Polen

24. Juni 2017 04:10; Akt: 24.06.2017 05:03 Print

«Pille danach» gibt es nur noch auf Rezept

Das polnische Abtreibungsrecht ist äusserst restriktiv und wird weiter verschärft: Die nationalkonservative Regierung hat nun den Zugang zur «Pille danach» eingeschränkt.

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Polens Präsident Andrzej Duda unterzeichnete am Freitag das im Mai vom Parlament verabschiedete Gesetz, nach dem es Pillen zur Geburtenkontrolle nur noch auf Rezept gibt. Seit 2015 war die «Pille danach» in Polen für über 15-Jährige frei erhältlich.

Die seit November 2015 amtierende Regierung in Warschau hat bereits staatliche Mittel für In-Vitro-Fertilisation und andere Formen der künstlichen Befruchtung gestrichen. Im vergangenen Jahr versuchte sie, Schwangerschaftsabbrüche fast vollständig zu verbieten. Diese sollten künftig nur noch erlaubt sein, wenn das Leben der Schwangeren unmittelbar bedroht ist.

Ein Arzt informiert in der Schweiz eine Patientin über die «Pille danach». (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Abtreibung nur bedingt möglich

Dagegen gingen an mehreren Tagen landesweit zehntausende schwarzgekleidete Frauen auf die Strasse. Das von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) des ehemaligen Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski beherrschte Parlament machte daraufhin einen Rückzieher.

Das polnische Abtreibungsrecht ist so restriktiv wie fast nirgendwo sonst in Europa. Erlaubt ist Abtreibung nur bei Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren, Hinweise auf eine schwere unheilbare Erkrankung des Fötus oder bei Vergewaltigung sowie Inzest. Polens mächtige katholische Kirche unterstützt ein vollständiges Abtreibungsverbot.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Badonia am 24.06.2017 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch und irreführend

    Die abgebildete Tablette Mifegyne ist nicht die unter dem gängigen Namen "Pille danach" bezeichnete Tablette. Die Pille danach soll eine Schwangerschaft verhindern, Mifegyne ist jedoch ein Präparat, welches beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch eingesetzt wird. Man muss also klar differenzieren. Das sind aus medizinischer Sicht absolut unterschiedliche Präparate und dürfen nicht verwechselt werden. Das Bild ist falsch betitelt und irreführend.

  • S. am 24.06.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Polin

    Bin selber Polin jedoch praktisch hier in der Schweiz aufgewachsen. Das was in der letzten Zeit in Polen passiert ist einfach schockierend. Gott sei Dank leben wir dort nicht mehr.

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  • Tamara am 24.06.2017 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Hat Vor- und auch Nachteile. Eine ärztliche Untersuchung schadet ja nie, Frage ist aber, ob man/frau an einem Freitagabend einen Arzt findet. Am Montag ist es schon zu spät.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • WaleLi am 25.06.2017 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorher miteinander reden

    Am besten ist, wenn man sich als Paar schon vor einer allfälligen Verhütungspanne abspricht, was man mit dem ungewollt gezeugten Kind tun will: Austragen oder abtreiben.

    • Sergio am 25.06.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @WaleLi

      Ja, ich mach das auch immer halb besoffen an der Bar kurz vor dem One-Night-Stand. Das hilft immer sehr, das Eis zu brechen! So ein Blödsinn. Das ist nur der Wille einer konservativen, selbstgerechten Minderheit, die sich an der Macht sieht. Man will alle gleich machen, seine moralischen Vorstellungen allen aufzwingen und riskiert damit, mehr jugendliche Schwangere zu haben und dadurch auch mehr Sozialfälle. Schlussendlich ist es zu oft die konservative Rechte, die alle Menschen gleichschalten will, nicht die Linke!

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  • Elle am 24.06.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schritt Rückwärts

    Der Schritt zurück ins letzte Jahrtausend. Und welche Sanktionen gibt es von der Eu für Polen?

  • Regina . am 24.06.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Körper gehört mir

    Man sagt ja "Mein Körper gehört mir" und somit darf doch jede Frau selber darüber entscheiden ob sie dafür oder dagegen ist, es macht oder eben nicht macht oder liege ich da falsch?! Diese elenden Vorurteile finde ich einfach daneben.

    • Tschügge am 24.06.2017 19:34 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, du liegst falsch

      Denn 1. einmal ist ein Kind im Mutterleib der Mutter kein Teil der Frau, sondern eben ein eigenes Lebewesen und 2. - warum soll die Allgemeinheit blechen und das ganze noch unterstützen müssen, weil 2 "Erwachsene" nicht vernünftig mit der eigenen Sexualität umzugehen wissen.

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  • Loris am 24.06.2017 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückwärts mit EU-Geldern

    Polens Rückzug in die Steinzeit nimmt ihren Lauf. Man muss sich wirklich Gedanken über die EU-Komptibilität machen. Dasselbe gilt für Ungarn.

  • P. Olek am 24.06.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis

    Ich bin selber Pole (m). Doch zeigt wie primitiv und rückständig das Land ist. Und so ein Land darf in die EU? Mein herzlichstes Mitgefühl für alle Frauen in Polen, welche es mal brauchen.