Olympiasieger Schoch

26. Februar 2018 14:55; Akt: 26.02.2018 14:55 Print

«Ich hätte mir schon mehr Anerkennung gewünscht»

von Marcel Allemann, Pyeongchang - Was erwartet die Schweizer Olympia-Helden aus kleineren Sportarten in den Wochen, Monaten und Jahren danach? Philipp Schoch weiss es.

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Der 38-jährige Zürcher ist der doppelte Vorvorgänger von Snowboard-Gold-Mann Nevin Galmarini und wurde sowohl 2002 als auch 2006 Olympiasieger im Parallel-Riesenslalom. Heute ist Philipp Schoch im familieneigenen Baugeschäft tätig und coacht nebenbei gemeinsam mit Bruder Simon (Zweiter an Olympia 2006) die japanische Snowboarderin Tomoka Takeuchi.

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Auch in Südkorea waren die Schochs im Einsatz. Natürlich wurden in der olympischen Umgebung auch die eigenen Olympia-Highlights wieder präsent. «Und für mich war es auch fantastisch, nun Nevins Triumph aus nächster Nähe miterleben zu dürfen», sagt Philipp Schoch.

Die Jungen kennen Schoch nicht mehr

Als die beiden schönsten Tage seines Lebens würde Schoch seine beiden Olympiasiege in der Nachbetrachtung trotzdem nicht bezeichnen. «Diese sind die Geburt meiner Kinder.» Missen möchte er seine beiden Goldmedaillen und die gemachten Erlebnisse um diese jedoch keinen Tag: «Es waren absolute Highlights.»

Noch heute werde er auf der Strasse gelegentlich auf seine Triumphe angesprochen. «Aber natürlich nicht mehr so oft wie früher. Und es hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Die Jüngeren kennen mich nicht mehr, mit ihnen kann sich jetzt Nevin auseinandersetzen.»

Schoch weiss aus eigener Erfahrung, was Galmarini und die anderen Medaillengewinner aus den Randsportarten erwartet. «Was man erlebt, wenn man eine Medaille holt, ist prägend fürs Leben.»

Einladungen zu jeder Hundsverlochete

Auch würden die Olympia-Medaillengewinner nun mit Hunderten von Einladungen konfrontiert. «Es gibt solche, die gehen an jede Hundsverlochete. Mein Ding war das weniger, aber es waren auch absolut coole Sachen dabei, wie etwa der Besuch eines Formel-1-Rennens.»

Aber es gab auch Sachen, die Schoch enttäuscht haben. «Ich hätte mir gewünscht, dass meine Sportart mehr Ansehen in den Medien bekommt. Leider war das aber nicht der Fall. Ich hoffe, es gelingt nun Nevin, etwas daran zu ändern. Man darf nicht vergessen, dass jeder Olympiasieger sein ganzes Herz für seine Sportart gibt und auf vieles verzichtet.» Letztendlich müsse man als Sportler einer Randsportart aber damit umgehen, dass man alle vier Jahre seinen ganz grossen Höhepunkt hat, «und das ist schon eine sehr lange Zeitspanne».

Potenzielle Sponsoren bemängeln fehlende Medienpräsenz

Auch finanziell hat sich Schoch durch seine Olympiasiege mehr ausgemalt. «Es ist schon etwas bitter, wenn du so viel investierst und dir erhoffst, dass durch die Erfolge auch etwas zurückkommt, du aber am Ende froh sein musst, wenn du im Sommer nicht auch noch arbeiten musst, um finanziell über die Runden zu kommen.»

Viele potenzielle Sponsoren hätten zu seinen Zeiten wegen der mangelnden Medienpräsenz in den Jahren zwischen Olympia von einem Engagement abgesehen. «Man muss Vitamin B haben, um gute Sponsoren zu finden, denen dies dann auch nicht so wichtig ist.»

Wollen Sportler wie Nevin Galmarini, Sarah Höfflin oder Marc Bischofberger aus ihren Triumphen in Pyeongchang Kapital schlagen, beginnt für sie somit die eigentliche Arbeit erst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susi G. am 26.02.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Olympioniken mit Stil?

    Was wir zuletzt brauchen, liebe Gebrüder Schoch, sind Olympioniken welche ihren guten Namen her geben um jungen Leuten 3a Versicherungen an zu drehen.

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  • John Free am 26.02.2018 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Also ich muss diesen Sommer auch arbeiten. Hat jemand Mitleid?

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  • Schämu am 26.02.2018 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu abgehobene Szene

    Die Olympischen Disziplinen wurden in den letzten Jahrzehnten massiv aufgestockt und so für den Otto Normalverbraucher nicht mehr überschaubar. Man könnte Bigfoot Riesenslalom einführen und niemand interessiert sich dafür. Die ganze Snöber und Freestyl Szene ist so abgehoben, dass sie unattraktiv geworden ist für das breite Publikum. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie keine lukrativen Werbeverträge erhalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi O am 27.02.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Olympia?

    Die sogenannten olympischen Spiele werden seit langem nur noch für politische Zwecke und Business missbraucht, die Sportler sind dabei nur Figuren auf dem Schachbrett. Sie erhoffen sich dabei auch finanzielle Vorteile, wie z.B. Philipp Schoch. Der ganze horrend teure, z.T. ruinöse Zauber ist deshalb meines Erachtens absolut überflüssig. Das war noch anders im alten Griechenland: da ruhten die Feindseligkeiten während den Spielen, und Feindseligkeiten gab es schon damals mehr als genug.

  • Roland Kaiser am 27.02.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Anerkennung?

    Was ist das für eine Heulsuse? Nichts geleistet in seinem Leben und dann um Anerkennung betteln! Erbärmlich dieses Würstchen.

    • Freddy Quinn am 27.02.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr Anerkennung?

      :-).. das waren noch Zeiten an denen wir unsere Songs vorgetragen haben. Und heute kennt uns aus der jungen Szene niemand mehr:-)

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  • Brumm am 27.02.2018 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry Schochs

    Richtig absahnen tun nur die wenigsten und zwar überall auf der Welt.

  • Mario am 27.02.2018 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas leisten!

    Für Anerkennung muss man schon etwas leisten. Es ist wie mit den Schwalben und dem Sommer. Eine Olympiamedaille macht noch keinen Spitzensportler.

  • Köbeli am 27.02.2018 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Sportveranstaltungen sind unnötig. Sportler würden besser einer sinnvollen Tätigkeit mit einem Nutzen nachgehen.

    • Martin am 27.02.2018 08:45 Report Diesen Beitrag melden

      Sinn

      Was ist denn so sinnvoll, dass man alles andere lassen sollte?

    • Köbeli am 27.02.2018 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Zum Beispiel Leben retten, Nahrungsmittel pflanzen, Kultur schaffen, et al. Niemand spricht davon, alles andere zu lassen. Kommerzieller Sport jedoch gehört zur Volksverdummung.

    • kobeli am 27.02.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      ..wie was?

      Leben retten..bei dieser Überbevölkerung? Ist wohl sinnvoll.

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