Projekt 2700 Zürich–Moskau

27. September 2017 08:27; Akt: 20.10.2017 10:38 Print

Turbulenter Schlussspurt zum Roten Platz

von Jürg Hösli - Nach 99 Stunden auf dem Velo hat Jürg Hösli den Roten Platz in Moskau erreicht. Wer dachte, der letzte Tag sei eine Sonntagsfahrt, der irrte sich.

2700 Kilometer auf dem Bike von Zürich bis nach Moskau: Wer dachte, der letzte Tag sei für den Ernährungsdiagnostiker eine Sonntagsfahrt, irrte sich.
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Tag 10 und nur noch etwas mehr als 170 Kilometer bis zum Ziel – der letzte Abschnitt bis zum Roten Platz war rund 100 Kilometer kürzer als der normale Tagesdurchschnitt. Ein Klacks? Sicher nicht, denn die Strecke war alles andere als eine Spazierfahrt.

Auch am letzten Tag war der Gegenwind wieder sehr hartnäckig. Die Umstände verlangten dem Ernährungsdiagnostiker und seinem Begleitteam abermals alles ab.

Borat, Hula-Girl und Bären

Die Crew sammelte nochmals alle Kräfte, um die letzte Fahrt auf der Tour so spannend wie möglich zu gestalten. Dazu gehörte auch, dass sich Dr. Grundwald ebenfalls für zwei Stunden aufs Rad schwang und Hösli begleitete. Plötzlich gesellten sich andere Gestalten hinzu.

Um Hösli zu überraschen, hatten sich die Teammitglieder unter anderem als Borat, Hula-Girl und als Bären verkleidet und fuhren mit ihren lustigen Kostümen auf dem Ersatzrennrad einige Meter mit. Dementsprechend motiviert bekam Hösli zusätzliche Energie für die letzte Etappe.

Improvisieren bis zum letzten Kilometer

Wie von Tag 1 bis 9 lief auch am letzten Tag nicht ganz alles nach Schema F. Ein Beispiel: Beim Wohnmobil, mit dem wir einige Kilometer vorfuhren, um für Jürg einen letzten warmen Regenerations-Shake vorzubereiten, war während der Fahrt auf der Autobahn plötzlich ein verdächtiges Knacken zu hören.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen löste sich ein grosses Seitenfenster und flog davon. Da half nur noch eines: Vorsichtig bremsen, Leuchtwesten an, auf der Autobahnseite zurückrennen, Teile zusammensuchen und wieder zusammenpuzzeln. Teamarzt Grundwald bewies dabei sein Talent zum Zusammenflicken – diesmal mit dem Klebeband. Dann konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Improvisieren hatten wir ja in den vergangenen Tagen gelernt.

Turbulente Fahrt durch Moskau

Rund 100 Kilometer vor dem Ziel verdichtete sich der Verkehr zunehmend. Plötzlich hupte es von allen Seiten, die Autofahrer wurden ungeduldiger und die Strassen immer breiter. Je näher das Zentrum Moskaus rückte, umso mehr Spuren kam hinzu – teilweise bis zu acht pro Fahrtrichtung! Zwischendurch staute sich der Verkehr so stark, dass man für zwei Stunden kaum vorwärts kam.

Der Verkehr war gefährlich, was für höchste Anspannung bei Hösli und seinem Team sorgte. Jetzt war beim Navigieren wieder einmal vollste Konzentration gefragt. Zum Glück stiessen auf dem Weg vom Stadtrand bis zum Zentrum noch zwei Freunde aus Moskau dazu und halfen zusammen mit dem Begleitfahrzeug dabei, Hösli in einer turbulenten Fahrt durch die 12,5-Millionen-Metropole etwas vom turbulenten Verkehr abzuschirmen.

Am Sonntagabend nach 19 Uhr war es dann so weit! Das gesamte Project-2700-Team und Jürg Hösli erreichten den weltberühmten Roten Platz, wo sie von Teilen der Familie und von russischen Freunden freudig in Empfang genommen wurden. Der grosse Moment wurde mit vielen Emotionen gefeiert. Geschafft! 2723 Kilometer von Zürich nach Moskau. Schneller als geplant in zehn statt in elf Tagen.