Nationalbank mit Rekordgewinn

09. Januar 2018 14:54; Akt: 09.01.2018 17:12 Print

Warum hält die SNB Milliarden Franken zurück?

von Isabel Strassheim - Trotz Rekordgewinn der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gehen nur 2 Milliarden an Bund und Kantone. Was passiert mit dem Rest?

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Die SNB hat mit ihrem Rekordgewinn von 54 Milliarden Franken eine Summe erzielt, die für normale Geschäftsbanken ausser Reichweite liegt. Zum Vergleich: Die UBS brachte es 2016 auf einen Gewinn von 3,3 Milliarden. Dabei sind Gewinne gar nicht das Ziel der Zentralbank.

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Wie erzielt die SNB solch hohe Gewinne?
Durch Devisen, Gold, Aktien und Anleihen, in die sie ihre immensen Währungsreserven investiert hat. Allein durch Dividenden auf Aktien sowie Zinsen auf Anleihen hatte die SNB 2016 einen Gewinn von 11 Milliarden Franken geschrieben (für 2017 liegt der detaillierte Geschäftsbericht noch nicht vor). Ausserdem verzeichnete die SNB Kursgewinne auf ihre Fremdwährungen, Aktien sowie auf Gold. Dies sind jedoch nur Buchgewinne, denn die SNB verkauft keine Aktien oder Gold, um bei hohen Kursen Gewinne zu realisieren. Damit würde sie nämlich den Frankenkurs stärken, was ja gerade nicht ihr Ziel ist. Die SNB ist eben kein klassischer Anleger, statt Gewinnmaximierung betreibt sie Geldpolitik.

Hat die SNB durch ihren Negativzins Kasse gemacht?
Seit rund drei Jahren müssen Geschäftsbanken für bei der SNB parkiertes Geld Negativzinsen zahlen. Damit macht die Zentralbank jedoch relativ geringe Gewinne. Sie verbucht die so erfolgten Einnahmen unter den Gewinnen aus Frankenpositionen, die insgesamt rund zwei Milliarden ausmachten.

Besitzt die SNB auch Bitcoins, mit denen sie 2017 hohe Kursgewinne hätte erzielen können?
«Die SNB hält keine Bitcoins», sagt Sprecherin Silvia Oppliger. Im Nationalbankgesetz ist festgelegt, dass sie nur Wertpapiere, Anleihen oder Edelmetalle kaufen oder verkaufen darf.

Trotz Rekordgewinn erhalten Bund und Kantone nur 2 Milliarden Franken, wohin geht der Rest?
Die Gewinnausschüttung ist klar geregelt und limitiert. Bund und Kantone dürfen insgesamt höchstens 2 Milliarden Franken erhalten (an die Kantone gehen dabei zwei Drittel). So bleibt der SNB ein riesiger Restgewinn, der in Rückstellungen für Währungsreserven geht (rund 5 Milliarden Franken) und vor allem in die Ausschüttungsreserve fürs nächste Jahr, die auf 67 Milliarden steigt.

Wieso legt die SNB Milliarden auf die Seite?
Ihre Gewinne sollen möglichst wenig schwanken – damit Bund und Kantone Planungssicherheit haben. Dank der Ausschüttungsreserve können sie auch für 2018 mit 2 Milliarden Franken rechnen. «Es müsste einiges schieflaufen, dass Bund und Kantone nicht damit rechnen können, auch 2018 wieder 2 Milliarden Franken von der SNB zu erhalten», sagt UBS-Chefökonom Kalt.

Profitieren auch Private vom SNB-Gewinn?
Ja, weil die SNB auch eine Aktiengesellschaft ist. Der deutsche Theo Siegert, Spross einer Düsseldorfer Handelsfamilie, ist mit 6,72 Prozent ihr grösster Aktionär. Aber die Dividende ist auf 15 Franken pro Aktie begrenzt, weil die SNB keine profitorientierte Aktiengesellschaft ist und keine Aktionäre will, die nur auf Gewinne aus sind. (Es gibt 100'000 Aktien, das heisst die Dividendensumme beträgt 1,5 Millionen Franken, Theo Siegert kassiert davon 100'800 Franken.) Insgesamt halten Kantone, Kantonalbanken, Gemeinden und andere öffentlich-rechtliche Anstalten mehr als die Hälfte der Aktien. Der Aktienwert hat sich seit Jahresfrist mehr als verdoppelt. Ob der Höhenflug anhält, ist fraglich. «Der Rekordgewinn kam nur durch die Devisenkäufe zustande. Im Moment muss die SNB allerdings nicht mehr intervenieren, die Bilanz und damit auch die Gewinnmöglichkeiten wachsen damit auch nicht», erklärt UBS-Chefökonom Kalt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Die am 09.01.2018 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV?

    Wie wäre es jetzt mit der Sanierung der AHV mit den 2 Mia Gewinn des Bundes?

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  • papier am 09.01.2018 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Papier

    Weil das nur ein Gewinn auf dem Papier ist.

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  • Alain Surlemur am 09.01.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Buchgewinne

    Das sind nur Buchgewinne. Dem steht ein grosses Risiko in Form von Aktien, Anleihen und Devisen gegenüber.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 10.01.2018 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön geht es den Banken immer besser

    Nicht übel. Ich habe ende Jahr 1Fr. mehr auf dem Konto dank den hohen Zinsen!

    • Armer Bürger am 10.01.2018 22:48 Report Diesen Beitrag melden

      Banken gewinnen immer....

      Wow, ja die Banken gewinnen immer. Ich hatte im Dez. 2017 CHF 3350.00 auf dem Sparkonto und habe gestern die Zinsgutschrift der UBS für das Steueramt erhalten: CHF. 0.35

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  • RogerP am 10.01.2018 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pensionskasse

    Bevor der Gewinn an die Kantone verteilt wird, sollte den Pensionskassen, die für ihr deponiertes Geld Minuszinsen zahlen mussten, der Betrag zurückerstatet werden. Dies sind Gelder der Sparer und gehören nicht in die Kantonskassen. Pervers das ganze System.

  • David am 10.01.2018 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    wenn man den aktuellen Wechselkurs sieht, dann würde ich sagen, dass ein Grossteil davon in den Euro investiert wurde

  • Der Beste Mann der Welt am 10.01.2018 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stimmt.

    geben wir es dem volk. nope. geben wir es doch im ausland aus! sie sind genial, befördert!

    • Gerz am 10.01.2018 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Beste Mann der Welt

      Nö die halten das Geld für eu und s gäste!Aber sicher nicht für üs!!!!

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  • P. Truthspeaker am 10.01.2018 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Denkanstoss für Alle!

    Wie wäre es mit der Sanierung der AHV + der Abschaffung der Bundes- und Mehrwertsteuer kompensiert durch die SNB? Wie wäre es mit der Abschaffung des Eigenmietwertes welcher doch eigentlich unrechtmässig eigefordert wird da wir unsere Staatskasse schon lange auf-munitioniert haben... (geplant war er nur für 4 Jahre) Und ich hör einen Haufen Politiker schreien... Wo nehmen wir bloss das die ganze Kohle her!... Nein... Lieber den Mittelstand komplett ausschlachten bis dieser nicht mehr existiert... Und trotz dieses Gewinns der SNB (Welche zu teilen auch dem Volk gehören muss) werden die KK-Prämi

    • Hörbi am 10.01.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      Einfache Lösung

      Die Nationalbank kann da Geld doch auch einfach Drucken. Damit kann man dann die Krankenkassenprämien dann auch gleich noch. Das wäre doch eine gute Idee!

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