«Babygerecht»?

09. November 2017 13:24; Akt: 09.11.2017 13:24 Print

Babyguetsli sind zu einem Viertel aus Zucker

Der deutsche Nahrungsmittelhersteller Alete bewirbt einen zuckrigen Kinderkeks als «babygerecht». Nach Kritik krebst die Firma nun zurück.

Die deutsche Organisation Foodwatch kürt mit dem Schmähpreis Goldener Windbeutel die «dreistesten Werbelügen». (Video: 20M)
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Der Kinderkeks des deutschen Nahrungsmittelherstellers Alete enthält 25 Prozent Zucker. Trotzdem wirbt die Firma auf der Verpackung mit den Bezeichnungen «babygerecht» und «zum Knabbernlernen ab dem achten Monat». Deshalb haben die deutschen Konsumentenschützer von Foodwatch das Produkt mit weiteren fünf zur Online-Wahl der «dreistesten Werbelüge», dem sogenannten Goldenen Windbeutel, nominiert. Die Marke Alete gehörte bis 2015 dem Schweizer Nestlé-Konzern.

Für Foodwatch ist es stossend, dass Alete sein Produkt als «babygerecht» anpreist, obwohl ein Guetsli mehr Zucker pro hundert Gramm enthält als beispielsweise ein Butterkeks der Firma Leibnitz. «Einen zuckrigen Keks für Säuglinge ab dem achten Monat zu empfehlen, ist unverantwortlich», schreibt Foodwatch in einer Mitteilung.

Kariesgefahr und Übergewichtsrisiko

Die Organisation verweist auf die Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die aufgrund von Kariesgefahr und Übergewichtsrisiko von stark gezuckerten Produkten abrät. Und auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für eine gesunde Ernährung von Kleinkindern, auf Zucker und Salz zu verzichten.

Die Nominierung des Alete-Guetslis als «dreiste Werbelüge» zeigte Wirkung. «Es tut uns leid, dass die Angabe ‹babygerecht› offenbar falsch verstanden werden kann», schreibt Alete nun. Man werde deshalb das Etikett überarbeiten und die Angabe entfernen.

Alete betont zwar, dass auf der aktuellen Verpackung die Zutat Zucker sowie den Zuckergehalt deutlich gekennzeichnet werde. «Ausserdem werden Hinweise zum richtigen Gebrauch des Produktes gegeben.» Trotzdem geht Alete nun über die Bücher und erklärt, dass man bereits an einer «verbesserten Rezeptur» arbeite.

«Ehrliche Etiketten sollten selbstverständlich sein»

«Der Fall Alete zeigt erneut: Offenbar reagieren Lebensmittelhersteller nur auf öffentlichen Druck», schreibt Foodwatch auf die Reaktion des Nahrungsmittelherstellers. Doch auch wenn die dreiste Bezeichnung «babygerecht» jetzt von der Packung verschwinde, einen zuckrigen Keks für Säuglinge ab dem achten Monat zu empfehlen, sei unverantwortlich. «Die Lebensmittelindustrie sollte sich langsam fragen, ob für jede Änderung hin zu einer verantwortungsvollen Werbung ein Goldener Windbeutel erforderlich ist. Ehrliche Etiketten sollten selbstverständlich sein.»

Neben dem gezuckerten Guetsli von Alete hat Foodwatch vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel nominiert. Darunter etwa ein Proteindrink, der laut Foodwatch mit einem unnötigen Proteinzusatz teuer vermarktet wird, und eine Ochsenschwanz-Suppe, die gar keinen Ochsenschwanz enthält. Alle Produkte sehen Sie im obenstehenden Video.

Der Kinderkeks von Alete ist im Schweizer Detailhandel nicht erhältlich. Auch der für den Schmähpreis nominierte Proteindrink oder die Ochsenschwanzsuppe finden sich in hiesigen Regalen nicht. Dafür sind im Schweizer Detailhandel das nominierte «Urlegenden-Müsli» von Kellogg's und das Becel-Pflanzenöl erhältlich.

(pam)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mumof4 am 09.11.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    braucht es nicht

    ich denke mit 4 gesunden kindern die normalgewichtig sind und noch nie löcher in den zähnen hatten kann ich behaupten, dass es solche produkte überhaupt nicht braucht. es braucht keine riegel, fertigbrei und breizusätze für ein baby. schoppennahrung wenn man nicht stillen kann ist logisch aber alles andere kann man selber machen, zuckerfrei und frisch. zum knabbern reicht gemüse oder früchte oder brot. zu trinken reicht wasser wenn das kind nicht mehr gestillt wird oder schoppen kriegt. die nachfrage wird das angebot bestimmen. hört auf es zu kaufen und es wird nicht mehr hergestellt.

