Sri Lanka

27. September 2017 16:05; Akt: 27.09.2017 17:28 Print

Mann aus Zürich zum Tod verurteilt

Ein in der Schweiz wohnhafter Tamile ist einer der Männer, die 2015 in Sri Lanka eine 18-Jährige vergewaltigt und ermordet haben. Jetzt ist er verurteilt worden.

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Das Verbrechen erschütterte vor zwei Jahren ganz Sri Lanka und löste Massenproteste aus: Die 18-jährige Schülerin Vithiya wurde am 14. Mai 2015 tot auf der Insel Pungudutivu in einem verlassenen Haus gefunden. Eine Gruppe von Männern hatte die junge Frau mit der Krawatte ihrer Schuluniform gefesselt, vergewaltigt und getötet.

Der Fall machte die Bevölkerung auch deshalb wütend, weil die Polizei die Vermisstenanzeige, die die Eltern nach dem Verschwinden ihrer Tochter eingereicht hatten, erst nicht ernst nahm. Neun Verdächtige nahm die Polizei nach der Tat fest. Einer von ihnen war der damals 43-jährige S. M.*. Der Tamile lebte in Zürich, wo er als Koch arbeitete. Als er sich an der Massenvergewaltigung und dem Mord beteiligte, hielt er sich ferienhalber in seinem Heimatland auf.

Todesurteile werden wohl nicht vollstreckt

Nun mussten sich die neun Beschuldigten vor dem Hohen Gericht in Jaffna für die Bluttat verantworten. Am Mittwoch wurden die Urteile verkündet. Für zwei von ihnen endete der Prozess mit der Freilassung. Die anderen sieben hingegen erhielten die härteste mögliche Strafe: Sie wurden zum Tode verurteilt. Unter ihnen ist auch S. M. aus Zürich, der als Haupttäter gilt.

Traditionell wird die Todesstrafe in Sri Lanka durch Erhängen vollzogen. Zur Hinrichtung von S. M. und den anderen Verurteilten dürfte es jedoch kaum kommen. Zuletzt wurde in Sri Lanka im Jahr 1976 ein Todesurteil vollstreckt. Danach wurde die Todesstrafe abgeschafft. 2004 führte das Land sie wieder ein, vollzog sie aber nie mehr. Sie wird jeweils in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Pornografische Videos gedreht

Nach seiner Verhaftung hatte der Tamile aus Zürich vergeblich versucht, sich durch Bestechung von Beamten freizukaufen. Die Zeitung «Sri Lanka Mirror» berichtet, S. M. habe mit mehreren Mädchen aus Jaffna pornografische Videos produziert. Auch die Gruppenvergewaltigung von Vithiya habe er filmen wollen, um die Aufnahmen in der Schweiz zu verkaufen.

Den Eltern des Todesopfers muss S. M., wie jeder der anderen verurteilten Täter, eine Million Rupien bezahlen – umgerechnet 63oo Franken.

*Name der Redaktion bekannt.

(lüs)