Gesundheitsgefahr

10. Februar 2018 17:59; Akt: 12.02.2018 13:25 Print

«Über 39 Stunden arbeiten kann einen umbringen»

von Dominic Benz - Lange Arbeitswochen machen krank. Das sagt ein Ökonom. Dennoch könnte in der Schweiz bald die 50-Stunden-Woche kommen.

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Wer langfristig zu viel arbeitet, gefährdet seine Gesundheit. «Alles über einer 39-Stunden-Woche kann Sie umbringen», sagt der Wirtschaftswissenschaftler Peter Fleming von der University of London in einem Interview mit der «Welt» (Artikel zahlungspflichtig).

Wissenschaftliche Untersuchungen haben laut Fleming immer wieder gezeigt, dass sehr lange Arbeitszeiten langfristig die Gesundheit belasten. «Der Stress führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch zu psychischen Problemen», so Fleming.

Schweizer arbeiten am meisten

Die Schweizer sind demnach besonders gefährdet. Laut Bundesamt für Statistik wurde 2016 in keinem anderen EU-Land mehr gearbeitet. Gemäss Arbeitsgesetz gilt eine maximale Arbeitswoche von 45 Stunden für die meisten Branchen (siehe Box).

Haben Sie eine besonders lange Arbeitswoche? Wie viele Stunden müssen Sie arbeiten – und wie stark leiden Sie darunter? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen.

Dass lange und intensive Arbeitswochen in der Schweiz ein Problem für die Gesundheit sind, zeigt auch eine Umfrage der Gewerkschaft Unia aus dem Herbst 2016. Arbeitsbedingter Stress komme in büronahen Dienstleistungsberufen sehr häufig vor und habe oft negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten, so das Fazit der Unia.

Schleichende Prozesse

Konkret heisst das: Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten sind am Arbeitsplatz Stress ausgesetzt und können sich auch in der Freizeit schlecht abgrenzen. Viele fühlen sich aufgrund des Stresses «unmotiviert, ausgelaugt, nervös und gereizt oder körperlich angeschlagen», so die Unia.

Gesundheitliche Gefahren sieht auch Norbert Semmer, emeritierter Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bern. «Ab 40 Stunden steigt das Risiko für Erkrankungen», bestätigt er 20 Minuten. Erschöpfungszustände, Burn-outs, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Herz-Kreislaufkrankheiten sind dann häufig das Resultat schleichender Prozesse.

«Wir fordern mehr Flexiblität»

Noch höheren Arbeitszeiten steht Semmer skeptisch gegenüber. Zwar könne man schon für eine gewisse Zeit erhöhen, dann müsse es aber auch eine entsprechende Erholungszeit geben. Doch genau hier lauert die Gefahr. «Wenn nicht der Arbeitnehmer selber, sondern der Arbeitgeber über die Flexibilität seiner Angestellten bestimmt, dann kann es ebenso zu Überbelastungen kommen», so Semmer.

Eine Woche mit noch mehr Arbeitsstunden droht Arbeitnehmern allerdings aus den Reihen des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV). Er fordert ein flexibleres Arbeitsgesetz und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden. Befristet und in Zeiten von hohem Arbeitsanfall müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer flexibler auch länger arbeiten können. «Wir fordern mehr Flexibilität, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern nützt, und nicht generell höhere Wochenarbeitszeiten», sagt SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler zu 20 Minuten.

Tendenzielle Verringerung der Arbeitszeit

Konkret: Die heute in den Arbeitsverträgen geregelten Wochenarbeitszeiten von zwischen 40 bis 42 Stunden pro Woche will der Gewerbeverband nicht antasten. So hält Bigler fest: «Gestresste und überlastete Mitarbeitende können die nötigen Leistungen nicht zufriedenstellend erbringen.»

Die Gewerkschaft Unia hingegen will die Gesundheit der Arbeitnehmer mehr schützen und sieht bei der Arbeitszeit eher einen Reduktionsbedarf. «Wir beobachten in vielen Branchen eine Zunahme von Stresserkrankungen und Burn-out», sagt ein Sprecher. Auch deshalb brauche es klare Regeln und eine tendenzielle Verringerung der Arbeitszeit im Gesetz und in Gesamtarbeitsverträgen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 10.02.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wer das unterstützt

    darf anschliessend nicht reklamieren! Wir Schweizer sind selber dumm so etwas zu fördern.

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  • Mani Motz am 10.02.2018 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Solange bei Abstimmungen mehr Ferien abgelehnt werden, kann mit Arbitnehmern alles gemacht werden.

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  • MauMau am 10.02.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    EU

    EU - Land? (Laut Bundesamt für Statistik wurde 2016 in keinem anderen EU-Land mehr gearbeitet.)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thömu am 15.02.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Für was denn?

    Wenn man sich dann so richtig kaputt gearbeitet hat sagt niemand danke... Der einzige wahre Reichtum ist Zeit für sich und die die man mag.

  • el pepe am 13.02.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    so siehts wohl aus

    der mensch hat nichts wert! wirschaft üm jeden preis!

  • Sozi am 13.02.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Böse Arbeiter

    Auch wer nichts arbeitet stirbt irgendwann. .....ist ein niedlicher Versuch um zur 37 Stundenwoche zu kommen. ;-)

    • Thomas am 15.02.2018 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      Aber aber

      Er lebt aber länger und gesünder, wenn er nix arbeitet. Das is nachgewiesen.

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  • Margrit am 13.02.2018 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bin bereit, für Kost und Logis zu arbeiten

    Habe schon jahrelang keinen Job. Bin bereit, für Kost und Logis zu arbeiten. Auch wenn's 60 Stunden in der Woche sind.

    • Sommer am 14.02.2018 06:45 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfeschrei

      Das ist eher ein Hilfeschrei, den BR nie hören will und wird

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  • S.Arnold am 12.02.2018 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fage ist einfach...

    Muss ich arbeiten gehen oder darf ich arbeiten gehen? Je nach Arbeitseinstellung ist diese gesund oder ungesund.