Überzogene Anforderungen

13. Januar 2018 11:33; Akt: 13.01.2018 11:33 Print

So überlisten Sie Firmen trotz Lücken im Dossier

Laut einer Umfrage akzeptieren viele Firmen nur Bewerber, die perfekt zur Stelle passen. So kommen Sie trotzdem zu ihrem Traumjob.

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Unternehmen kennen auf der Suche nach dem perfekten Mitarbeiter kein Pardon: Wer das Stellenprofil nicht vollständig erfüllt, blitzt ab. Zu diesem Resultat kommt die Beratungsfirma von Rundstedt in ihrem aktuellen Arbeitsmarkt-Barometer. So wird etwa ein «IT Geek-Supporter» gesucht, der sich in zehn Technikbereichen auskennt, aber höchstens 30 Jahre alt ist. Doch wie kriegt man den Job, auch wenn man nicht alle Kriterien erfüllt? 20 Minuten hat bei Personalexperten nachgefragt:

Umfrage
Haben Sie den Einstieg als Quereinsteiger geschafft?

• Augenmass
Viele Stellenprofile vergleicht Headhunter Thomas A. Biland mit einer eierlegenden Wollmilchsau: Die gesuchte Person müsse alle Bedürfnisse befriedigen und allen Ansprüchen genügen. Meistens kann niemand alle Punkte erfüllen. «Daher muss man aus dem Profil herauslesen, welche die entscheidenden Kriterien sind», sagt Biland. Wenn man diese dann nicht erfülle, dann lohne sich die Bewerbung auch nicht.

• Dossier
Wer sich übers Internet oder traditionell auf eine Stellenanzeige bewirbt, sollte auf ein gutes Bewerbungsdossier achten. «Ein sauberer Lebenslauf mit einem professionellen Bild sind ein Muss», sagt Thomas O. Bayer, Personalexperte und Gründer von Bayerplus Executive Search. Wer nicht alle Punkte im Profil erfüllen könne, solle im Begleitschreiben die persönlichen Qualitäten und andere Merkmale, die für das Unternehmen ausschlaggebend sind, betonen. Hinzu kommt eine gute Begründung, warum man ausgerechnet diesen Job will. «Im Schreiben sollte die Begeisterung für die Stelle rüberkommen», sagt Bayer.

• Referenzen
Die in der Bewerbung aufgeführten Referenzen sollten gut gewählt sein. Am besten seien Personen, die einen gewissen Namen und ein bestimmtes Gewicht in der Arbeitswelt hätten, sagt Bayer. «Verzichten Sie auf ein Gefälligkeitsgutachten.»

• Vitamin B
Laut der Erhebung der Firma von Rundstedt wird es für Jobsuchende immer schwieriger, die Branche zu wechseln. Heute schafft das nur jeder Fünfte. 2015 war es noch jeder Dritte. Um grössere Chancen für den Sprung zu haben, sollte man auf Vitamin B zurückgreifen. «Es hilft, wenn man jemanden kennt, der einen empfehlen kann», sagt Thomas A. Biland. Für den Experten ist daher ein grosses Netzwerk unumgänglich. «Treffen Sie Leute aus der Arbeitswelt und bringen Sie sich in Diskussionen ein», so Biland. Mit Netzwerken komme man oft weiter als mit dem Weg über das klassische Bewerbungsverfahren.

• Durchhaltewillen
Absagen darf man laut Thomas O. Bayer nicht als persönliche Niederlage verstehen. Einen negativen Bescheid solle man nutzen, um es beim nächsten Mal besser zu machen. «Wer eine Absage nicht als vernichtende Niederlage, sondern als Lernprozess betrachtet, wird zu den Gewinnern gehören», so Bayer.

