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Eat this!

15. April 2017 18:04; Akt: 16.04.2017 14:20 Print

Clean Eating – ein Trend mit Saubermann-Image

Was als Diät-Trend gilt, wussten unsere Grosis schon lange. Clean Eating ist nichts anderes als ein Lifestyle-Hype. Ein Plädoyer von Jürg Hösli für «uncleane» Seelennahrung.

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Was hat es mit dem «sauberen» Essen auf sich? (Bild: Djedzura, iStock)

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Ein Wort geht um die Welt und es will uns weismachen, dass man unser Essen in sauber und schmutzig einteilen kann und soll. Es suggerieren uns, dass vieles, was uns Spass macht, krank und dick macht.

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Alles, was nicht direkt aus dem Biolädeli kommt und auch nur das geringste bisschen Zucker enthält, sei für unseren Körper Gift und bringe Übles über uns. Leider gibt immer mehr Menschen, die solche Annahmen peinlich genau umsetzen in ihrem Leben, nur leider macht dieses Extreme überhaupt keinen Sinn.

So wird zum Beispiel Weissmehlpasta strickt aus der Küche verbannt. In grossen Diskussionen wird gepredigt, dass genau diese Pasta dafür verantwortlich sei, dass wir sehr schnell wieder Hunger empfinden und genau dies ist falsch.

Wenn wir Vollkornpasta oder Weissmehlpasta al dente kochen statt komplett weich, haben wir eine deutlich längere Magenpassage, und somit auch einen tieferen und längeren Blutzuckerspiegelanstieg –gefolgt von keinerlei Unterzuckerung. Es kommt weniger auf das Mehl an, aus welchem die Pasta ist, sondern vielmehr, ob wir richtig kochen gelernt haben. Wenn jemand Weissmehlpasta lieber hat, soll er diese geniessen.

Weissbrot wird generell aus unseren Speiseplänen gestrichen und das ist ebenso stumpfsinnig. Ein Vollkornbrot vor dem Training macht ebenso wenig Sinn, wie wenn ich das Heizöl auf nächste Woche bestelle, es heute aber kalt ist. Ein Vollkornbrot liegt deutlich länger im Magen im Vergleich zum Weissbrot.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Magenpassage ungefähr zwei Stunden dauert und wir noch schnelle Energie rund 45 Minuten vor dem Training tanken wollen, dann gammelt das Vollkornbrot das Training über in unserem Bauch und kommt nicht vollständig in der Muskulatur an. Essen wir aber das verbotene, leckere Laugenbrot, haben wir Energie und etwas für unser Gemüt getan.

Kuchen ist ebenfalls auf dem Index der Clean Eater und natürlich, wir ahnen es schon, absolut zu unrecht. Wenn wir beispielsweise einen kleinen Dessert nach dem Mittagessen geniessen, haben wir kaum einen Blutzuckeranstieg. Der Nahrungsbrei vom Mittagessen wird mit dem Dessert durchmischt und lässt ihn weniger schnell den Magen passieren. Darum kommt es auch nicht zur schnelleren Unterzuckerung und zum Heisshunger.

Bei den meisten Menschen, welche am Nachmittag um drei oder vier Uhr eine unbändige Lust auf Süsses verspüren, haben bisher schlicht zu wenig gegessen oder zu wenige Kohlenhydrate in Form von Früchten. Der böse Kuchen ist nicht das Problem und wer ab und zu etwas Seelennahrung zwischendurch will, der soll dies gerne am Mittagessen geniessen.

Schokolade ist der Teufel hören wir aus Propaganda der Sauberesser. Auch hier dürfen wir mitleidig schmunzeln. Wenn wir intensiv Sport machen, brauchen wir vermehrt Zucker. Je unfitter jemand ist, desto mehr Kohlenhydrate braucht übrigens jemand in einem Training! Essen wir nun vor einem intensiven Training etwas Schokolade, sorgt das zuerst einmal für mehr Energie im Training und dann für eine bessere Regeneration und damit für mehr Anpassungsprozesse im Körper.

Ein Ausdauersportler, dem die Powerriegel nicht mehr schmecken, darf es gerne mit Schokolade versuchen. Hier würde ich eine Schokolade mit möglichst kleinem Fett und Kakao – Anteil wählen, da sonst die Magenpassage verlängert wäre.

Wer es in seinem Leben nicht immer nur sauber mag, sondern auch ab und zu etwas «dräckig», der soll dies mit hellster Begeisterung tun und mit dem Wissen, dass er seinem Körper und Geist weit ausgewogener begegnet als das sektiererische Clean Eating. In diesem Sinne wünsche ich frohe Ostertage.

