3 Tage Funkstille

10. Januar 2018 13:13; Akt: 11.01.2018 11:32 Print

Tote Leitungen machten Swisscom-Kunden rasend

von Dominic Benz - Firmen mit einem Abo des Konzerns konnten tagelang nicht richtig telefonieren. Gibt es eine Entschädigung?

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Ob Pizzakurier, Sanitärfirma oder kantonale Verwaltung: Schweizweit hatten am Mittwoch etliche Unternehmen grosse Probleme mit dem Telefonieren – und das schon den dritten Tag in Folge. Betroffenen waren primäre kleine und mittlere Unternehmen mit dem Abo «Smart Business Connect».

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Mittlerweile scheint das Problem aber gelöst: Am späten Mittwochnachmittag gab die Swisscon Entwarnung: Die Anschlüsse funktionierten wieder «ohne Einschränkungen», teilte der Konzern 20 Minuten mit. Ein Fehler in der Software habe dazu geführt, dass ankommende als auch abgehende Gespräche beeinträchtigt gewesen seien.

Kunden ärgern sich

Das Internet war laut Swisscom nicht betroffen. Sie geht davon aus, dass die Störung bei einigen tausend Kunden vorkommen ist. Genaue Zahlen kann der Konzern nicht nennen.

Seit Montag, 11 Uhr, tauchte die Störung immer wieder schweizweit auf. Auch Leser von 20 Minuten hatten auf das Problem hingewiesen. Zudem machten in Internet-Foren die betroffenen Kunden ihrem Ärger Luft. «Unglaublich, das Problem ist immer noch nicht gelöst. Ich sehne mich nach den Telefonen mit Wählscheiben zurück», schreibt etwa ein User namens Hed auf Allestörungen.ch. Und Rumeo ärgert sich: «Seit 3 Tagen kein zuverlässiges Festnetz, sollen wir auf Rauchzeichen wechseln?»

Störung belastet die Geschäfte

Besonders ärgerlich für die Kunden ist, dass die Unterbrüche das Tagesgeschäft der KMU stört. «Langsam geht es in das Geld, dritter Tag in Folge eingeschränkter Verkaufsdienst», beklagt sich Schorsch de Schott auf Allestörungen.ch. Ein anderer Kunde teilt mit: «Um die Umsatzverluste kümmert sich der Marktführer Swisscom leider nicht.»

Tatsächlich können die Unternehmen die Swisscom für allfällige Umsatz-Einbussen kaum zur Rechenschaft ziehen. «Geschäftskunden sitzen am kürzeren Hebel», sagt Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum. Denn gegen solche Forderungen habe sich die Swisscom in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen abgesichert. Nur wenn die Störung grobfahrlässig oder vorsätzlich verursacht worden sei, könne die Swisscom verantwortlich gemacht werden. «Die meisten Störungen erfüllen diese Voraussetzung nicht», sagt Steiger.

Klagen lohnt sich kaum

Eine Möglichkeit für Unternehmen ist der Gang vor den Richter. Will ein betroffenes Unternehmen vor Gericht aber klagen, muss es auf den Rappen genau den Schaden nachweisen. «Doch auch wenn der Geschädigte Recht bekommt, erhält er von Swisscom im besten Fall maximal 50’000 Franken pro Schadenereignis.» Aufwand und Ertrag lohnen sich laut Steiger daher meistens nicht.

Der Anwalt nimmt die Unternehmen in die Pflicht und empfiehlt: «Wenn ein Unternehmen auf Erreichbarkeit angewiesen ist, muss es bei Störungen einen Plan B bereit halten.» Solche Störungen seien bis zu einem bestimmten Umfang Geschäftsrisiko.

