Volvo 262 C

04. November 2017 11:59; Akt: 04.11.2017 11:59 Print

Bowies Volvo kommt in Gstaad unter den Hammer

von B. v. Rotz - Mit Autos bringt man David Bowie eher nicht in Verbindung. Dabei hatte er durchaus Geschmack, wie sein Volvo 262 C Coupé beweist.

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Diesen Volvo 262 C fuhr David Bowie zu Beginn der Achtzigerjahre. Auf das schwarze Vinyldach, das viele dieser Coupés ziert, verzichtete David Bowie. Technisch und auch karosserieseitig basiert der 262 C auf dem Volvo 264. Im Prinzip hatte Designer Jan Wilsgaard bei der Limousine einfach das Dach tiefergelegt und die Scheiben schräger gestellt. Der Volvo 262 C wurde in seinen Jugendjahren von Bowie vorwiegend im Waadtland bewegt. Innen offeriert der Volvo 262 C viel Leder und etwas Holz, aber auch einiges an Kunststoff. Für ein Coupé sind die Platzverhältnisse hinten ganz akzeptabel. Lenkrad mit grossem Pralltopf, viele Instrumente für «Major Tom» David Bowie. David Bowie liess schalten - den Gangwechsel besorgte die Dreigangautomatik von Borg-Warner. Top-of-the-line Radio-Tonband von Volvo, mit «Metal»-Schalter für besonders hochwertige Kassetten - auch dies haben wir schon lange vergessen. Der Motor kam vom Verbund Peugeot-Renault-Volvo, hatte sechs Zylinder, 2,9 Liter Hubraum und rund 155 eingespritzte Pferdestärken. So sah der Kühlergrill ab dem Facelift von 1980 aus. Montiert und ausstaffiert wurde das Volvo-Coupé bei Bertone in Italien, das Design kam aber aus Schweden. Typenschild am Heck. Die ersten 262 C Coupés waren alle silberfarben mit schwarzem Vinyldach. Der Schweizer Rennfahrer, Autobauer und Ästhet Peter Monteverdi soll am Genfer Auto-Salon beim Anblick des Volvo 262 C gesagt haben, dass er sich nicht vorstellen könne, wie man ein stilistisch derart verunglücktes Gebilde habe entwerfen können.

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David Bowie verstarb am 10. Januar 2016. Bekannt wurde er durch seine vielseitige, zukunftsweisende Musik, aber auch durch seine Rollen in Filmen und seine extravaganten Auftritte. Ob sich Bowie wohl noch an sein schwarzes Volvo-Coupé von 1981 erinnerte, als er an den Songs seines letzten Albums «Blackstar» arbeitete? Immerhin war der Wagen einige Jahre auf ihn selber (bürgerlicher Name David Robert Jones) zugelassen und mit Waadtländer Kennzeichen unterwegs. Und auch danach blieb das Coupé noch im Besitz seiner Produktionsfirma.

Bowies 262 C stammte aus der dritten Generation nach dem Facelift von 1980. Bowie wählte als Farbe stilsicher Schwarz und verzichtete auf das Vinyldach, das bei der ersten Generation noch Standard war. Als Stereoanlage setzte er auf das Topmodell, das Volvo anbot, ergänzt um zusätzliche Blaupunkt-Lautsprecher auf Heckablage und Armaturenbrett. So hörte er sich möglicherweise dann auch 1982 die ersten Probeaufnahmen zum Album «Let’s Dance» an.

«Modern Love»

Gebaut wurde der 262 C bei Bertone, die Umgestaltung der Limousine allerdings hatte man Volvo-intern bewerkstelligt. Chefkonstrukteur Jan Wilsgaard hatte das Dach der Limousine gekappt, die Windschutzscheibe flacher gestellt und damit eine eigenwillige Linienführung kreiert, die durch das kontrastfarbige Vinyldach der ersten Exemplare noch zusätzlich betont wurde.

Innen offerierte das Coupé ein opulentes Lederinterieur, etwas Holz und viel Komfort. Sitzheizung, in der Härte verstellbare Sitzlehnen und Klimaanlage gehörten zur Serienausrüstung des mit 44’350 Franken hochpreisigen Coupés (Stand 1977).

Bowie dürfte jedenfalls mit den Komfortattributen des 262 C durchaus zufrieden gewesen sein. Ob ihn das Kunststofflenkrad aber genauso störte wie den Schreiber dieser Zeilen?

