Arbeitsmarkt Schweiz

11. Januar 2018 06:21; Akt: 17.01.2018 15:36 Print

«Hire & Fire» kommt immer mehr in Mode

Der Arbeitsmarkt wird auch in der Schweiz immer schnelllebiger, wie eine Studie zeigt.

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Die Personalfluktuation nimmt in der Schweiz zu. (Bild: Monkeybusinessimages)

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Bei Konzernsitzen wird auch in der Schweiz die angelsächsische «Hire & Fire»-Kultur Mode. Das schnelllebige Einstellen und Rauswerfen von Mitarbeitern erhöht laut einer Studie die Personalfluktuation merklich.

So waren im vergangenen Jahr bei 26 Prozent der Kündigungen eine Reduktion des Personalbestandes die Ursache, wie das jüngste Arbeitsmarkt-Barometer der Firma von Rundstedt zeigt, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Dies ist deutlich mehr als noch im Jahr davor (15 Prozent).

Von Rundstedt unterstützt Entlassene bei der Suche nach einer neuen Stelle. Für das Arbeitsmarkt-Barometer wurden Informationen von 1370 Angestellten aus 201 Unternehmen ausgewertet, die 2017 Kündigungen ausgesprochen hatten.

Hinzu komme, dass ein Drittel aller Kündigungen in Stabsstellen und Management-Unterstützungsfunktionen betrafen. Das ist ebenfalls mehr als in den Vorjahren. 2016 wurden 31 Prozent aller Kündigungen in diesen Funktionen ausgesprochen, 2015 waren es erst 24 Prozent gewesen.

Abbau am Firmensitz

«Diese zwei Entwicklungen können dadurch begründet werden, dass 2017 bei vielen Hauptsitzen von in der Schweiz ansässigen globalen Unternehmen Personal abgebaut wurde», stellte die Studie fest. Dies betreffe sowohl Hauptsitze von Schweizer Konzernen als auch Europa-Sitze von ausländischen Multis.

«Wir beobachten, dass einerseits gezielt und systematisch hochqualifizierte Stabsstellen, welche ortsungebunden sind, ins Ausland verlagert werden», stellt von Rundstedt fest: Nach dem Produktionsstandort Schweiz gerate also auch der Konzernsitzstandort Schweiz zunehmend unter Druck.

Ein Druck auf die Löhne von hochqualifiziertem Personal sei dagegen nicht festzustellen. So müsse ein Arbeitsloser bei seiner neuen Stelle durchschnittlich eine Saläreinbusse von 6 Prozent in Kauf nehmen. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als der Wiedereinstiegslohn eines Stellenlosen 8 Prozent tiefer lag als bei seinem vorangegangenen Job.

Verlagerung von Stellen

Daraus lasse sich ableiten, dass der Lohndruck in der Schweiz bei Hochqualifizierten nicht über eine Senkung der Löhne, sondern über eine gezielte Auslagerung von hochqualifizierten Stabsstellen ins Ausland korrigiert werde, hiess es.

Denn neue Mitarbeiter, die abgeworben wurden, erhalten einen 10 Prozent höheren Startlohn als bei ihrem vorherigen Unternehmen. «In der Summe führt dies zu einem Lohnanstieg von 2 Prozent», stellt von Rundstedt fest.

Gleichzeitig zeigen sich die Unternehmen kompromisslos: Wer nicht 100 Prozent ins Stellenprofil passe, bekomme den Job nicht. Wenn die Konzerne in der Schweiz nicht fündig würden, suchten sie global. So entstehe ein Strukturproblem am hiesigen Arbeitsmarkt: Einerseits gebe es einen Mangel an Fachkräften, andererseits seien aber qualifizierte Menschen arbeitslos.

«Eine Folge daraus ist, dass es Betroffene trotz nachweislichem Potenzial schwer haben, in eine neue Branche oder eine neue Funktion zu wechseln, wenn sie diese Erfahrung nicht vorweisen können», bilanziert von Rundstedt. Nur noch ein Fünftel der Gekündigten schaffe es, die Branche zu wechseln. Das ist deutlich weniger als 2015 (rund ein Drittel). Auch ein Wechsel der Funktion ist schwierig.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Büetzer am 11.01.2018 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist eben

    für Arbeitgeber praktisch. Es kommt der Tag da dreht es wieder um. Und: ihr Arbeitgeber, jammert nicht wenn eure Angestellten dort einkaufen wo sie es sich noch leisten können. Nachdem ihr genug abgezockt habt könnt ihr eure Läden schliessen.