• Kontinuität
«Wechseln Sie nicht gleich jedes Jahr den Job», sagt Bayer. Das zeuge von Verlässlichkeit. Ansonsten könne es den Anschein machen, dass es Probleme mit der Persönlichkeit des Jobsuchenden gebe. Das heisse aber nicht, dass man immer beim gleichen Arbeitgeber bleiben solle. «Jemand macht sich gerade auch wertvoll, wenn er verschiedene Unternehmenskulturen erlebt hat», so Bayer. Die Karriere solle aber eine gewisse Kontinuität reflektieren.

Auch in Zukunft dürften die Stellenprofile Jobsuchende einschüchtern. «Die Anforderungen werden spezifischer und vielschichtiger», sagt Pascal Scheiwiller von der Firma von Rundstedt. Unternehmen bräuchten vertieftes Wissen, weil die Welt immer komplexer werde. Erst wenn die Unternehmen gar keine Spezialisten mehr fänden, dürfte die Flexibilität und Kompromissbereitschaft auf Arbeitgeberseite wieder grösser werden.

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HR-Fachfrau am 13.01.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Referenzen im Lebenslauf?

    Referenzen werden schon lange nicht mehr im Lebenslauf angegeben. Professionelle Unternehmen holen diese auch erst dann ein, wenn ein Kandidat in die zweite Runde kommt

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  • Marc am 13.01.2018 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    erst kürzlich

    Erst kürzlich stand hier noch, das viele Arbeitgeber garkein Foto haben wollen... Ja was denn nun? :D

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  • Chris am 13.01.2018 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verfügbarkeit ....

    Der letzte Satz bringt es auf den Punkt. Erst wenn die Firmen keine vollumfänglich passenden Bewerber mehr finden dann ...... Wird nicht eintreffen solange diese "passenden" Bewerber einfach via Zuwanderung gefunden werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Obachter am 15.01.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Erheiternde Stellenbeschreibungen

    Mein Glück ist, in einer spezialisierten Sparte zur arbeiten, in der die Firmen wirklich nach Fachkräften suchen müssen. Meine Erfahrung: über 95% der Headhunter, Projektvermittler und HR- Leute haben nicht den Hauch einer Ahnung, um was es in dem Gewerbe geht. In ihrer Not vergleichen sie Muster und Stichworte, die ihnen jemand anderer gibt. Diese Leute wiederum schreiben eine Wunschliste nach dem Motto: "das und das nehm ich auch noch rein". Diese Kombination aus Inkompetenz und aufgeblähten Beschreibungen sind zwar ein Quell der Erheiterung, aber leider auch nur teurer Leerlauf.

  • Hildi am 15.01.2018 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Lernen bei einer Absage???

    Ja, WAS den bitte schön, bei 400 Absagen und davon die meisten nichtssagend und standardmässig begründet? Bei 200 Bewerbungen pro Stelle und einem Alter von ü50 lerne ich nur eins: Dass ich HIER auch mit gutem Profil, Quali und Erfahrung nicht mehr ERWÜNSCHT bin! DANKE, Schweiz, danke "Fortschritt"!

  • Roger Meier am 15.01.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr habt die Misere selber verursacht!

    Das Problem heute ist, dass wegen der Personenfreizügigkeit viel zu viel Arbeitssuchende gibt. 1997 gab es 3 Bewerber auf die Stelle wo ich arbeite, heute sind es über 50 auf eine freie Stelle! Da kann man sich noch so gut bewerben, ab einem gewissen Alter bekommt man keine Stelle mehr!

  • Bewerber am 15.01.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Foto

    Foto im Lebenslauf? Dies ist doch schon längst veraltet und wird in einigen Ländern sogar als unangebracht angesehen, da dort eben aufgrund Qualifikation und Kompetenz sortiert wird, wie es sein sollte, und nicht aufgrund des Fotos. Ausser natürlch, man bewirbt sich bei einer Modelagentur...

  • Manuela am 15.01.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    more than 55

    Und was nützen uns alle diese schönen Vorschläge, wenn es denn (natürlich nicht offiziell) heisst, dass du zu alt bist?