Schweizer Olympia-Erfolge

26. Februar 2018 07:28; Akt: 26.02.2018 07:28 Print

15 Medaillen, 15 Geschichten

Fünfmal Gold, sechsmal Silber, viermal Bronze: Jede dieser Medaillen hat ihren eigenen Glanz und ihre eigene Geschichte.

Bildstrecke im Grossformat »
Eigentlich ist Dario Cologna dafür bekannt, dass er sich und seine Emotionen gut kontrollieren kann. Doch als er nach dem Gold-Hattrick über 15 km seine vor Glück weinende Familie sah, da war es um den Bündner geschehen und er heulte sogleich mit. Dieser Moment ging nicht nur dem Bündner unter die Haut. Als Kind stand die Tochter eines Genfers und einer Neuseeländerin häufig auf Ski. Doch mit 12 zog sie nach Manchester. Mit 18 verbrachte Sarah Hoefflin während des ganzen Winters nur einen halben Tag auf der Piste, erzählte sie der NZZ. Neun Jahre später ist sie Olympiasiegerin im Slopestyle. Vier Jahre nach ihrer Schwester Dominique in der Abfahrt krönte sich Michelle Gisin zur Olympiasiegerin in der Kombination. Wie Dominique im Zielraum mit ihrer kleinen Schwester mitfieberte, sich mit ihr freute und mit ihr weinte, hätte selbst in einer Telenovela nicht besser inszeniert werden können. Einer überragte die anderen nicht nur in punkto Grösse: Ramon Zenhäusern liess der Konkurrenz auf dem Weg zu Gold im Team-Event keine Chance, indem er die Tore von sich wegboxte. Der Stil kommt von André Myhrer, den Input lieferte Konditionstrainer Thomas Sjören, der einst mit dem Schweden arbeitete. Von links: Luca Aerni, Daniel Yule, Wendy Holdener, Denise Feierabend, Ramon Zenhäusern Nevin Galmarini reiste mit dem Ziel an, Gold im Parallel-Riesenslalom zu holen. Was er auf der Piste ablieferte, war ein Meisterstück. Keine Schwäche, der totale Fokus, Perfektion. Er selbst sagt dazu: «Die Zeit als Sportler ist ein Geschenk. Da will ich das Maximum herausholen.» Martin Rios eröffnete zusammen mit Jenny Perret im Mixed-Curling den Medaillen-Reigen mit Silber. Nirgendwo wurde während der Wettkämpfe derart viel geredet und danach so viel gelacht. Denn Rios trägt sein Herz auf der Zunge. Das Highlight: «Wer hätte gedacht, dass die beiden Idioten auch noch Erfolg haben!» Beat Feuz erhoffte sich Gold in der Abfahrt, bekam stattdessen nach Bronze zu seiner Überraschung auch noch Silber im Super-G, seiner Sorgen-Disziplin. Die Freude war so gross, dass er danach sagte: «Ich würde meine zwei Medaillen nicht gegen eine goldene tauschen.» Im Traum war es Gold, im Idealfall Silber und ganz sicher Bronze: Als Dauergast auf den Slalom-Podests wäre die Enttäuschung gross gewesen, wenn Wendy Holdener in ihrer Paradedisziplin leer ausgegangen wäre. Obwohl sie Gold haarscharf verpasste, war die Freude riesig. Die silberne Medaille beruhigte ihre Nerven und verlieh ihr Schub für zwei weitere. Nach einem im letzten Frühling erlittenen Kreuzbandriss bestritt Mathilde Gremaud in Südkorea ihren ersten Wettkampf der Saison – und gewann trotz eines schweren Trainingssturzes Silber im Slopestyle! Bis zum letzten Run lag die erst 18-Jährige aus Freiburg gar in Führung. Die Erwartungen an Skicrosser Marc Bischofberger waren hoch. Und er wurde ihnen mit Silber vollauf gerecht. Nicht selbstverständlich, denn der Appenzeller war im Training gleich mehrfach gestürzt und musste – nach eigenen Angaben – von der Physiotherapeutin zuerst wieder zusammengeflickt werden. Zwei Meter gross ist Ramon Zenhäusern. Lange wurde ihm weisgemacht, es werde deshalb nichts mit der Weltspitze im Slalom. Zwar hatte der Walliser in Korea wegen seiner Grösse tatsächlich Probleme. Gemäss eigener Aussage schlug er den Kopf gleich mehrmals an. Auf der Piste war er durch nichts zu stoppen und brillierte mit Silber. Ausgerechnet der, der sich im Vorfeld nicht gegen das Etikett des Gold-Favoriten gesträubt hatte, kriegte sie nicht. Freudensprünge während seiner Abfahrt machte nur der ungeborene Nachwuchs zu Hause in der Schweiz. Nach der überstandenen Zitterpartie um Bronze war dann auch der werdende Vater Beat Feuz wieder zufrieden. Stell dir vor, in der ersten Kurve ist alles vorbei. Stell dir vor, du bereitest dich vier Jahre auf ein Rennen vor, um ein anderes vergessen zu machen. Fanny Smiths Rechnung ging auf. Nachdem sie in Sotschi als Favoritin zu Fall gekommen war, reichte es nun zu Bronze. Herzschlagfinale und Tränen inklusive. Die Curler vom CC Genf fuhren mit dem Sieg über Kanada im kleinen Final Bronze ein. Im medialen Fokus stand danach aber vor allem Valentin Tanner - wegen seiner speziellen Hauptbeschäftigung. Denn wenn der «Lead» nicht gerade Steine ins Haus donnert, arbeitet er hauptberuflich als Barkeeper in einem Sexclub. Es sei die perfekte Abwechslung. von links: Dominik Märki, Valentin Tanner, Peter De Cruz, Claudio Pätz und Benoît Schwarz Obwohl Wendy Holdener in der Kombination auf Gold gehofft hatte, war sie überglücklich. Primär, weil ihre gute Freundin Michelle Gisin siegte. An der WM 2017 war Holdener die Siegerin und Gisin Zweite gewesen. Dass sich Mikaela Shiffrin mit Silber begnügen musste, machte Bronze wohl noch etwas erträglicher.

