Abfall-Recycling

12. Mai 2016 16:49; Akt: 12.05.2016 16:49 Print

Zürcher Start-up will mit Würmern Geld verdienen

Abfälle recyceln statt wegwerfen ist das Ziel von Wormup. Das Start-up hat dafür einen Wurm-Komposter für zu Hause entwickelt. Schon bald soll er in die Geschäfte kommen.

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Die Schweizer sind oft stolz auf ihr Recycling-Verhalten. Ob Flaschen oder Dosen, viele Wertstoffe werden hierzulande wiederverwertet. Trotzdem landen jedes Jahr über 500'000 Tonnen Bioabfall in den Mülltonnen der Haushalte. Das Problem: Viele Gemeinden bieten keine separate Abfuhr für Grünabfälle an. Gerade in urbanen Gegenden bleibt daher oft nichts anderes übrig, als den Abfall normal zu entsorgen.

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Das Zürcher Start-up Wormup sagt dieser Verschwendung nun mit einem eigens entwickelten Wurmkompostier-System für den Haushalt den Kampf an. Der Bioabfall wird mit Hilfe von Regenwürmern zu einem mineralisch reichhaltigen Biodünger recycelt. Dieser kann dann für die eigenen Pflanzen auf dem Balkon oder im Innenhof verwendet werden und hilft diesen beim Wachstum.

Würmer übernehmen die Arbeit

Die Funktionsweise des Systems ist simpel. Organische Küchenabfälle wie Rüebli-, Kartoffel- oder Eierschalen sowie zum Beispiel Kaffeesatz werden in eine kleine Kompostiertonne gegeben. Nicht erlaubt ist beispielsweise Fleisch.

Die eigentliche Arbeit übernehmen dann die Würmer der Art Eisenia fetida. Sie sind auch unter dem Namen Kompost-, Mist- oder Stinkwurm bekannt und sind eine der in Europa am weitesten verbreiteten Arten der Regenwürmer. In der Natur findet man sie häufig unter verrottenden Pflanzen oder in Wiesenböden.

Tonne aus drei Etagen

Die Kompostiertonne, in der die Würmer leben, ist aus Ton und besteht aus drei separaten Kompostieretagen, einem Boden- und einem Deckelelement. Sie ist 35 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Innerhalb der Tonne wandern die Würmer immer in Richtung des frischen Abfalls.

Die Würmer fressen den Abfall und wandeln ihn geruchlos zum hochwertigen Dünger für die Balkon-Pflanzen um. Rund zwei bis drei Monate dauert das jeweils. Da die Tonne aus drei Etagen besteht, kann die unterste nach der Leerung einfach wieder oben aufgesetzt und mit neuem Abfall befüllt werden.

Im Schnitt werden die Würmer dabei zwei Jahre alt. Sie vermehren sich immer nur bis zur Erreichung der perfekten Bevölkerungsdichte des Systems – dies hält sich dann durch Absterben und Nachwuchs in der Balance. Eine Überpopulation verhindert sich auf natürliche Weise selbst.

Vier Personen stehen hinter Start-up

Hinter Wormup steht ein vierköpfiges Team aus drei Männern und einer Frau. Sarah Steiner ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Start-ups und erklärt, dass das Kompostieren mit Würmern an sich nichts Neues sei und in vielen Ländern praktiziert werde. «Neu ist, dass wir ein System aus natürlichen Materialien entwickelt haben, das aufgrund seines ansprechenden Designs das Kompostieren auch im urbanen Haushalt salonfähig macht», so Steiner.

Um nach erfolgreicher Entwicklungphase nun die Produktion zu starten, haben die Jungunternehmer eine Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit.ch gestartet. 22 Tage vor Ablauf haben sie bereits 70'000 Franken gesammelt. Das Ziel von 32'000 Franken haben sie damit längst übertroffen, die erste Lieferung von 210 Wurmkompostern ist bereits ausverkauft. Im Rahmen dieser Aktion kostet ein Komposter mit Würmern 230 Franken.

Ziel sei es, die Komposter bis Ende Jahr im eigenen Online-Shop regulär verkaufen zu können. Das Starter-Kit Würmer gibt es dort bereits jetzt zu bestellen. Anfang 2017 sollen die Behälter auch in Geschäften erhältlich sein.

