Projekt 2700 Zürich–Moskau

30. Juli 2017 17:35; Akt: 02.08.2017 17:21 Print

«So brachte ich meinen Körper auf Hochtouren»

von Jürg Hösli - Je höher die Sauerstoffaufnahme, desto besser die Ausdauerleistung. Wie Jürg Hösli sich für seine 2700-Kilometer-Fahrt fit gemacht hat.

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Ein halbes Jahr brauchte Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli, um seinen Körper so fit zu bekommen, dass er «richtig» trainieren konnte. (Bild: Alice Das Neves)

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In meiner Vorbereitung war es besonders wichtig, dass ich mein Körperfett so schnell wie möglich reduzieren konnte. Doch was ist ein Fettverbrennungstraining und wie habe ich das für mich umgesetzt?

Kurz darf man sagen, dass es «das» Fettverbrennungstraining nicht gibt. Viele schwören auf Grundlagentraining wieder andere auf Intervalle. Warum so unterschiedlich an das Thema herangegangen werden kann, möchte ich an meinem Beispiel zeigen. Die oberste Direktive heisst mehr Sauerstoff durch unseren Körper zu pumpen.

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Das braucht zuerst einmal ein starkes Herz mit möglichst grossem Volumen. Wir brauchen aber auch genügend Blutgefässe in unserem ganzen Körper, um den Sauerstoff möglichst gut zu verteilen. Was wir ebenfalls beeinflussen können, ist die Aufnahmefähigkeit der Zelle von Sauerstoff. Hier gibt es Zellkraftwerke, welche wir gezielt vergrössern und vermehren können. Wenn alle Bereiche optimiert sind, haben wir eine optimale Fettverbrennung und wenn die Ernährung dazu passt, wie ich sie in einem vorherigen Blog beschrieben habe, dann nimmt man richtig ab.

Doch was heisst das jetzt für meinen Körper. Wie wir in den Analysen gesehen haben, habe ich ein sehr grosses Herzvolumen, zudem einen sehr grossen Anteil an Muskulatur. Doch das Problem zum Beginn war, dass diese Muskulatur sehr schlecht durchblutet war und die Zellen wenig Sauerstoff aufnahmen, der ganze Körper also sehr unökonomisch arbeitete. Das bedeutete jedoch auch, wenn ich zu dieser Zeit zu intensiv oder zu oft trainiert hätte, dann wäre der körperliche Stress zu gross gewesen und ich wäre krank geworden. Man kann es vergleichen mit Zürich abends um Fünf. Hier herrscht Stau und nichts bewegt sich mehr.

Das erste Halbjahr habe ich darum fast ausschliesslich im extensiven und intensiven Grundlagenbereich (Bereich sind bestimmbar über eine Spiroergometrie oder einen Lakatastufentest) trainiert. Der Effekt war, dass die Zellkraftwerke grösser wurden und auch die Durchblutung sich verbesserte. Krafttraining habe ich ausschliesslich im Bereich Rumpf und Nackenmuskulatur gemacht, denn mein Fokus lag in dieser Zeit vor darin möglichst viel auf dem Rad zu sitzen und mehr Kraft wäre automatisch weniger Ausdauertraining gewesen. In dieser Zeit habe ich meist zu den Trainings Kohlenhydrate in Form von isotonischen Getränken zugeführt.

Das erste halbe Jahr diente mir praktisch nur dafür, meinen Körper so fit zu bekommen, dass ich endlich «richtig» trainieren konnte. Meine Fettverbrennung war schon deutlich höher und der Kohlenhydratbedarf bei extensiven Ausdauertrainings wurde immer weniger. Bei lockeren Training unter einer Stunde nahm ich nur noch dann Kohlenhydrate, wenn meine Beine sich sehr müde anfühlten. Auf diese Art und Weise stimulieren wir die Vergrösserung der Zellkraftwerke und die Zellen können noch mehr Sauerstoff aufnehmen.

Im Frühjahr habe ich das Training umgestellt. Ein Intervalltraining und eine lange Einheit von über fünf bis acht Stunden pro Woche standen auf dem Plan. Intervalle dienen dazu die Arbeit des Herzmuskels nochmals zu verbessern und das Sauerstoffpump-Volumen nochmals zu erhöhen. Zudem wurde die Stressfestigkeit der Muskulatur besser, was wiederum Entzündungsprozesse senkt. Ich konnte mehr und länger trainieren.

Zudem ist Intervalltraining besonders effektiv für eine Anregung der Durchblutung, was wiederum die Leistungsfähigkeit verbesserte und natürlich auch die Fettverbrennung. Die sehr langen Einheiten dienten vor allem dem mentalen Training denn Ziel ist es ja pro Tag rund 10 bis 12 Stunden auf dem Rad zu verbringen. Nun liegen noch vier Wochen mit dem Fokus auf Intervalltraining vor mir, um dem Körper «den letzten Schliff» zu geben. Warum in den letzten Monaten auch Krafttraining eine wichtige Rolle gespielt hat und wie am besten trainiert wird, zeige ich im nächsten Blog.