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  • Hilde am 11.01.2018 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu 100%...

    und dazu kommt noch die Altersproblematik die im Artikel nicht angesprochen wird und die dem RAV auch egal ist. Auftrag vom Seco ist die Bezüger raschmöglichst aus der ALV zu kriegen. Damit die Statistik stimmt.

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  • Tom P. am 11.01.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Woher das wohl kommen mag? Wenn man halt alles von den Amis übernehmen möchte, darf man sich dann nicht plötzlich wundern. Die Gruppe derjenigen, welche auf die Strassen gestellt werden, wird dabei immer grösser; aich immer mehr Kaderposten. Braucht veemutlich noch 10-20 Jahre bis das fast alle gecheckt haben. Bis dahin gehts friedlich weiter, solange ganz oben noch die grossen Löhne abkassiert werden können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • egoman am 13.01.2018 02:54 Report Diesen Beitrag melden

    unbelehrbar

    bringt alles nichts, die Trolle machen munter weiter bis kracht, kann sich beschweren wie man will, ganze haben wir der Lehrerschaft zu verdanken die diese Trolle belehrt und diplomiert hat.

  • ausgesteuerte CH-Fachkraft am 12.01.2018 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    schweizfeindliche Arbeitgeber

    Schade wird dieser Artikel nahezu "versteckt". Die Studienresultate sind absolut nachvollziehbar und müssten ein Weckruf für unsere Politik sein. Vor allem im zweitletzten Abschnitt des Artikels wird ersichtlich, wie schädlich die Personenfreizügigkeit für viele qualifizierte Inländer ist. Endlich wird die Realität mal publiziert und nicht nur das Seco-Gesülze, das auf Hoffnung, Unwahrheit und Arbeitgeberdruck basiert. Ja, Kompromisslosigkeit zeichnet die heutigen Arbeitgeber aus; selbst wenn man 110 % mitbringt, wird man nicht eingestellt, es müssen 100 % sein - egal woher der kommt...

  • CHer am 12.01.2018 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    nur logisch

    Ausländische Chefs importieren halt - neben ihren ausländischen Spezis - auch ihre ausländische Arbeitsrechtsauffassung und ihre Arbeits- und Führungsethik.

    • Luki am 13.01.2018 01:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @CHer

      Glaub mir, die Eidgenossen unter sich sind genau so fies geworden. Hire & Fire ist unter uns schon etwas normales geworden. Ich arbeitete in einem Saftladen der aus nur Schweizern ausnahmsweise bestand. Die Führung war eine Katastrophe, und der Verwaltungsrat schaut seit Jahren nur zu.

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  • Christian am 12.01.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ursache

    Dank der PFZ werden wir uns Eu Niveau angleichen und uns nach jemanden sehnen der uns hilft. Denke der Beitritt wird nicht mehr lange dauern. Jeder kauft im Ausland oder Online zb Zalando (ebenfalls im Ausland) ein. Wieso sollten das die Arbeitgeber nicht auch machen inklusive rekrutieren? Am besten auf den anderen zeigen das hat schon immer geholfen.

    • Anna am 13.01.2018 05:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christian

      Zuerst hat man die Löhne seit 12 Jahren nicht mehr angepasst und uns gezwungen zu schauen, wie man über die Runden kommt. Bleib bei der Wahrheit

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  • Kain Spam am 12.01.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Voraussetzung

    Eine Voraussetzung für Hire & Fire sind standartisierte Prozesse und einfache Tätigkeiten. Wenn du den einzigen Experten den es gibt mal gefeuert hast kommt der nicht mehr zurück. Einen Hilfsarbeiter findet man aber immer. Wie lange braucht McDonalds um einen Küchenangestellten zu ersetzen, wie lange ein Gourmettempel dem der Sternekoch davonläuft?