraus. B. hatte sich mit seiner Familie in den Nordirak abgesetzt, von wo er 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte, er sei «froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmassliche Täter» zurück in Deutschland sei. So könne das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden.

B. war in der Nacht zum Freitag im Nordirak von kurdischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden. Er wird verdächtigt, die 14-Jährige aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Das Mädchen war vor mehr als zwei Wochen als vermisst gemeldet worden und am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefunden worden.

Merkel für schnellere Abschiebungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich wegen dem Fall Susanna für schnellere Abschiebungen abgelehnter Flüchtlinge aus. «Der Fall zeigt doch, wie wichtig es ist, dass die Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben, schnell ihr Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und schnell wieder nach Hause geschickt werden können, sagte sie am Sonntag in der ARD-Sendung »Anne Will«. Ali B. hatte gegen die Ablehnung seines Asylbescheids Rechtsmittel eingelegt und damit seine Abschiebung über Monate verhindert.

B. war am 2. Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus über die Türkei in den Nordirak geflohen. Den Ermittlern zufolge kam er im Herbst 2015 nach Deutschland, sein Asylgesuch war im Dezember 2016 abgelehnt worden. Seither lebte er in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden.

(hvw/sda)