Lebensgefahr

21. September 2017 14:44; Akt: 21.09.2017 14:52 Print

Kronzeuge darf nicht gegen IS-Prediger aussagen

Vor allem dank eines geheimen Informanten steht ein führender Islamist in Deutschland vor Gericht. Doch aussagen darf der Mann nicht – wegen Lebensgefahr.

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Abu Walaa wird nach seiner Festnahme zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe gefahren. (9. November 2016)

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In dem am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Celle beginnenden Prozess gegen den mutmasslichen führenden Islamisten Ahmad Abdulaziz Abdullah A. wird einem Pressebericht zufolge ein zentraler Belastungszeuge fehlen.

Der V-Mann des Verfassungsschutzes habe von den Sicherheitsbehörden wegen Lebensgefahr keine Freigabe zur Aussage erhalten, berichtete der «Kölner Stadt-Anzeiger» heute. Dem Gericht sei ein Sperrvermerk übermittelt worden.

Der unter dem Namen Abu Walaa bekannte Iraker A. gilt laut Anklage der Bundesanwaltschaft als Schlüsselfigur der salafistischen Szene und zentraler Repräsentant der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland. Dem 33-Jährigen werden unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Terrorfinanzierung vorgeworfen.

Aufruf zur Ermordung

Der bundesweit aktive Prediger soll IS-Kämpfer nach Syrien und in den Irak vermittelt haben. Mitangeklagt sind vier Männer im Alter von 27 bis 51 Jahren, die deren islamistische Radikalisierung und Ausreise innerhalb des von A. geführten Netzwerks organisiert und unterstützt haben sollen. Laut Anklage geht es konkret um die Schleusung von acht IS-Rekruten.

A. und seine mutmasslichen vier Mittäter waren im November nach längeren Ermittlungen festgenommen worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft stützt sich ihre Anklage vor allem auf die Aussagen einer «Vertrauensperson», die früher in engem Kontakt mit A. stand und mit den Sicherheitsbehörden zusammenarbeitete. Demnach hatte A. vor seiner Festnahme schon zur Ermordung dieses Menschen aufgerufen. Die Identität wird deshalb strikt geheimgehalten.

(sep/afp)