«It’s just the power to charm»

Unter der Haube hatte der Volvo seit 1980 den auf 2847 cm3 angewachsenen V6-Motor, der aus der Zusammenarbeit mit Peugeot und Renault entstanden war und dank Benzineinspritzung nun 155 DIN-PS leistete. Verbunden mit einer Dreigang-Wandlerautomatik von Borg-Warner, bot der Volvo bei beherztem Gaspedaleinsatz brauchbare Fahrleistungen, das Leergewicht von immerhin 1365 kg verhinderte aber zusammen mit dem Wandlerschlupf ein allzu sportliches Fahren.

«Let’s Dance»

Auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk taugte eher zum Cruisen als zum Tanz zwischen Slalom-Pylonen. Aber das konnte David Bowie damals sicherlich nur recht sein, schliesslich wollte er sich ja mit seinem Beifahrer (z. B. Iggy Pop oder Freddie Mercury?) unterhalten und nicht Rennen fahren.

«Ground control to Major Tom»

Ob es David Bowie schaffte, unauffällig mit dem schwarzen Coupé unterwegs zu sein? Immerhin gehört es zu einer raren Gattung, denn insgesamt wurden bei Bertone in sechs Jahren nur gerade 6622 dieser Autos montiert. Vielleicht kümmerte es ihn auch nicht, Hauptsache er hatte alles unter Kontrolle. Und tatsächlich fehlte im Cockpit kaum etwas. Vor allem die Mittelkonsole bot ein Schaltpult, an dem auch Raumfahrer Major Tom seine Freude gehabt hätte.

«Dollar Days»

Nach David Bowie ging das schwarze Coupé zunächst in den Besitz seiner Produktionsfirma über, um später in die Garage eines Bowie-Fans zu wechseln. Am 29. Dezember 2017 kommt der Volvo 262 C von 1981 nun erneut auf den Markt, als Lot der Versteigerung der Oldtimer-Galerie Toffen in Gstaad.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bünzlig am 04.11.2017 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    bei AutoScout gibt es den Volvo 262 C ab 10.000.-- bis 14.000.--

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  • Artemide68 am 04.11.2017 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitlos

    Ein wunderschöner Klassiker! Einer der speziellsten Volvos.

  • 911 4ever am 05.11.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Verkaufszahlen

    Übers Design gingen die Meinungen schon damals stark auseinander...es gab tatsächlich schönere Autos. Ein guter Kollege besass aber so ein Teil, und es war wirklich sehr komfortabel zu fahren. Die Volvo 264 waren jedenfalls fester Bestabdteil des Strassenbildes.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Metsalind (Volvo 262C '78 Besitzer) am 06.11.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volvo für die Amis, Italoschwede mit franzöischem

    Die Idee für dieses Auto bekamen die Volvochefs damals, als die Chefs von Ford (Henry Ford II) das neue Werk in Kalmar besuchten. Kalmar war damals etwas speziel, den die Volvo's dort wurden nicht mehr am Fliessband produziert. Die Fordmanager brachten ihre Ford Continental Mark IV mit aus Amerika. Die Wagen fielen den Leuten von Volvo auf. Jan Wilsgaard, der damalige Chefdesigner, wurde beauftragt ein solches Auto zu zeichnen. Zielgruppe hatte Volvo in erster Line wohlhabende Einwohner der Großstädte an der nordamerikanischen Ost- bzw. Westküste. Bertone hat dann die Produktion übernommen.

    • Tobias Dettwiler am 07.11.2017 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat Metsalind (Volvo 262C '78 Besitzer)

      Sali Beat Ich besitze auch ein Exemplar, einen 77er, Nummer 175. Er befindet sich derzeit in Restauration. Habe ihn zeitgenössisch individualisiert mit der optisch passenden Frontspoilerlippe vom 242 GT und den US- Doppelscheinwerfern. Zusammen mit den Originalzubehörfelgen Polaris hat er eine umwerfend gute Optik finde ich. Er bekam einen AW71 Automaten vom 760er, so wurde er autobahntauglich und das saufen hat er seither auch verlernt. Auch wenn hier viele das Auto nicht verstehen, ich bin verliebt in diesen schicken Klassiker. Wünsche dir viel Freude an deinem 262er... Gruss aus BL

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  • Camillo am 05.11.2017 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweden jenseits von Eden

    Volvo klingt so hässlich wie sie aussehen diese Modelle, fürchterliche Erscheinungen !! Geschmäcker gibt es ... auch wenn ein Bowies so einer gefahren ist - kein Cent!!