Anrufe umleiten nützt nicht immer

Bei der Swisscom weiss man über den Unmut der Geschäftskunden Bescheid: «Wir sind uns bewusst, dass das Telefon gerade für Geschäftskunden ein wichtiger Service ist und entschuldigen uns bei den betroffenen Kunden in aller Form für die Unannehmlichkeiten», teilt der Konzern mit – und gibt ihnen einen Tipp auf den Weg. «Von der Störung betroffene Kunden können ihre Anrufe aufs Handy umleiten», so die Swisscom. Dies funktioniere in einigen Fällen, aber leider nicht immer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nicoleTa am 10.01.2018 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genervtes KMU

    Schön währe es gewesen wenn am Montag dieser Artikel erschienen währe! Dann wüssten unsere Kunden auch wiso wir teilweise die Telefone nicht bedienen können! Aber wenn in Mumbai ein Bus ein Rad verliert, dann kommen von allen Newsportalen sofort Push Nachrichten

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  • André am 10.01.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    betroffener

    so etwas kann sich nur die swisscom erlauben. da wird man auf die digitale umstellung gezwungen, aber die swisscom hat ihr aufgezwungenes system gar nicht fertig erstellt, resp. geprüft! unglaublich und eine frechheit!

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  • Marc am 10.01.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Habe nun gekündigt

    Hatte viele Störungen mit meinem Internetanschluss in den letzten 2Jahren, immer wurde mir gesagt, es liegt nicht an ihnen, Sie könnten mir aber kostenpflichtig einen Techniker vorbei schicken... Hatte einige Probleme in den letzten 3Jahren. Als ich mein SwisscomTV Upgraden wollte, verlangten sie erst 99.- für ein "gemietetes Modem und Box" welches ich wieder zurück geben muss wenn ich wechsle.. Erst aufgrund meines Protestes, haben sie mir die Kosten erlassen... Jetzt habe ich es gekündigt, die Konkurrenz bietet mir für den selben Preis Glasfaser 1Gbit statt 100Mbit..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A.J. am 11.01.2018 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Man muss nicht jamern schliesslich seit ihr alle selber schuld jeder will das alles besser schneller wird.Das ist mit der technologie eben nicht möglich ist ist der beweiss.Alle wollen das und was geschied?Schaut das beispiel exlibris schliesst fillialen xhunderte arbeitslos nur wegen diesem online usw

  • Insider am 11.01.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sourcing Strategie Swisscom als Ursache

    Kein Wunder taugen die IT- und Telco Services der Swisscom nichts mehr. Beteiligt daran ist wie bei der SBB auch seit Jahren die Firma Accenture. Testing wird nach Indien ausgelagert, diverse Schweizer-Firmen mit Telco-Knowhow (Lieferanten für Swisscom) werden rausbefördert, internes Swisscom Personal mit günstigen Arbeitskräften im Near-Shoring / Off-Shoring ersetzt - die Liste lässt sich noch erweitern... Da soll die Qualität am Schluss über alle Systeme und Services zusammen mit Netz noch stimmig sein?

    • Infinity am 11.01.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Insider

      Dann sollte es nicht Swisscom sondern Indicom oder Lowcom heissen... ! Swiss = Qualität (normalerweise) Com = Fehlerhafte Komunikation

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  • BaldIstWochenende am 11.01.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    wie schön

    Drei Tage Ruhe einfach so geschenkt? So ein Luxus... Swisscom sollte sich das extra bezahlen lassen :D

  • Infinity am 11.01.2018 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum ist Swisscom schlecht

    Aus dem Gesamtbild heraus wird klar, warum die Swisscom nicht besser sein kann...... Die Billag AG ist ein privates Unternehmen (100%-Tochter von Swisscom) mit Sitz in Freiburg und wurde 1997 gegrundet. Im Auftrag des Bundes erfullen wir zwei Hauptaufgaben: Informieren der Bevolkerung uber die Radio- und Fernsehgebuhren Erheben der Radio- und Fernsehgebuhren (inkl. Mahnung/Betreibung).

  • M. K: am 11.01.2018 02:27 Report Diesen Beitrag melden

    No Billag!

    Tja.. lieber no Billag und sich aufs Kerngeschäft konzentrieren anstatt yes Billag und dann aufm Schlauch stehen