Lohnindex 2017

11. Juni 2018 09:48; Akt: 11.06.2018 10:16 Print

Reallöhne erstmals seit 2008 gesunken

Zwar sind die Nominallöhne um 0,4 Prozent gestiegen, die Lohnentwicklung 2017 zeigt am Ende aber einen Reallohnrückgang von 0,1 Prozent.

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Für die Schweizer Löhne sieht es schlecht aus. Laut einer Prognose des Trades Union Congress (TUC) sollen die Reallöhne hierzulande 2018 stagnieren. Damit gehört die Schweiz zu den Schlusslichtern im Vergleich des TUC. Dass die Schweiz im Europavergleich bezüglich der Lohnerhöhungen unter den Schlusslichtern ist, stützt laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse, die Forderung seines Verbands nach einer Nominallohn-Erhöhung von 2 Prozent. «Die Stagnation der Reallöhne in der Schweiz ist angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht gerechtfertigt», sagt Fischer zu 20 Minuten. Etwas weniger pessimistisch als der TUC sieht es Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse. Er rechnet für 2018 im Schnitt mit einer leichten Reallohnerhöhung von etwa 0,3 Prozent. Mit mehreren Prozent könne man in der Schweiz wegen des hohen Lohnniveaus nicht rechnen. Zudem sei das Produktivitätswachstum in der Schweiz eher bescheiden. «Die Schweizer Wirtschaft hat schwierige Jahre hinter sich und viele Unternehmen spüren das auch jetzt noch», sagt Minsch. Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, betont, dass man Lohnentwicklung nach Branchen aufschlüsseln müsse. So gebe es etwa im Bauhauptgewerbe eine Nullrunde, was bei einer erwarteten Teuerung zur Senkung der Reallöhne führe. In anderen Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen gebe es hingegen deutliche Erhöhungen. Die grosse Frage: Bringt der Aufschwung 2018 mehr Geld zum Leben? Die Prognosen für 2018 sind euphorisch: Der Bund erwartet ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Die Lohnrunde für 2018 ist jedoch weitgehend abgeschlossen. Mehr Geld gibt es kaum: Zwischen 0,5 Prozent und 1,0 Prozent betragen die ausgehandelten Erhöhungen. Kommt die Konjunktur in Fahrt, kann dies auch mehr Jobs bringen, ... ... allerdings nicht in jedem Fall: Die Produktion kann auch durch mehr Roboter gesteigert werden. Im November 2017 betrug die Arbeitslosenquote 3,1 Prozent. «Wenn Firmen mehr Ertrag machen, muss das auch bei den Arbeitern und Angestellten ankommen», fordert Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Lampart warnt vor Lohnexzessen ganz oben, wie sie vor der Finanzkrise 2007 verbreitet waren. Bislang hält sich der Lohnanstieg bei den Managern in Grenzen: Im Schnitt stiegen die CEO-Löhne der Top 100 börsenkotierten Schweizer Firmen 2016 um 1,7 Prozent, so das Beratungsunternehmen HCM. Es gibt Ausnahmen. UBS-Chef Sergio Ermottis Lohn sank 2016 auf 13,7 Millionen Franken (Vorjahr 14,3 Millionen). Bei den einfachen Angestellten fressen Krankenkasse und Teuerung die für das kommende Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen fast weg.

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Die Löhne der Arbeitnehmenden in der Schweiz haben im vergangenen Jahr nicht mit der Teuerung Schritt gehalten. Zwar stiegen die Entschädigungen im Schnitt um 0,4 Prozent. Wegen höheren Konsumentenpreisen hatten die Angestellten aber effektiv 0,1 Prozent weniger Lohn zum Ausgeben als im Jahr 2016.

Damit sind die Reallöhne erstmals seit 2008 wieder gesunken.
Dies zeigt der Schweizerische Lohnindex 2017, den das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag publiziert hat. Die miteinbezogene Jahresteuerung betrug 0,5 Prozent. 2015 noch waren die Reallöhne nicht zuletzt auch dank tieferen Konsumentenpreisen durchschnittlich um 1,1 Prozent gestiegen.

Praktisch alle Wirtschaftszweige mussten gemäss BFS eine Reallohneinbusse hinnehmen. Je nach Branche lag das Minus zwischen 0,1 und 0,8 Prozent.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René am 11.06.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Oooooh nein... Die Reallöhne

    sind seit 2008 erstmals gesunken? Letzte Lohnerhöhung hier 2010... Wie oft stiegen die Krankenkassenbeiträge, die Miete, die Preise für Gemüse + Fleisch in dieser Zeit? Die Entwertung des Lohns hat seit 2008 nicht pausiert sondern war in der Zeit immer aktuell....

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  • peter lustig am 11.06.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schnitt machts ...

    Interessant wäre eine Statistik wo nur die Mittelschicht berücksichtigt wird .. das würde mich Wunder nehmen Solange die Superreichen in dieser Statistik auftauchen macht das überhaupt keinen Sinn ..

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  • Rita R. am 11.06.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Echt? Nicht real

    Da sieht man, wie einzelne, wenige Unternehmen (Chemie, Versicherer, Banken,..) sowie die Behörden die Realität der Mehrheit verfälschen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rockpower am 15.06.2018 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PFZ nur f. AG interessant

    Es ist aber auch salonfähig geworden, Löhne aus den 80'ern zu zahlen (Lohndumping). Dies meist ohne grosse Konsequenzen. Dies ist einer der vielen negativen Auswirkungen für die ca. 95% der Bevölkerung (der Rest hat meist nur davon profitiert).

  • Economist am 13.06.2018 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Löhne und Preise müssen runter

    Das ist gut so wenn die Hochpreisinsel Schweiz langsam auf normales Nord EU Niveau absinken soll.

  • Unternehmer 2 am 12.06.2018 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung Arbeitgeber

    Real ist auch die Gewinnbringende Marge gesunken. In vielen Berufen verdient man real schon lange weniger als vor 10- 20 Jahren. Bei vielen Job ist es auch so, dass man Vorarbeiter sein muss um gediegen leben zu können. Als Unternehmer finde ich beschämend, dass viele Unternehmen nicht die Vorteile von Spesen (Steuererleichterung) ausnutzen. Bei Pensionskassen und Versicherung hat fast jeder ein Spielraum nach oben. Unternehmer könnten sich da besser ausbilden, denn es macht schnell ein par 1000.- pro Arbeiter im Jahr aus, ohne dass man mehr bezahlt.

  • Leser am 12.06.2018 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich?

    Ja, aber nicht in der Teppichetage!

  • Thommi am 12.06.2018 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu ändern

    Ist doch immer wieder die selbe Leier. Ich kanns langsam nicht mehr hören, es wird alles jedes Jahr teurer, zumindest das was es zum Leben halt leider braucht. Und die Löhne bleiben halt mehr oder weniger gleich, in manchen Branchen sinken sie sogar die Menschen tun mir richtig leid. Das was mir weniger bleibt kriegt die Wirtschaft in Form von Konsum ect. weniger!ganz einfach.