Rolls-Royce Phantom

30. Oktober 2017 05:10; Akt: 30.10.2017 13:32 Print

Dem Phantom auf der Spur

Unheimlich luxuriös, gespenstisch ruhig, fürchterlich teuer: Der neue Rolls-Royce Phantom ist weniger ein Auto als ein Phänomen.

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Ein Phantom ist per Definition ein Trugbild, ein Gespenst. Kann es also sein, dass es den gleichnamigen Rolls-Royce gar nicht gibt? Schon seit 1925 nicht? Handelt es sich dabei um das älteste noch existierende Fahrzeugmodell, das nicht existiert? Findet daher auch die achte Generation des grossen Luxusflaggschiffs nur in der Fantasie statt?

Klingt verrückt, ja. So, als wären diese Zeilen unter Einfluss des gesamten Bordbar-Inhalts entstanden. Doch es gibt Beweise. Die gespenstische Stille hinter den gegenläufig öffnenden, automatisch schliessenden Portalen, etwa. Nicht der Hauch eines Aussengeräusches dringt in das pompöse Interieur. Dann die Qualität der Materialien, der Dachhimmel aus tausenden LED-Sternen, der Sitz- respektive Liegekomfort auf den hinteren Sesseln, das Entertainment-Angebot – alles auf einem Niveau, bei dem man sagt: Das gibt’s doch gar nicht!

Der Wagen rollt nicht, er schwebt

Beim Preis glaubt man, nein, ist sich sicher, zu träumen. Und wenn das Auge eine Bodenwelle herannahen sieht, dann erwartet man wenige Sekunden später von ebendieser erschüttert zu werden. Stattdessen: nichts. Der Wagen rollt nicht, er schwebt. Aber das Unheimlichste überhaupt: Fast noch lieber als im pompös möblierten Fond weilt man vorne, hinter dem grossen Volant und den digitalen Instrumenten, um die 2,6 Tonnen schwere Limousine im Kleinlaster-Format selber zu pilotieren.

Für all das gäbe es eine logische Erklärung, so die Rolls-Royce-Leute. Sie berichten von 130 Kilo Dämmmaterial, 6-Millimeter-Verbundglas, speziellen Reifen mit Schaumeinlage, grösseren Luftfedern, die sich mittels Kamera frühzeitig auf Strassenunebenheiten einstellen, von britischer Handwerkskunst, einer leichteren, steiferen Karosserie, mitlenkenden Hinterrädern zur Erhöhung der Wendigkeit und sagenhaften 900 Nm, die der neuentwickelte V12-Biturbo an die Räder schickt. Oder vielleicht sagen das auch nur die Stimmen im Kopf. Sicher ist nur, dass es – so wie es sich bei einem nicht wirklich existenten Auto gehört – niemanden gibt, der so was braucht. Jedenfalls keinen Normalsterblichen.

Rolls-Royce Phantom

Karosserie: 5,76 Meter lange, 4-sitzige Limousine.
Antrieb: 6,75-Liter-V12-Biturbo mit 571 PS (420 kW) und 900 Nm.
Getriebe: 8-Gang-Automatik (serienmässig).
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 5,3 Sekunden; 250 km/h Spitze.
Verbrauch: 13,9 L/100 km (Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 318 g CO2/km (Werksangabe).
Preis: Ab 375’000 Euro netto (Langversion ab 450'000 Euro netto).
Infos: www.rolls-roycemotorcars.com

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:
«Der neue Phantom ist der technologisch fortschrittlichste Rolls-Royce aller Zeiten.»

Wir sagen:
Durchaus. Allerdings hält sich der Fortschritt in Grenzen, denn von Gestensteuerung, autonomem Fahren und E-Mobilität keine Spur. Bewusst, wie die Briten sagen. Neue Technologien sollen erst dann eingeführt werden, wenn sie vollständig ausgereift sind. Und dies noch am Rande: Hybridantriebe kommen für die Marke nicht in Frage, eher noch wird es einen rein elektrischen Rolls-Royce geben.

Das gefällt:
Nicht nur, dass der Phantom leiser geworden ist und sanfter dahingleitet – dank der leichteren, steiferen Karosserie, dem neuen Fahrwerk und der agilitätsfördernden Hinterachslenkung empfiehlt er sich erstmals auch als Selbstfahrer-Auto statt nur als Chauffeur-Limousine.

Das eher weniger:
Bei allem Respekt für die Ingenieursleistung und Handwerkskunst: Für Normalverdienende ist ein Auto, das mindestens eine halbe Million Franken kostet, im Stadtverkehr mehr als 20 Liter verbraucht und in keine normale Parklücke passt einfach nur obszön.

