Milliarden-Minus

14. Februar 2018 14:10; Akt: 14.02.2018 16:36 Print

Sinken jetzt die Boni bei der Credit Suisse?

von Dominic Benz - Die Bank hat in drei Jahren über sechs Milliarden Franken Verlust gemacht. Chef Thiam verdient derweil Millionen. Die wichtigsten Antworten.

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Die Credit Suisse weist für 2017 einen Milliarden-Verlust aus. Was läuft schief?
Schuld an den roten Zahlen hat die US-Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Die Steuersenkungen sind für Unternehmen in den USA zwar eine gute Nachricht. Für die Schweizer Banken aber momentan nicht: Mit der Reform verlieren die Steuergutschriften in den Büchern der Banken an Wert. Bei der Credit Suisse (CS) betragen diese Wertberichtigungen 2,3 Milliarden Franken. «Ohne diese Abschreiber wäre das Ergebnis positiv», sagt Bankenexperte Tomasz Grzelak von Baader-Helvea zu 20 Minuten.

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Gehen bei der CS wegen des Verlusts jetzt die Boni zurück?
Das Minus ist der US-Steuerreform geschuldet und daher ein buchhalterischer Verlust. Das heisst: Nicht die operativen Geschäfte haben das Ergebnis verhagelt, sondern die Wertberichtigungen. Diese kann die Bank nicht beeinflussen. «Daher dürfte das keinen Einfluss auf die Boni haben», sagt Grzelak. Der Geldsegen wird daher auch für Tidjane Thiam weitergehen: Seit seinem Amtsantritt vor bald drei Jahren hat der CS-Chef rund 30 Millionen Franken verdient, obwohl die Bank nur Verluste gemacht hatte. Für 2017 dürften noch über 10 Millionen Franken hinzukommen. Auch die Mitarbeiter werden fürstlich entlöhnt: 2016 war der Bonustopf 3,1 Milliarden Franken schwer – 200'000 Franken mehr als im Vorjahr.

Für die CS ist es bereits der dritte Jahresverlust in Folge. Wackelt nun der Stuhl von Chef Tidjane Thiam?
Tatsächlich ist die Bilanz von Thiam dürftig. In seinen knapp drei Jahren als Chef hat die Bank insgesamt Verluste von über sechs Milliarden Franken angehäuft. Dennoch dürfte auch das aktuelle Minus nicht Thiams Chef-Posten gefährden. «Erst wenn das laufende Jahr wieder schlecht ausfällt und Thiam seine Versprechen nicht halten kann, könnte er als Chef in Frage gestellt werden», sagt Grzelak. Derweil spricht der Finanzblog «Inside Paradeplatz» angesichts der Bilanz Thiams bereits jetzt von einem «Fiasko».

Müssen sich die Aktionäre nun Sorgen machen?
Dafür sieht Bankenexperte Grzelak momentan keinen Grund. Die CS stehe mittlerweile gesünder da als noch vor rund zwei Jahren. So gibt es auch gute Nachrichten: Laut CS stieg 2017 der Vorsteuergewinn ohne die einmaligen Kosten gegenüber dem Vorjahr um 349 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 2,7 Milliarden Franken angefallen. Grund waren Rückstellungen wegen Betrügereien mit US-Hypotheken. Als positiv bewertet die ZKB zudem die Neugeldzuflüsse in der asiatischen und internationalen
Einheit. «Von daher scheint uns die CS Group gut unterwegs zu sein», so die ZKB. Laut Grzelak sollte 2018 für die Bank leichter werden: Verluste sollte es keine mehr geben. Auch die Abschreiber dürften weniger werden. «Die Umstrukturierungen und Sparmassnahmen dürften sich auszahlen», so der Experte.

Warum wird die Dividende so massiv gekürzt?
Die CS schüttet ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 2017 eine Dividende in der Höhe von 0,25 Franken aus. Im Vorjahr waren es noch 0,70 Franken. Auch wenn die Kürzung drastisch erscheint – sie entspricht in etwa den Erwartungen der Analysten. Bankenexperte Grzelak spricht daher auch nicht von einer wirklichen Überraschung. «Mit der Kürzung dürfte die CS mehr finanzielle Flexibilität erreichen wollen», begründet er den Schritt.

Wie reagiert der Aktienkurs?
Der Aktienkurs legt am Mittwoch zu – trotz Dividendenkürzung. Offenbar überzeugen die positiven Entwicklungen in bestimmten Geschäftsfeldern die Anleger. Hinzu kommt, dass der Verlust schon länger im Kurs enthalten war: Bereits am Investorentag Ende letzten Jahres gab die CS die voraussichtliche milliardenschwere Wertberichtigung bekannt. Der Verlust kam also für die Aktionäre nicht überraschend.