Paradise Papers

07. November 2017 11:41; Akt: 07.11.2017 11:41 Print

Warum Nike kaum Steuern in der Schweiz zahlt

Die Paradise Papers zeigen: Der Sportkonzern Nike macht zwar hohe Umsätze in der Schweiz, liefert hier aber kaum Gewinnsteuern ab.

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Den Umsatz von Nike in der Schweiz mit Sneakers oder T-Shirts schätzen Experten auf mehr als 100 Millionen Franken jährlich. In der Schweiz liefert der Konzern jedoch kaum Gewinnsteuern ab, wie Recherchen von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» zeigen.

Laut Steuerausweis erzielte die Nike Schweiz GmbH 2015 einen Reingewinn von 1,3 Millionen Franken, so der «Tages-Anzeiger» in seinem Bericht vom Dienstag. Das ergebe laut Online-Steuerrechner eine Steuersumme von 360'000 Franken. Rechne man mit der Marge, die Nike 2015 weltweit erreichte, müsste der Konzern bei 100 Millionen Franken Umsatz im Schweizer Markt allerdings 14,3 Millionen Franken Gewinn vor Steuern verbucht haben.

Holland als europäisches Hauptquartier

Der US-Konzern Nike umdribbelt die Steuergesetze jedoch legal, indem er ein Firmennetz in der Schweiz, Holland, den USA und auf Bermuda aufgebaut hat.

Schritt eins des Steuerkonstrukts: Schweizer Nike-Verkäufer bestellen die Sneakers mit dem Haken-Logo («Swoosh») bei der Nike (Schweiz) GmbH in Rümlang ZH. Der Vertrag wird jedoch mit Nike Holland geschlossen, wo sich das Europa-Hauptquartier des Konzerns befindet. Das Geld wird dort verbucht.

Schritt zwei: Der Nike-Aufbau mit einem schmalen Ableger in der Schweiz, der aus Holland ferngesteuert wird, ermöglicht es, Folgendes zu argumentieren: Die Gewinne, die mit Schweizer Verkäufen gemacht werden, fallen nicht in der Schweiz an, sondern in Hilversum/Hollland. Und dort sind sie auch zu besteuern. In die Schweiz fliesst nur eine verhältnismässig kleine Entschädigung für die Verkaufshilfe.

Schritt drei: Ein Grossteil der Nike-Marken lagert in einer Briefkastenfirma auf den Bermudainseln vor der Ostküste der USA: das Haken-Logo («Swoosh»), das Air-Jordan-Symbol und Roger Federers Initialen RF. Die Gesellschaft heisst Nike International Ltd. Im Jahr 2005 schliesst sie mit Nike Holland einen Lizenzvertrag: Nike Holland bezahlt die Firma in Bermuda für das Recht, Produkte zu verkaufen, auf denen ein Nike-Logo steht. Um diesen Betrag schrumpft der Nike-Gewinn in Holland und damit auch die dortige Steuerrechnung. Auf den Bermudainseln gilt ein Gewinnsteuersatz von null Prozent.

Schritt vier: Steuerkonstrukte können sich auch ändern. So verlegte Nike seine Marken von den Bermudainseln nach Holland in seine Kommanditgesellschaft (C.V.). Für Profite, die in die C.V. fliessen, sieht Holland die USA zuständig, weil die C.V. zwei US-Firmen gehört. In den USA jedoch kann das Unternehmen selbst entscheiden, wo die C.V. ihre Steuern zahlt. Nike wählt nun Holland. Damit bleibt das Geld steuerfrei, bis das Geld in die USA zum Hauptsitz transferiert wird. Damit erhält Nike einen Steueraufschub. Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» hat Nike dazu keine Stellung genommen.

In den USA gilt für multinationale Konzerne derzeit eine Gewinnsteuer von 35 Prozent. Republikaner wollen diese allerdings drastisch senken. Deswegen halten auch andere US-Konzerne wie Apple Gelder im Ausland parkiert. Beim iPhone-Konzern Apple sind es 246 Milliarden Dollar, bei Nike 12,2 Milliarden Dollar.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • insider am 07.11.2017 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und?

    starbucks etc zahlen 0.- steuern hier. interessiert ja keinen. det mist wird weiterhin gekauft. so läuft das bei allen grosskonzernen

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  • Walti am 07.11.2017 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transaktionssteuer

    Genau wegen solchen Unternehmen sollte eine Transaktionssteuer eingeführt werden. Mit nur 0,5% TaSt könnten die finanziellen Probleme der AHV, IV etc. abgeschafft werden. Mit zusätzlichen 0,3-0,5% könnte die KK Grundversicherung gratis für jede Person in der Schweiz sein. Pro Tag wird in der Schweiz 25-50 Milliarden umgesetzt. Und alle Firmen und auch Private könnten auf knapp 1% ihrer Einnahmen verzichten.

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  • Lukas Meister am 07.11.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ehrlich...

    Nach allem, das wir bis heute wissen. Nach allen Dokumenten die uns heute zugänglich sind. Wer noch immer US-Produkte kauft, dem ist halt nicht zu helfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wie Wärs Mit am 08.11.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Importsteuer!

    Eine Importsteuer auf wahren und Dienstleistungen von 10% welche zu den MWST noch kommen würde, würde dieses Prolblem Effizient beheben. Ich bin mir sicher das JEDE ausländische Firma welche Wahren im grossen Stil importiert diesen Trick anwendet. Dazu würden auch gerade Online Firmen wie ZB google & co welche zb Werbung inportieren schöön besteuert werden. Aufschrei alles wird Teurer? Gerächtigkeit hat hald seinen Preis. Dazu würde der Wirtschaftsstandort Schweiz gestärkt werden.

  • Ali ben nike am 08.11.2017 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ich meide Nike, Starbucks und andere,

    solange sie hier keine Steuern bezahlen. Wir Konsumenten haben (hätten) es doch in der Hand.

  • Sünneli am 08.11.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hopla

    Lokale Infrastruktur wird genutzt aber nicht mit getragen. Das Geld das diese Firmen am Fiskus vorbei schmuggeln ist das Geld welches dann fehlt in der Kasse.

  • einzelunternehmer am 08.11.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    einfach lösen, statt kompliziert

    Das Problem ist doch ganz einfachzu lösen, alle Betriebe die in einer Aktiengesellschaft geleitet werden zahlen dort wo das product verkauft wird Umsatzsteuer, alle anderen, z.b. der bäcker von neben an nur Gewinnsteuer. schon ist das problem gelöst.

  • MasterMind am 08.11.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und

    Ich Idiot erhalte eine Mahnung, wenn die Steuern einen Monat zu spät bezahlt werden. Was mache ich falsch?

    • Zyniker am 08.11.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      @MasterMind

      Sie sind nicht "Systemrelevant" und nicht "too big too fail"...diese zwei Wörter finde ich sowieso völlig daneben!!! Als ob alle anderen nicht wichtig wären, mit ist jeder Kleinbetrieb wichtiger als Apple, Nike oder Starbucks...

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