Horror-Sitzungen

09. November 2017 08:14; Akt: 09.11.2017 08:14 Print

«Wir bestaunten seinen Verlauf auf Youporn»

Smartphone-Plage und Porno-Seiten auf dem Notebook – und das während der Sitzung. Eine Übersicht über die übelsten Lesergeschichten rund um Meetings.

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Bei Sitzungen im Berufsalltag kann so manches nerven und schieflaufen. 20 Minuten fasst die Erfahrungen aus einer Leserumfrage zusammen:

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• Strammstehen bei Sitzungsbeginn
Kevin: «Vor jedem Sitzungsstart verlangt der Chef, dass wir Mitarbeiter aufstehen, wenn er den Raum betritt.»
Das sagt Experte Felix Frei*: «Um Himmels willen: Suchen Sie das Weite! Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Vorgesetzter, der zu solchem Verhalten neigt – man nennt das «Bossing» –, in anderer Hinsicht als Führungskraft auch nur ein kleinstes Bisschen was taugt. Da kann man nur kündigen oder sich versetzen lassen.»

• Smartphone-Plage statt Produktivität
Marlow: «An jeder Sitzung fingern die meisten der Anwesenden immer wieder an ihren Smartphones herum. Auch unser Chef greift immer wieder nach seinem iPhone. Logischerweise sinkt die Aufmerksamkeit in der Sitzung.»
Das sagt Experte Felix Frei: Das ist eine der häufigsten Sünden in heutigen Meetings. Es ist eine Plage, die nun wirklich ausgerottet gehört. Da muss man miteinander Spielregeln vereinbaren. Zum Beispiel: keine Handys, aber nach 55 Minuten 5 Minuten Pause für Mail-Check oder SMS. So eine Regelung würde am besten firmenweit gelten.

• Lange und sinnlose Sitzung
Sara: «Das Meeting über Prozessüberarbeitung ging zwei Stunden. Die Person, die eingeladen hat, hat zuerst mal über die Hälfte der Zeit gequasselt. Und: Im Raum hatte niemand irgendwas mit dem Thema zu tun.»
Das sagt Experte Felix Frei: «Es stellt sich die Frage, warum Sie mitgespielt haben, Sie und alle anderen. Es nehmen viel zu viele Leute an viel zu vielen Meetings teil, ohne sich vorher darüber Klarheit zu verschaffen, ob dies auch nötig ist und fruchtbar zu werden verspricht.»

• Pornos auf dem Computer
Sabrina: «Wir hatten eine Instruktion durch eine Fremdfirma über ein neues Programm. Das lief per Beamer über den Laptop unseres Chefs. Dann brach die Internetseite zusammen und der Herr der Fremdfirma versuchte, die Seite erneut aufzurufen und gab «www» ein. Doch unser Chef vergass wohl seinen Verlauf zu löschen: Über den Beamer haben alle Angestellten den Verlauf von Youporn bestaunen können.»
Das sagt Experte Felix Frei: «Ich nehme an, die Sache war für Ihren Chef selbst hinreichend peinlich. Hoffen, wir, dass es ihm und allen anderen eine Lehre ist: Privates gehört nicht ins Geschäft.»

• Chef erscheint nicht
Lucie: «Unser Chef ordnete einmal eine Sitzung an und war dann selbst nicht mal anwesend. Wir mussten aber dennoch zu einem banalen Thema, das nach zehn Minuten durchgearbeitet war, zusammensitzen. So gab es der (nicht anwesende) Chef vor. 50 Minuten dauerte das.»
Das sagt Experte Felix Frei: «Wenn Sie sich einer solchen Vorgabe beugen und nicht einfach nach den genannten zehn Minuten abbrechen und zu Ihrer Arbeit zurückkehren, dann haben Sie es nicht besser verdient.»

• Platzmangel im Sitzungsraum
Pflegefachfrau: «Der Sitzungsraum war viel zu klein für alle Teammitglieder, sodass mehrere Mitarbeiter sich für zwei Stunden auf den Boden setzen mussten.»
Das sagt Experte Felix Frei: «Das ist sicher unangenehm, aber hoffentlich nicht der Normalfall. Hat jemand versucht, kurzfristig einen geeigneteren Raum zu organisieren? Wenn nicht, warum nicht? Umgekehrt kann man aber auch argumentieren, dass manch ein Meeting besser eine Stehung statt eine Sitzung wäre: Es dauert in aller Regel viel weniger lang und ist effizienter.»