    • Tobias Dettwiler am 07.11.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Camillo

      Gut gibt es solche Leute wie Sie, denn wenn es ein Mainstreamauto gewesen wäre hätte ich mir definitiv keinen angeschafft... ;-)

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  • 911 4ever am 05.11.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Verkaufszahlen

    Übers Design gingen die Meinungen schon damals stark auseinander...es gab tatsächlich schönere Autos. Ein guter Kollege besass aber so ein Teil, und es war wirklich sehr komfortabel zu fahren. Die Volvo 264 waren jedenfalls fester Bestabdteil des Strassenbildes.

    • Illumination am 05.11.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      @911 4ever

      Also vom 262 C wurden nur ca. 2000 Fahrzeuge für Europa produziert, ca. 70% wurden in die USA verkauft - entsprechend klein war der Anteil in der Schweiz.. Die Limousinen 262/64/66 gehörten aber schon zum "alltäglichen Strassenbild". Beim 264 gab es auch eine "Langversion" (TE/70 cm verlängerter Radstand, dritte Sitzreihe, Edel-Ausstattung), u.a. Regierungsfahrzeug Schweden/DDR, immerhin 335 Ex. produziert/verkauft.. ;-)

    • VW Housi am 05.11.2017 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Sind Ihnen beim Umbau der Volvo Limousine zum "Coupé" Parallelen z. B. zum MB 250 C (W 114) aufgefallen?

    • Illumination am 05.11.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      @VW Housi

      Hat etwas, einfach weniger "flachgedrückt" als Limousine, mit gesamthaft 36`000 Ex. (250 C bis 280 CE) bedeutend erfolgreicher - aber auch keine "Design-Ikone"... (W114 auch als Langversion erhältlich). Wenn wir schon dabei sind - als gelungenste "Ableitung Limousine-Coupé" halte ich die Mercedes Baureihe C 126 (1981-1991, v.a. mit dem hervorragenden 500 SEC - damals auch mal selbst gefahren im privaten Umfeld) - "echter" 4-Sitzer, fehlende B-Säulen/rahmenlose Seitenfenster - zeitlos und proportional elegant bis heute... ;-)

    • Mercedesmech. am 06.11.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Vielleicht hat der Volvo nicht so eine billige Einspritzung wie der Benz.

    • Fritzli am 06.11.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Volvo 266 gibts nicht!??!

      @Illumination Volvo 266 ????. Habe immer gemeint die Bezeichnung bedeutet 2(Serie) 4 (Zylinder) 4 (Türen) 266 würde dann bedeuten ein Sechsylinder mit 6 Türen! Ich kenne nur den 240 (Turbo) 242 (zweitürer) 244 (viertürer) 245 (Kombi) und dasselbe mit 6Zyl. (262/264/265)

    • Beat Metsalind am 06.11.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritzli

      Hat er den Transfer gemeint? Den gab es auch.

    • Illumination am 06.11.2017 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Mercedesmech.

      Wieso denn "billig - ab 09/1985 elektronische Zündanlage und elektronisch-mechanisch gesteuerte Bosch KE-Jetronic - wo gab es was Besseres damals? Volvo meines Wissens bei allen Einspritzmotoren (PVR/B27-B280) nur mechanisch-hydaulische K-Jetronic.. ;-)

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  • autosammler am 05.11.2017 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und der Rest

    Und wo ist der Rest von der Collection. Ich möchte lieber seine Ferrari Sammlung sehen als diese hässliches Ding

    • @Stami am 05.11.2017 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @autosammler

      Autosammler ohne Ahnung! Glauben Sie wirklich ihre Kisten steig noch im Wert, oder sind es eher Modelautos.

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  • Ali am 04.11.2017 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Toller wagen alle in meiner Familie haben Volvo meine Mutter den bertone mein Vater den v90 Cross county und ich den v90 r

    • Reto am 05.11.2017 01:06 Report Diesen Beitrag melden

      @nicht toll

      Statt so vieler Volvos wäre auch mal ein Satzzeichen etwas....

    • Walter am 06.11.2017 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz

      Das Ur-"R" gibt es bei Volvo schon länger nicht mehr. Nur noch R-Design.

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