Merksätze:

– Wer noch nicht fit ist, sollte vor allem Grundlagentrainings einbauen, um härter trainieren zu können.

– Wer noch keine gute Muskulatur gebildet hat, dem hilft auch parallel ein Krafttraining. Wer schon eine gute Muskulatur hat, bei dem kann es sogar hinderlich sein, denn die bestehende Muskulatur sollte zuerst ökonomisiert werden.

– Wer bei zu intensiven Trainings schnell krank wird, der sollte mehr extensive Grundlagentraining mit Kohlenhydraten einbauen.

– Wer genügend fit ist, dem helfen insbesondere Intervalle, den Stoffwechsel anzuheben.

– Wer jedoch mental merkt, dass ein Intervall zu viel Belastung wäre, der trainiert besser im intensiven Ausdauerbereich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Devonas am 30.07.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hobby Rennfahrer ohne Medien Mitteilung!!

    Es gibt so viel Hobbyfahrer die das ganze Jahr Rennrad fahren ,ohne das man das an die grosse Glocke hängt und auch höchst Leistungen erbringen! Nur als Typ ! Und mehre Tausend Kilometer im Jahr fahren ohne Das alle es wissen das sind echte Hobbyfahrer und für sich und seine Gesundheit Sport treiben

  • T. Rainer am 30.07.2017 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Intervall-Training

    Intervall Training beginnt damit, mindestens 1x pro Tag durch körperliche Aktivitäten ausser Atem zu kommen. Herzfrequenz-Messung dabei evt. empfehlenswert. Treppe statt Lift ist der Anfang dazu.

  • Sandra Imboden am 30.07.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues unter der Sonne

    Was ist daran so neu oder speziell? Es ist wichtig, Kraft zu haben, die ökonomisch eingesetzt werden kann. Ausdauer ist auch wichtig, dass man es durchzieht. Nun muss beides verbunden werden und dann ist man fit;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Devonas am 30.07.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hobby Rennfahrer ohne Medien Mitteilung!!

    Es gibt so viel Hobbyfahrer die das ganze Jahr Rennrad fahren ,ohne das man das an die grosse Glocke hängt und auch höchst Leistungen erbringen! Nur als Typ ! Und mehre Tausend Kilometer im Jahr fahren ohne Das alle es wissen das sind echte Hobbyfahrer und für sich und seine Gesundheit Sport treiben

  • Martial2 am 30.07.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das so wichtig?

    Und wen interessiert denn das? Ich fahre ein mal die Woche mit dem Rasentraktor als Hobby auf dem Golfplatz 4 Quadratkilometer um zu helfen und mich zu beschäftigen...!

  • Indurain am 30.07.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöner Beitrag ...

    Mir gefällt, wie Hr Hösli sich auf die 2700 km vorbereitet und nicht eben glaubt, dass er das Ziel quasi ohne nix und sowieso erreichen würde. Das zeugt von einer realistischen Selbsteinschätzun ohne falschen Stolz. Allerdings finde ich es schade, dass er in seinem Beitrag zwei Perspektiven vermischt: Einmal wird das Training für ein sportliches Ziel beschrieben, dann wieder die sportliche Aktivität zum Zweck des Fettabbaus. An sich sollte das Training auf ein sportliches Ziel im Vordergrund stehen. Die Optik ergibt sich dann als angenehme Nebenwirkung. Die Jungs an der TdF fahren ja auch um des Siegens willen und nicht, um nach drei Wochen mit 5% KFA in Paris anzukommen. Das ist lediglich die Folge der ganzen Pedaldrückerei.

  • T. Rainer am 30.07.2017 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Intervall-Training

    Intervall Training beginnt damit, mindestens 1x pro Tag durch körperliche Aktivitäten ausser Atem zu kommen. Herzfrequenz-Messung dabei evt. empfehlenswert. Treppe statt Lift ist der Anfang dazu.

  • Sandra Imboden am 30.07.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues unter der Sonne

    Was ist daran so neu oder speziell? Es ist wichtig, Kraft zu haben, die ökonomisch eingesetzt werden kann. Ausdauer ist auch wichtig, dass man es durchzieht. Nun muss beides verbunden werden und dann ist man fit;)

    • Donald Trump am 30.07.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra Imboden

      Dann machen Sie doch auch eine 2700km Tour :)

    • Sandra Imboden am 30.07.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      Vorfreude

      Etwas Ähnliches mit Körperkraft als wunderbare Auszeit werde ich sicher noch machen, nein, nicht Jakobsweg;) Ich meinte mit meiner Mini-Kritik nicht die sicher wunderbare Velo-Tour an sich, sondern die "Weisheiten", wie man fit wird oder schlank oder beides:)

    • Ramona Weder am 30.07.2017 18:51 Report Diesen Beitrag melden

      Alte Weisheiten

      Dieser Donald Trump soll sich nicht benehmen wie der echte DT;) Diese Fitnesstipps sind nicht grad wirklich neu, aber beachten muss man sie besser schon, ausser das mit dem Isotonisch-Gesöff. Es gibt Gesünderes. Viel Freude allen, die eine Auszeit mit Körperkraft planen und es durchziehen können/dürfen.

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