Retail-Outlook 2018

09. Januar 2018 09:14; Akt: 09.01.2018 09:50 Print

Auslandeinkäufe lohnen sich ab 274 Fr pro Fahrt

Wann lohnt sich Shopping ennet der Grenze im Durchschnitt? Die Credit Suisse hat in ihrer Analyse neben den Autokilometern auch die Kosten für die Zeit berechnet.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In Grenzregionen sind Einkäufe in Deutschland, Frankreich, Italien oder zuweilen auch Österreich seit jeher verbreitet. Seit Beginn der Frankenstärke brechen aber auch unzählige Einwohner von weiter entfernten Regionen zu Shoppingtrips ennet der Grenze auf: Am Samstag von Lotzwil nach Lörrach, von Walterswil nach Waldshut oder von Knutwil nach Konstanz.

Laut dem Retail-Outlook 2018 der Credit Suisse ging in der jüngsten Auswertungsperiode (2015) für Auslandeinkäufe im Schnitt eine Stunde mehr Fahrzeit drauf als für Inlandeinkäufe.
Konkret dauerte ein durchschnittlicher Einkaufsweg in der Schweiz im Jahr 2015 28 Minuten (reine Fahrzeit, Hin- und Rückweg) und war 14 Kilometer lang. Ein Einkaufsweg über die Grenze und zurück dauerte im Schnitt 88 Minuten und betrug insgesamt 69 Kilometer. Somit waren Einkaufstouristen im Schnitt 60 Minuten länger und 55 Kilometer weiter unterwegs als Inlandkonsumenten.

Wert einer Stunde Freizeit: 37 Franken

Doch für welche Personen und Haushalte lohnt sich der Einkauf ennet der Grenze tatsächlich? Laut Credit Suisse lagen die Zeit- und Wegkosten pro Autofahrt bei einem Auslandeinkauf 2015 durchschnittlich 137 Franken höher als bei Einkäufen innerhalb der Schweiz. Das heisst: Pro Einkauf muss der ersparte Betrag mindestens dieser Differenz (137 Franken) entsprochen haben, damit sich die Fahrt über die Grenze gelohnt hätte.

Die Bank berechnete für ein Referenzauto Kilometerkosten von 0,73 Franken. Viel schwieriger ist es, die «Kosten» der Fahrzeit zu ermitteln, die für die Fahrt ins Ausland zusätzlich anfällt. Die Bank schätzte den Wert einer durchschnittlichen Stunde Freizeit auf 37 Franken (mittlerer Stundenlohn 2014). Zudem geht die Credit Suisse davon aus, dass 2015 ein typischer im Ausland gekaufter Warenkorb rund 50 Prozent günstiger war.

Demnach lohnte sich 2015 unter Einbezug der Preisunterschiede zwischen dem Ausland und der Schweiz ein durchschnittlicher Auslandeinkauf ab einer Einkaufssumme von 274 Franken pro Auto oder 105 Franken pro Person (vor Abzug der Mehrwertsteuer). Für drei Viertel der grenznahen Einwohner lagen diese Werte allerdings deutlich tiefer, für den Grossteil der Bevölkerung jedoch wesentlich höher.

Zwei Luzerner hätten beispielsweise in Waldshut für rund 600 Franken einkaufen müssen, damit sich die Reise im Vergleich zu einem durchschnittlichen inländischen Einkaufsweg finanziell lohnen würde.

Einkaufstouristen haben höheres Durschnittseinkommen

Wie die Bank in ihrer Analyse weiter schreibt, gingen rund drei Viertel der gezielten Auslandeinkäufe auf das Konto von Einwohnern aus Grenzregionen. Basierend auf den Zahlen des Mikrozensus Mobilität und Verkehr lässt sich zeigen, dass Schweizer Konsumenten im Jahr 2015 hochgerechnet rund 24 Millionen gezielte stationäre Auslandeinkäufe tätigten.

Im Schnitt kauften Schweizer demnach dreimal pro Jahr ennet der Grenze ein. Nicht eingerechnet sind Shopping-Aktivitäten, die im Rahmen von Reisen oder Verwandtschaftsbesuchen getätigt wurden. Gezielte Auslandeinkäufe fanden zu fast 90 Prozent mit dem Auto statt, nur sechs Prozent der Schnäppchenjäger reisten mit dem ÖV an.

In der Schweiz wohnhafte Ausländer kauften im Schnitt rund doppelt so häufig jenseits der Grenze ein wie Schweizer. Der Einkaufstourist war im Schnitt etwa drei Jahre jünger als der Durchschnittskonsument. Überraschend ist zudem folgender Befund: Die Haushaltseinkommen von Einkaufstouristen waren leicht höher als dasjenige des Durchschnittskonsumenten.

(sas)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven am 09.01.2018 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auswahl besser

    Geht ja nicht nur um günstiger einkaufen sondern um die Vielfalt. Hat viel mehr Auswahl und zum Teil Sachen wo in der Schweiz nicht bekommst

    einklappen einklappen
  • ShoppingQueen am 09.01.2018 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Frei sein und einkaufen wo man will!

    Ich kaufe dort wo ich will. Solange man mich in der Schweiz abzockt kaufe ich halt auch manchmal im Ausland ein. Die Politik soll endlich handeln!

    einklappen einklappen
  • Werner Ernst am 09.01.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufstour im Ausland

    Oh diese Studien! Steigen die Gebühren der CS ab 2018 deswegen zum Teil auf das Doppelte und sinkt der Sparzins von 0.5% auf sagenhafte 0.025%?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wir am 10.01.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch

    Was nützt der doppelte Lohn beim dreifachen Preis ? Wir kaufen seit Jahren in D und werden das bis zur Pension auch weiter machen, danach ziehen wir in die EU da reicht die Rente ein großes Stück weiter.

  • Claudio am 09.01.2018 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn hier- Einkaufen da

    Stellt euch mal vor, alle würden es euch gleichtun und im Ausland einkaufen. Euer Arbeitsplatz wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit wegen roten Zahlen gestrichen. Wer in der Schweiz seinen Lohn bezieht, der soll ihn auch hierzulande ausgeben und dadurch Arbeitsplätze sichern.

  • Bebbi am 09.01.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Einheimisches Personal unterstützen

    Wohne in der Grenzregion Basel und kaufe grösstenteils auf der Seite der Grenze ein, wo man noch freundliches und vorallem einheimisches Personal beschäftigt. Zudem wird man auch als Autofahrer nicht nur schikaniert und bekommt sogar einen Gratis-Parkplatz. Das Stempeln des Ausfuhrscheines tue ich mir hingegen nicht an...!

  • Horst am 09.01.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Quit

    Danke für das Vorrechnen, das lohnt sich ja noch viel mehr als ich dachte! Wobei meine Stunde Freizeit mehr als 37.- wert ist; die ist Unbezahlbar.

  • Häusle Bauer am 09.01.2018 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baumaterial

    ist dort auch extrem preiswert günstiger. Hatte vor 10 Jahren eine thermische solaranlage gekauft, habe knapp 10000Chf bezahlt, mit Speicher und Steuerung, damals Kurs 1.58. Hier hätte ich 25000 abgedrückt. Grosse Investionen Material nur direkt aus D