Zum Thema
Fehler gesehen?

(mal/als)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 26.02.2018 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz

    Also ich bin der Meinung dass wir sehr stolz auf unsere Athleten sein können, ich jedenfalls bin es. 15 Medaillen für so ein kleines Land, das ist eine Top Leistung.

    einklappen einklappen
  • B.k am 26.02.2018 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer Zuviel erwarten.

    Einfach gut unsere Athleten.

  • Marcello 1152 am 26.02.2018 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo schweiz gut gemacht

    15 Medaillen auf 8 millionen einwohner, wären bei 80 millionen einwohner 150 medaillen beachtliche leistung.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Coffee Shop am 26.02.2018 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flachland

    Der Hammer ist, dass NL das bessere Wintersportland als die Schweiz ist. 8 Gold, total 20 Medaillen.

  • Tja am 26.02.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwache Leistung

    Schon schwach, 171 Leute dorthin geschickt und nur 15 Medaillen.

    • D. F. am 26.02.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tja

      Hab ich mir auch gedacht. Darunter viel Metall für Sportarten, die man sonst auf SRF nie sieht. Die ganze Sache riecht nach aufgebauschtem Hype.

    einklappen einklappen
  • Zürcher Ex-Pat am 26.02.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    SUPER

    Gratuliere an alle 15 Medaillengewinner und für einmal ist die Schweiz besser als Österreich im Medaillenspiegel.

    • Deutscher am 26.02.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zürcher Ex-Pat

      Und viel schlechter als Norwegen.

    einklappen einklappen
  • Blue Angel am 26.02.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle haben mitgemacht

    Gratuliere allen für die 15 Medaillen.

  • KarlHeinz Felder am 26.02.2018 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Olympische Diplome

    Es ist einfach Super! 15 Medaillen haben die Athleten geholt. Aber schade ist das nie etwas von den ebenfalls super Leistungen der Athleten berichtet wird die Olympische Diplome bekommen haben . Ich gratuliere all denjenigen!