«Paradise Papers»

05. November 2017 19:17; Akt: 06.11.2017 21:23 Print

Heikle Geschäfte von Schweizer Firmen geleakt

Ein Datenleck enthüllt die Steuertricks der Reichen und Grosskonzerne. Auch SBB-Präsidentin Monika Ribar taucht im Leck auf.

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Taucht in den «Paradise Papers» auf: SBB-Präsidentin Monika Ribar. (Archiv) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Die Paradise Papers – das sind 1,4 Terabyte Daten der internationalen Kanzlei Appleby Global mit Sitz auf den Bermudas, und deren Spinoff Estera. Sie umfassen einen Grossteil des Geschäftsverkehrs der Firma: Verträge, E-Mails, behördliche Dokumente, bis ins Jahr 2016. Das Leck umfasst ausserdem die staatlichen Firmenregister von 19 Steueroasen und die Daten eines Trustanbieters namens Asiaciti. 382 Journalisten, darunter ein Team von «Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung» veröffentlichen ab heute ihre Recherchen, die auf den 13,4 Millionen Dokumenten beruhen. Diese gelangten vor mehr als einem Jahr an die «Süddeutsche Zeitung» in München, die sie mit über 96 Medienpartnern weltweit teilten. Die Firma Appleby gilt als Rolls-Royce unten den Anbietern im Offshore-Geschäft. Sie unterhält Büros in so gut wie jedem wichtigen Steuerparadies in Europa, Asien, der Karibik oder Afrika. Zu den Kunden gehören Prinzessinnen, Premierminister, Berühmtheiten aus der Sportwelt oder auch einige der reichsten Oligarchen. Sowie viele internationale Grosskonzerne – darunter der Schweizer Rohstoffriese Glencore. Die Recherchen zeigen, dass Appleby neben seriösen Kunden auch Politiker mit fragwürdigen Firmen-Konstruktionen betreut. Dazu sanktionierte Geschäftsleute, verurteilte Steuerhinterzieher. Sie sind auch involviert in Deals, die den Verdacht der Geldwäscherei wecken.

In einer Präsentation für die Mitarbeiter schreibt der Compliance-Chef von Appleby einmal: «Der Mist, den wir annehmen, ist teilweise echt atemberaubend.» Appleby wiegelt auf Anfrage ab und sagt, mit «Mist» seien unleserliche Dokumente zur Überprüfung von Neukunden gemeint.

SBB-Ribar war in Firma von umstrittenem Investor

Auch Schweizer Prominenz taucht in den Paradise Papers auf – im Zusammenhang mit dem angolanischen Staatsvermögen. Angola hat die Verwaltung seines 5 Milliarden schweren Staatsfonds in die Hände des Schweiz-Angolanischen Unternehmers Jean-Claude Bastos gelegt. Dieser ist ein guter Freund des Chefs des Staatsfonds.

Die Paradise Papers zeigen: Bastos verdient mit dem Mandat so viel, dass er sich allein 2014 und 2015 Dividenden, also eine Gewinnausschüttung, von 41 Millionen Dollar auszahlen konnte. Zudem lässt Bastos den Staatsfonds hunderte Millionen in seine eigenen Projekte investieren, darunter ein grosser Hafen und ein ultramodernes Hochhaus in Angola. Im Hafen-Projekt, für das der Staatsfonds 180 Millionen Dollar gesprochen hat, war SBB-Präsidentin Monika Ribar involviert. Sie sass bis im Juni 2016 im Verwaltungsrat einer Bastos-Firma auf den Britischen Jungferninseln, die für die Finanzierung des Hafens zuständig ist. Dafür erhielt Ribar gemäss einer internen E-Mail eine Jahres-Entschädigung von 100'000 Dollar. Ribar sagt, sie habe vor Mandatsannahme «eine sorgfältige Prüfung durchgeführt» und sei «nach wie vor überzeugt» vom Projekt. Bastos konnte auch weitere Schweizer Prominente für Engagements gewinnen, darunter Alt-Bundesrätin Ruth Metzler oder Ex-Deza-Chef Walter Fust.

(mch)