Spannendes Detail:
Die «The Gallery» genannte Armaturentafel erlaubt die Integration von Kunstwerken im Auto. Hinter dem gläsernen Band lassen sich etwa Porzellanblumen, Seidenskulpturen oder, wenn es der Kunde will, die Kritzeleien seines Kindes ausstellen.

Wer fährt so was?
Superreiche, die ihren Superreichtum hemmungslos zur Schau stellen.

Alternativen dazu:
Gibt’s nicht, egal, was die von Bentley und Mercedes-Maybach sagen.

Am Steuer:
Nina Vetterli-Treml, Mitarbeiterin der Textlab GmbH und Testexpertin in der SRF2-Autosendung «Tacho».

(nve)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 30.10.2017 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Business goes on

    Es ist doch gut das es so Fahrzeuge gibt. Es wäre schlimmer wenn Reiche auf ihren Milliarden hocken bleiben. Diese Firma bringt Arbeitsplätze Ausbildung und die ganzen Zulieferer und Partner Betriebe nicht zu vergessen. So bleibt die Wirtschaft in Schwung

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  • Railrunner am 30.10.2017 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Handwerkskunst

    Unabhängig davon ob dieses Auto zu teuer ist und aussieht wie ein Klotz, wie Andere meinen. Ich sehe dahinter ein Fahrzeug das von Könnern von Hand gemacht wurde. Jedes Einzelne perfekt gemacht. Handwerkskunst eben. Ich würde gerne einmal darin sitzen wollen. Und das alles ohne Neid.

  • marko 32 am 30.10.2017 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super Auto

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexey am 04.11.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ich Binn gerade mal 19 Jahre und fahre den rollte Royce Phantom und habe meiner Frau den ghost geschenkt

  • Martin Dermont am 04.11.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Gefällt mir gar nicht. Eine teure Schuhschachtel, mehr nicht.

  • Bud am 03.11.2017 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dreckschleuder

    zu gross für jeden parkplatz

  • Normalo mit 100PS am 03.11.2017 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Genial daneben: während viele Autofahrer niedrigen Verbrauch und möglichst wenig Umweltverschmutzung als Kriterium zum Neuwagenkauf beachten, gibt es immer wieder Neuauflagen solcher Ungetüme, die (es ist eben so...) die männlichen Geschlechtsteil nicht grösser werden lassen und auch bei weiblichen Anhängern die Jugend nicht zurück bringt. Aber der Kult der grossen Karren wird nicht mehr rückgängig zu machen sein.

    • Bud am 05.11.2017 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Normalo mit 100PS

      bald sind sie elektrisch alles andere muss verboten werden!

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  • Sven Meier am 03.11.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    S-Klasse Pullman 2017

    Ob man jetzt Rolls mag oder nicht aber mal ehrlich: Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit im BtB Business durfte ich kurz in einen neuen Mercedes S600 Maybach Pullman sitzen in Moskau. (Leider nicht mitfahren) Bei aller liebe zu Rolls. BMW hat die Marke nicht weiterentwickelt. Plattform: BMW 7ner. Viele Gleichteile etc. keine Formsprache. Keine USPs. (Unique selling points) Nur schon das Leder. Es sind wohlgemerkt die besten Materialien im Rolls. Aber nicht annähernd mit dieser Detailverliebtheit verarbeitet wie beim Mercedes. Von der digitalen Technik ganz zu schweigen. Es sind Welten.

    • Illumination am 03.11.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Sven Meier

      Sorry - nicht korrekt, der Phantom hat eine neu entwickelte Aluminium-Spaceframe-Plattform, auf der künftig alle Rolls Royce Modelle stehen werden.. Und beim Phantom von keiner eigenständigen "Formsprache" zu sprechen, finde ich doch etwas "verfehlt" (USP nur schon und einzigartig gegenläufig angeschlagene/öffnende Türen..) - ganz im Gegensatz zum S600 Maybach Pullmann - ist und bleibt eine (sehr gute) S-Klasse, länger oder kürzer - mit unterschiedlichem "Ausstattungs-Level", ganz nach Wunsch, genauso wie bei Rolls-Royce.. ;-)

    • Sven Meier am 04.11.2017 00:57 Report Diesen Beitrag melden

      Marketing...

      Ok. Das mit dem Aluframe habe ich nicht gewusst. Erklärt dann aber auch den stolzen Preis. Aber ich glaube, sie haben überlesen, dass ich explizit den Pullman gemeint habe, welche nicht ab Stange, sondern auf Kundenwunsch gebaut wird. Wie auch immer. Über Geschmack lässt sich streiten und ich werde mit Rolls nicht mehr warm seit es BMW gehört. Es passt für mich nicht zusammen. Das selbe bei Audi VW und Seat etc. Alles das gleiche. Was mich aber zugleich fasziniert ist die Tatsache, dass es die Leute kaufen. Wenn es doch einen 7er ist, warum nicht den kaufen? Ist doch der Kunde verarrscht?!

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