Finden Sie Clean Eating ein gutes Konzept? Wir freuen uns über Ihre Meinung im Kommentarfeld.

(seh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg Ritz am 15.04.2017 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laugenbrötler

    und immer noch habe ich das Gefühl, dass Jürg Hösli bei Coop oder Migros eine Laugenbrot-Provison kriegt...

    einklappen einklappen
  • Dr. Apfel am 15.04.2017 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann das sauber sein

    Naja Boden verseucht, Wasser verschmutzt, Felder überdüngt, Tiere zu viel Antibiotika, Gemüse und Früchte mit Pestizieden belastet...... Vielleicht sollten wir zuerst hier mal was ändern und zwar jetzt nicht erst in 10 Jahren

  • MeineMeinung am 15.04.2017 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Was mir auffällt ist

    dass der Verfasser des Artikels schreibt, dass leider viele Leute mit giftigen Pestiziden belastete Lebensmittel als giftig bezeichnen. Also mir wäre es schon lieber gewesen, er hätte geschrieben, dass leider viele Lebensmittel mit giftigen Pestiziden belastet sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ge Langweilt am 16.04.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum immer gleich so reisserisch?

    Kommt wohl darauf an was man unter "dräckig" versteht. Sie als Ernährungswissenschaftler können die Grundidee des Clean Eating Prinzip eigentlich ja nicht schlecht finden - in diesem Sinne wäre ein sachlicherer Bericht von einer Person mit dem Ihnen nachgesagten Fachwissen wünschenswert.

  • susanne merle am 16.04.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    cremig blieben

    Ich halte clean eating für äusserst sinnvoll im Rahmen einer Gesellschaft, die zu viel und zu oft zu Fertiggerichten und verarbeiteten Lebensmitteln greift. Alles, was extrem betrieben wird, kommt mit dem erhobenen Zeigefinger daher und macht das gute an der Sache kaputt. Schade. So was kann man als mündiger Erwachsener ignorieren oder sich dafür entscheiden, nur noch Kartoffeln aus handgehakter Bioerde zu sich zu nehmen. Geht alles auch ohne religiösen Anspruch. Lebensmittel ohne Zutatenliste inkl. Weissmehlpasta machen mich besser satt und es fällt weniger Müll an. Saubere Sache.

  • MaC Millie am 16.04.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the roots

    Ich ernähre mich auch zu einem grossen Teil nach dem Clean Eating-Prinzip. Für mich ist das aber nichts anderes wie back to the roots und möglichst wenig verarbeitet Lebensmittel zu verwenden. Man kann aus jeder Ernährungsform eine Religion machen, dies und das vermeiden und verteufeln. Macht nicht die Menge das Mass? Und wenn es halt mal nicht ohne weissen Zucker geht, so what, dann dafür das nächste Mal wieder gesund!

  • susanne wernli am 16.04.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    nicht mehr vegan

    ich als Mutter und ueberzeugte Veganerin, habe mich vor 2 Monaten selber der KESB gestellt, weil ich meine 1-jährige Tochter vegan ernähre. Daraufhin hat die KESB angeordnet mir das Sorgerecht zu entziehen. Ich will das Kind vor der veganen Ernährung schützen und hoffe, dass Sie in gute Hände gegeben wird und auf nichts verzichten muss. Ich werde weiterhin vegan leben, bin aber der Ansicht, dass das Grobfahrlässig gegenüber meiner Tochter wäre.

    • Paula am 16.04.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @susanne wernli

      unglaublich aufgrund von persönlichen Essgewohnheiten ein Kind weg zu geben! Dieses Kind wird ein lebenslanges Trauma haben und nie verstehen warum es wegen einer solch egoistischer Einstellung ohne mütterlicher Nähe aufwachsen soll. Warum hat sie nicht von Anfang an zugegeben dass ein Kind nicht in ihr Leben passt? Diese Ausrede ist wirklich ungeheuerlich.

    einklappen einklappen
  • Bimbo77 am 16.04.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thesen über Thesen

    Eine weitere These welche hier Aufgestellt wird. Und wieso soll ich jetzt genau diese Glauben? Alle glauben zu Wissen wie man sich " richtig" ernährt und jeder behauptet irgendwas und das nur um im Mittelpunkt zu stehen. DAS liebe Leser.... ist der neue Hype!!! Glaubt nichts, versuchts aus und bildet euch eure Meinung selbst!