Gewerkschafts-Analyse

25. Oktober 2017 08:40; Akt: 25.10.2017 09:07 Print

So viel verdienen die Firmen pro Angestellten

von P. Michel - Eine Auswertung zeigt nach Branchen, wie viel Gewinn Firmen pro Mitarbeiter machen. Die Pharmaindustrie ist Spitzenreiterin.

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Wie viel Gewinn ziehen Schweizer Firmen aus der Arbeit ihrer Angestellten? Da nur börsenkotierte Firmen ihre Erfolgsrechnungen gesetzlich offenlegen müssen, bringt nun die Gewerkschaft Unia Licht ins Dunkel. In ihrer Zeitschrift «Work» hat sie die aktuelle Statistik durchforstet und nach Branche aufgeschlüsselt, wie viel Geld die Firmen pro Arbeitskraft durchschnittlich im Jahr verdienen.

Die Rangliste führt die Pharmaindustrie an (siehe Bildstrecke). Firmen wie Roche, Novartis oder Actelion ziehen aus jedem Angestellten pro Jahr 364'000 Franken Gewinn. Laut Unia ist das dreimal mehr als der Durchschnittslohn eines Angestellten. Auch die Uhrenbranche machte Kasse: Dort lieferte jeder Angestellte pro Jahr einen Gewinn von 79'000 Franken.

Selbst Firmen in Tieflohnbranchen wie dem Sektor «Erbringung von persönlichen Dienstleistungen», zu dem beispielsweise Coiffeur- oder Wäschereien gehören, können pro Mitarbeitenden noch mit einem Gewinn von 11'000 Franken rechnen. Gerade decken kann die Kosten die Gastronomie.

Unia: «Wegen der Abzocker bleibt nichts mehr übrig»

Beat Baumann, Ökonom der Gewerkschaft Unia, zeigt sich erstaunt ob der «astronomischen» Gewinne, die die Pharmaindustrie pro Mitarbeitenden einfährt. Er begründet dies mit der starken Marktstellung der Pharma-Unternehmen, was ihnen erlaubt, ihre Produkte mit einem hohen Profit zu verkaufen.

Dass die Unternehmen ihre Mitarbeitenden nicht stärker am Gewinn beteiligen, liegt laut Baumann auch an der Umverteilung nach oben, wie er zu 20 Minuten sagt: «Da die Konzernchefs wie Severin Schwan von Roche und Joe Jimenez von Novartis mit über 12 Millionen Franken Jahreslohn an der Spitze der Top-Abzocker in der Schweiz stehen, bleibt für die anderen Angestellten nichts mehr übrig.»

Investieren die Firmen ihre Gewinne nicht?

Dass auch Unternehmen in anderen Branchen überraschend hohe Gewinne erwirtschaften, während die Löhne in den letzten Jahren nicht signifikant gestiegen sind, hängt laut Baumann damit zusammen, dass die Gelder nicht investiert werden – weder in Produkte noch in die Mitarbeitenden.

Baumann vermutet, dass die Gewinne stattdessen etwa in Finanzvehikel wie Fonds angelegt worden sind. Der Unia-Ökonom fordert deshalb: «Die Löhne – insbesondere jene im tiefen und mittleren Bereich – müssen mit diesen Gewinnen angehoben werden.» Das würde die Kaufkraft erhöhen und somit die Wirtschaft ankurbeln.

«Pharmafirmen zahlen überdurchschnittliche Löhne»

Die betroffenen Branchen wehren sich gegen die Vorwürfe, die Mitarbeitenden nicht ausreichend an den Gewinnen zu beteiligen. «Die Pharmaunternehmen zahlen schon heute überdurchschnittlich hohe Löhne und die Löhne sind zudem in den letzten Jahren viel stärker gewachsen als in der Gesamtwirtschaft», sagt Sara Käch, Sprecherin des Verbands Interpharma.

Da die Erforschung neuer Medikamente finanziell sehr riskant sei und 9 von 10 Wirkstoffen es nie zum fertigen Produkt schafften, spiegle sich dieses finanzielle Risiko auch in höheren Gewinnen. Käch: «Die Mitglieder von Interpharma investieren 20 Prozent ihres Umsatzes wieder in die Forschung.»

Auch bei den Vertretern der Wäschereien kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Laut Unia ist es stossend, dass selbst in dieser Tieflohnbranche Gewinne von 11'000 Franken pro Mitarbeiter gemacht werden. Melanie Saner vom Verband Textilpflege Schweiz betont, die Gewinne hätten sich in den letzten Jahren minimiert. Zudem müssten die moderaten Gewinne dazu genutzt werden, den Maschinenpark aktuell zu halten. «Reallohnerhöhungen könnten der Branche das Genick brechen», sagt Saner.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Abgezockter am 25.10.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert's?

    Meine Kk- Prämie steigt nächstes Jahr wieder um 38 Franken - 9 Prozent mehr! Kein Wunder, wenn man sieht, wieviel ein Pharmaunternehmen mit jeden MA verdient.

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  • Pedro am 25.10.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Unia erwirtschaftet Fr. 0.-

    Wenn die Unia der Meinung die Gewinne in gewissen Branchen sind zu hoch, dann kann die Unia ja mal beweisen, dass sie ein Unternehmen besser, günstiger und erfolgreicher führen kann. Grosse Klappe nichts dahinter!

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  • Pragmatiker am 25.10.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Fragen:

    Erstens: Was wurde alles berücksichtigt? (Wurden z.B. Investitionen in Forschung, internationale Zulassung, Juristische Abklärungen, usw. bereits abgezogen?) Zweitens: Was ist der Unterschied zwischen "Pharma" und "Chemische Industrie"? Auch Pharma ist Chemie und die meisten Konzerne haben beide Zweige...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kann Motzen.. am 26.10.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich..

    Und der Chef sorgt sich für meine Arbeit...Lohn..Feriengeld..sowie ein Teil meiner AHV + Pension....zufriedener Büezer..(eeeem warum stellen die vielen Neider keine Firma etc. auf die Beine...)

  • Cleanearth am 26.10.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und Gesundheit

    Die mangelnde Wertung der Sicherheitsbranche wird sich noch rächen!

  • Bernt am 26.10.2017 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht

    Wieso ist bei der Gastro 0 CHF?

    • Ruedi am 26.10.2017 16:38 Report Diesen Beitrag melden

      Weintrinker

      Weil kein Wein und kein Schnaps mehr getrunken wird... Am Essen kann man eben nicht verdienen!

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  • Praktikus am 26.10.2017 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich CHF O.

    Wenn ich Zeit hätte, dann hätte ich mit dem Gastgewerbe bedauern

  • Klaus07 am 26.10.2017 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwerflich und Unmoralisch.

    Es zeigt sich schon wieder, dass Chemie und <pharma die modernen Raubritter der modernen Zeit sind.