• Sitzung am freien Tag
Benjamin: Meine Arbeitskollegin reduzierte ihr Pensum auf 60 Prozent. Einer ihrer freien Tage fiel ausgerechnet auf den Mittwoch, an dem wir jeweils unser wöchentliches Teammeeting hatten. Unser Chef war nicht gewillt, das Meeting zu verschieben, und zwang sie immer von 9 bis 11 Uhr anwesend zu sein. Zwei Monate spielte sie dieses Spiel mit, bis es ihr dann gereicht hat: Ab dann kam sie immer in der Trainingshose zum Meeting. Unser Chef hat es ohne eine Miene zu verziehen akzeptiert. Sie arbeitet jetzt noch dort.
Das sagt Experte Felix Frei: «Grossartig! Sowohl die Trainingshose-Nummer als auch die Nichtreaktion des Chefs darauf. Der Fairness halber muss aber auch gesagt werden, dass es im Gefolge von Teilzeitjobs halt wirklich zu Abstimmungsschwierigkeiten kommen kann. Nicht alles kann zur Zufriedenheit aller organisiert werden. Da muss man kompromissbereit sein – auf beiden Seiten.»


(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeff am 09.11.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    YouP

    das mit dem Suchverlauf hört sich zwar spannend an, ist aber bestimmt frei erfunden. Ohne diese Titelzeile würden vermutlich die meisten Leser den Artikel gar nicht anklicken.

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  • Mike am 09.11.2017 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die Macht des Chefs

    Mein Ex-Chef kam öfters zu spät an von mir eingeladene Sitzungen oder sogar gar nicht. Als ich das Spiel einmal umdrehte, zitierte er mich ins Büro und drohte mir mit einem Verweis. Kurze Zeit später kündigte ich.

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  • Trom-Pete am 09.11.2017 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Teilzeit und Sitzung

    Zur Sitzung am arbeitsfreien Tag: Grossartiger Expertenkommentar! Je mehr Teilzeit, desto anspruchsvoller für Vorgesetzte und den ganzen Rest des Teams. Sollten sich Teilzeitangestellte mit allen Vorzügen auch bewusst sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carmen KOLAS am 10.11.2017 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Sex?

    Bei Sitzungen, die ich (weiblich) nicht selber leite - denn dann würde mir die Zeit dazu fehlen - überlege ich jeweils, mit wem ich sm ehesten schlafen würde...

  • Peter Steiner am 09.11.2017 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rapport um 6 Uhr

    Mein militärischer Vorgesetzter hat die ausserdienstlichen Rapporte immer um 06:00 angesetzt: "Da kann keiner behaupten er hätte schon was los!"

  • Fritzi am 09.11.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sitzung am Freitagnachmittag

    Unser Chef wollte auch neu jeweils freitags um 17 Uhr einen Wochenrückblicksitzung machen. Da wir aber gleitende Arbeitszeit hatten und die Blockzeit um 16 Uhr fertig war, versuchte er es nur einmal und stand alleine im Sitzungszimmer. Von da an waren dann die Rückblicksitzungen am Freitag gleich nach Mittag.

  • Rainer Duffner am 09.11.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Aufstehen und strammstehen

    Da müssen die Leute jedenfalls mal kurz vom iPhone aufblicken. Tragisch. Das mit den Telefonen ist aber ein Witz. Die muss man einfach draussen lassen. Ausnahmen für werdende Väter, Leute mit Eltern die im Sterben liegen oder denjenigen, der Pikett hat kann man ja machen. Aber auf dem Tisch haben die nichts verloren. Ich nehme meines nie in eine Sitzung. Wozu auch? Die "Versuchung" wäre zu gross. "Dringende" Anrufe ausserhalb der genannten Beispiele gibt es eigentlich nicht. Dienstliches landet zur Not bei der Rezeption, die dann schon weiss wo ich bin.

  • ETH Zürich am 09.11.2017 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufsliste auf Lebenslauf

    Beim Bewerbungsgespräch sagte mein Gegenüber ich solle nun einige minuten frei über mich berichten, drehte sogleich meinen mitgebrachten Lebenslauf um, und begann eine lange Einkaufsliste hinten drauf zu schreiben. Er konnte sich nicht entscheiden obs heute ein Zitronen- oder Schokokuchen geben sollte. Zur Sicherheit hat er sich die Zutaten für beide Varianten notiert. Die Vorstellung wie er später mit meinem Lebenslauf in der Hand im Laden einkauft verstörte mich.