Die genaue Funktionsweise des Komposters zeigt folgendes Video:


WormUp wemakeit campaign from Erich on Vimeo.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jan rieder am 12.05.2016 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    na sowas...

    da hätte ich ja richtig kohle machen können. mache meinen wurmkompost schon seit ca. 15 jahren mit utz boxen, die es in jedem baumarkt zu kaufen gibt - das ganze hat ca. chf 30 gekostet und eine stunde löcherbohren an arbeit). wofür es für sowas crowdfunding und startup braucht ist mir ein rätsel :-)) einfach mal wurmkompost googeln und selberbauen. ach ja, fast vergessen - vor einmaligem regenwürmern einsammeln nach einem regen darf man sich nicht scheuen - danach funktioniert das ganze ganz von selbst.

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  • Sabrina G. am 12.05.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neu???

    das ist doch nichts neues. gibts bei naturwurm. ch schon lange.

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  • Delphin64 am 12.05.2016 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super! Aber ..

    Wir haben dieses System in der Gewerbeschule ( Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt ) durchdisskutiert und das System auch recht Gründlich überprüft. Fazit: Geniale Idee! Bravo! Aber was ist an diesem System so teuer, dass man CHF 230.- bezahlen sollte?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wellington am 13.05.2016 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das gibt es leider schon

    Entwickelt? Also, da haben ein paar rote Ohren bekommen und gedacht es sei die beste Idee. Sorry. Gut schon aber nicht neu. Will ja euch nicht den Spass verderben. Das gibt es in Brasilien schon lange. Und das rechteckig, praktisch und einfach selber zu bauen.

  • ChriguBern am 13.05.2016 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Für Hundehalter

    Tipp für Hundehalter mit Komposter: Kompostwürmer verwerten schnell und ohne Geruchsemissionen Hundehaufen in sauberen Top-Dünger.

  • Bauernfänger am 13.05.2016 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Re-Recyling

    das ist erfindergeist: nimm etwas,was es schon gibt, pack ein neues design drauf und verlang massiv viel Geld dafür. Hauptsache man wirkt dabei frisch und dynamisch.

  • Martin Lerch am 13.05.2016 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wurmfalle

    Putzig ist auch die Photo, wo der "in mühsamer Kleinarbeit" die Würmer aus einem Misthaufen klaubt. Man kann eine Falle bauen wie folgt: Man legt ein Drahtsieb auf den Misthaufen und füllt es mit frischen Salat-, Spinat- blättern und wartet bis die Mistwürmer aus dem Komposthaufen kommen und das neue Futter aufsuchen. Dieses Verfahren ist seit 25 Jahren bei kommerziellen Kompostieranlagen bekannt.

  • Karina am 13.05.2016 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zu klein, teuer, nicht funktionstüchtig

    Crowdfunding ist das Zauberwort. So lange die Andern den Start bezahlen, kann man ja irgend etwas bereits bestehendes mit anderem Materials produzieren und den Noblen vom Züri-Berg verkaufen, denn das Designe ist ja "ansprechend" und was ist für die Fr. 230.--!! Mich verwundert das kleine Volumen bei einer Kompostierzeit von 2-3 Monaten!!! Ich frage mich auch, wo denn die Luftzufuhr ist, bei dem Boden/Deckel. Na ja, die landen dann einfach wieder im Kehricht - genau, man wollte Kehricht sparen??

    • Moi am 13.05.2016 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karina

      Da es Ton ist, ist die Luft geregelt. und es ist funktionstüchtig. Es gibt leute, die essen 1 mal pro woche zuhause. btw, ein korrekt gemachtes wurmcafe dieser grösse schafft übrigens bis 500g am Tag.

    • Karina am 13.05.2016 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Kompost aufs Butterbrot streichen

      Moi - und weil sie sonst in der Beiz oder im Fastfood essen, haben sie so ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre zweieinhalb Salatblätter pro Monat in einem Komposter entsorgen müssen? Das ist nicht ihr Ernst, oder? Wo entsorgen die dann all die Verpackung vom Fastfood, die viel Mehr ausmacht? Ton ist übrigens nicht genügend luftdurchlässig. Den "geernteten" Kompost können sie dann aufs Butterbrot streichen, zu mehr reicht es nämlich nicht. Pflanzen bestehen vielfach aus mehr als 90% Wasser.

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