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  • silla am 09.11.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    ist nicht nur alete. viele produkte die für kinder beworben werden haben höheren zuckergehalt, als das erwachsenen pendant...

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  • Phil Ässe am 09.11.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Abhärten

    Klar, man muss die Kleinen ja schon früh an die Droge Zucker gewöhnen, sonst bekommt man später die ganzen überzuckerten Produkten gar nicht mehr runter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 10.11.2017 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung

    Betrifft doch nicht nur Alete und ist überhaupt nichts Neues. Müsli, Riegel, Jogurts und vieles mehr mit Zucker, enthält viel Zuviel davon. Das wissen alle, die Zeitung lesen und sich informieren. Es ist eine Industrie, die damit Geld verdient und somit wird niemand daran etwas ändern. Jeder mündige Mensch verantwortet selbst, was er isst.

    • Sylvia P. am 10.11.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Komplizität unserer Behörden!

      Dass das Geldverdienen über allem steht, ist leider Tatsache. Natürlich sollten wir das Kleingedruckte lesen. Es ist aber auch sehr wichtig, dass wir nicht von den Firmen auf unverschämte Weise mit dubioser Werbung betrogen werden. Und da sollte eigentlich unsere Regierung energisch einschreiten. Alles andere ist Komplizität unserer Behörden!

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  • Georgios am 10.11.2017 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schokolade

    JedesKind bekommt heute Sackgeld,viel Kauf Süssigkeiten,wenn wir alles verbieten,werden noch mehr Firmen ihre Tore schliessen,wer von uns sind wir doch ehrlich lieben doch fas alle die Süssigkeiten,sogar auch der Zahnarzt,

    • Benilde Makarios am 10.11.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Georgios

      Etwa 90% aller Waren, die wir konsumieren, brauchen wir eigentlich gar nicht. Es ist absurd, unsere Gesundheit zu opfern, um das Schliessen von Firmen zu verhindern.

    • Chefarzt am 10.11.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      @ Benilde Makarios

      Wenn wir Zivilisationskrankheiten wie Karies, Diabetes, Herzkrankheiten, Übergewicht, Bluthochdruck, Allergien, Gicht, Krebs wie z.B. Lungenkrebs, Darmkrebs, Hautkrankheiten, Essstörungen wie Bulimia oder Anorexia nerviosa, Depressionen und Ängste verhindern wollen, dann müssen wir auch bereit sein, auf den Konsum vieler jetzt sebstverständlicher Lebensmittel zu verzichten.

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  • Lotti Forrer am 10.11.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zähnchen

    Ich finde das nicht schlimm,aber auch beim Kleinkind Zähne putzen ist sehr wichtig

  • Daniela am 10.11.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DE/ CH

    der Deutsche Milchbrei in Milupa besteht in DE zur Hälfte aus Zucker, in der Ch nur 10g pro 100g...das bemerkte ich auch nur durch Vorkosten...;) unglaublich!

  • Jean-Paul am 10.11.2017 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrecher!

    Zucker ist eben extrem billig, leider aber der gefährlichste Geschmacksverstärker. Nur zögernd wollen ihn Großunternehmen wie Nestlé, Unilever, Kraft, Kellogg's, Pepsico, Coca-Cola usw in ihren Produkten reduzieren. Verbrecherisch, würde ich sagen, denn diese Firmen kommen später nicht für die direkt verursachten medizinischen Kosten auf.

    • Christina Krass am 10.11.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Auch die CEOs an den Pranger

      Nicht nur diese Unternehmen müssen an den Pranger gestellt werden. Nein, auch deren CEOs müssen mit Name und Vorname genannt werden. Sie sind für diese Firmen verantwortlich, auch verantwortlich für den Zuckergehalt ihrer Produkte, der unsere Bevölkerung vergiftet. Sie sollen nicht nur dicke Boni kassieren und ungeschoren davonkommen.

    • Not a Company Man am 10.11.2017 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur das oberste Kader ...

      ... auch für diese Unternehmen (welche den Zuckergehalt ihrer Produkte nicht drastisch senken wollen) sich prostituierende Lebensmittelfachleute hätten eigentlich die Verantwortung, ihre Meinung kundzutun.

    • F. S. Mahler am 10.11.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Jean-Paul

      Richtig, Produkte, die den über einem etablierten Zuckergehalt, haben, müssten sehr hoch besteuert werden, und dieses Geld müsste dann DIREKT unsere Krankenkassenkosten senken helfen. Oder wer kämpft im Bundesbern gegen solche Massnahmen?

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