Zeit ist Geld

06. November 2017 21:00; Akt: 06.11.2017 23:37 Print

Behördenstress adé – EasyGov.swiss geht online

Der Bund will für Schweizer Unternehmer den administrativen Aufwand senken. Die Webseite funktioniert nach dem «One-Stop-Shop»-Prinzip.

storybild

Johann Schneider-Ammann präsentiert Easy Gov. (6. November 2017) (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Fehler gesehen?

Über ein nationales Onlineportal sollen sie die wichtigsten Behördengeschäfte künftig effizienter abwickeln können. Zusammen mit Vertretern aus den Kantonen und der Wirtschaft lancierte Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Montag in Bern die erste Version von Easy Gov. Seit Montag ist sie online.

Das neue Portal ist ein zentraler Bestandteil der Standortförderung des Bundes. Damit soll die bürokratische Belastung der Unternehmen spürbar reduziert werden, bekräftigte der Bundesrat.

«One-Stop-Shop»-Prinzip

Die Plattform funktioniert nach dem «One-Stop-Shop»-Prinzip. Demnach sollen alle notwendigen bürokratischen Schritte an einer einzigen Stelle durchgeführt werden können. So werden beispielsweise bei einer Firmengründung nach Eingabe der Firmendaten automatisch die erforderlichen Dokumente in pdf-Format generiert.

Dazu gehören etwa die Anmeldeformulare für den Handelsregistereintrag, die Mehrwertsteuer, die AHV oder die Unfallversicherung. Wer einen elektronischen Identitätsnachweis SuisseID besitzt, kann die Dokumente anschliessend direkt online einschicken.

Alle bürokratischen Schritte an einer einzigen Stelle: Easy Gov machts möglich. Bild: Keystone

Ziel sei es, die Behördengeschäfte zu bündeln und die Daten auf Bund-, Kantons- und Gemeindeebene zu vernetzen, sagte der Bundesrat. Mit dem elektronischen Schalter könnten Geschäfte zudem rund um die Uhr durchgeführt werden. Das spare Zeit und Aufwand.

Laufender Ausbau der Dienste

Das neue Internetportal EasyGov.swiss ist eine Erweiterung des Gründer-Portals Startbiz, das es schon seit 2004 gibt und vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco betrieben wird.

Mit dem neuen Modell EasyGov.swiss sollen nun auch bestehende Unternehmen bedient werden, sagte der Seco-Ressortleiter für KMU-Politik, Martin Godel. So können aktuell neben den Diensten rund um die Firmengründung Handelsregister-Mutationen oder Mehrwertsteuer-Transaktionen vorgenommen werden.

Weitere Dienste sollen laufend integriert werden. Derzeit angedacht seien beispielsweise Geschäfte rund um den Markenschutz oder das Betreibungsregister. Ziel ist es, dass Firmen bis Ende 2019 die am meisten nachgefragten Behördengänge über den neuen Online-Schalter können.

Hohes Sparpotenzial

Eine Unternehmensgründung ist in der Schweiz derzeit mit viel Aufwand verbunden. Laut Schneider-Amman braucht es dazu 14 Bewilligungen bei 14 unterschiedlichen Behörden. Das Ganze dauere 14 Monate. Zum Vergleich: In Shanghai seien die Bewilligungen bereits innert zwei Monaten erhältlich.

Deshalb sollen nun auf einem Internetportal alle Behördengänge gleichzeitig durchgeführt werden können. Das begrüsst auch der Präsident des Gewerbeverbandes (SGV), Jean-François Rime. Die Bürokratie binde viele Ressourcen bei den kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU). Mit einem zentralisierten System könne viel Zeit gespart und die Produktivität der Firmen deutlich gesteigert werden.

Seit Montag ist die erste Version online. Bild: Screenshot easygov.swiss

Die öffentliche Lancierung des neuen Portals fand in den Räumlichkeiten des Berner KMU Blasercafé in Bern statt. Auch der Geschäftsführer Marc Käppeli verspricht sich von der neuen Plattform erhebliche Einsparungen. Heutzutage sei das Unternehmen mit etlichen Botengänge zu den Ämtern konfrontiert – etwa im Exportbereich. Das koste viel Zeit, die man künftig für die Kunden einsetzen könne.

(oli/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 06.11.2017 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hoffen

    Bei der Vorgeschichte kann man nur hoffen dass es diesmal funktioniert!

    einklappen einklappen
  • chris am 07.11.2017 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    gescheitert

    Der Vollständigkeit halber müsste auch das Konkursverfahren auf der Seite integriert sein.

  • urs rudolf am 07.11.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    easy

    Wäre eine super Sache, wenn man mindestens 1000 Beamte einsparen könnte.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • CHF am 08.11.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Österreich vor Schweiz

    Prima, dass es bei uns nun auch starter. Im Bereich E-Government sind uns unsere Kollegen in Österreich seit Jahren meilenweit voraus. Holen wir auf!!!

  • Soldat am 08.11.2017 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer IT-Projekte

    Gemäss meiner Erfahrung gibt es kurz weniger Stress, dann das grosse Chaos und im Anschluss sehr viel mehr Stress als zuvor. Kosten hoch, nutzen 0. Wird bald wieder offline genommen.

  • Marco am 08.11.2017 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmen

    Beim Jammern ist die Schweiz ganz vorn mit dabei. Jedenfalls wenn man nach den Kommentaren in diesem Artikel geht. Ich rate allen mal einen Behördengang im Ausland zu machen und wünsche schon mal viel Spass.

  • Thomas am 07.11.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    14 Monate?!

    Hm, bin mir nicht ganz sicher, ob Herr Schneider-Ammann schon mal eine Firma gegründet hat... Erstens sind es nicht 14 Behörden mit 14 Dokumenten und wenns schnell gehen muss, hat man eine Firma in 2-3 Wochen gegründet. Egal ob AG, GmbH oder sonst was... Extrem fraglich ob Herr Bundesrat vom täglichen Unternehmerleben noch eine Ahnung hat. Seine Aussagen lassen das bezweifeln...

  • Realist am 07.11.2017 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Geldmangel ist Problem Nr. 1

    Das grösste Hindernis eine Firma zu gründen ist nicht die Bürokratie, sondern das fehlende Vermögen, um eine längere Durststrecke schuldenfrei zu überstehen sowie die mangelnde Kaufkraft der Bevölkerung bzw. der potenziellen Kundschaft.