Grunge-Ikone

19. Mai 2017 19:47; Akt: 19.05.2017 19:47 Print

Die Musik-Meisterstücke von Chris Cornell

Nur Stunden nach einem Konzert seiner Band Soundgarden ist Chris Cornell am Donnerstag überraschend im Alter von 52 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf sein Schaffen.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Mittwochabend gab Chris Cornell (hier 2009 am holländischen Pinkpop-Festival) noch ein Konzert mit seiner Band Soundgarden in Detroit, kurze Zeit später war er tot. Warum der Grunge-Musiker schon im Alter von 52 Jahren verstorben ist, war zunächst nicht klar. Soundgarden waren aktuell auf Tour. Sein berühmtestes Musikprojekt gründete Cornell 1984 zusammen mit Gitarrist Kim Thayil (links) und Bassist Hiro Yamamoto (stieg 1989 aus). Sie sollten Mitbegründer des typischen Seattle-Gitarren-Sounds werden: Grunge. Die Band veröffentlichte fünf Platten und verkündete 1997 nach immer stärkeren Spannungen auf Tour ihre Auflösung. 2010 raufte sich das Quartett wieder zusammen und releaste 2012 mit «King Animal» sein sechstes Studioalbum. In den vergangenen Jahren erwähnten die Mitglieder immer wieder, an Material für eine nächste LP zu arbeiten. Was nach Cornells Tod damit passiert, ist noch nicht klar. Zum Andenken an Andrew Wood, der 1990 an einer Heroin-Überdosis verstorben ist, rief Cornell das Projekt Temple of the Dog ins Leben. Aktiv war die Band nur zwei Jahre lang und releaste 1991 ihr einziges Album, die Musiker traten seit 2000 jedoch alle paar Jahre sporadisch zusammen auf. Die Zeit zwischen Auflösung und Reunion von Soundgarden vertrieb sich Chris Cornell einerseits mit Solowerken, andererseits mit Brad Wilk, Tom Morello und Tim Commerford von Rage Against the Machine. Als Audioslave veröffentlichten die vier zwischen 2001 und 2007 drei Platten. Einer der Höhepunkte von Cornells Solokarriere war das Lied «You Know My Name», der offizielle Bond-Song von Daniel Craigs (Bild) Debüt als 007 im 2006er «Casino Royale». Die Nummer war auch auf Cornells zweitem Soloalbum «Carry On» zu hören, das im Jahr darauf erschien. Für seine 2009 erschienene Platte «Scream» verpflichtete Cornell unter anderem Timbaland als Produzent, der in den 2000ern auch Justin Timberlake, Nelly Furtado und 50 Cent seinen Trademark-Sound aufdrückte. Das Ergebnis unterschied sich merklich von Cornells bisherigem Schaffen und liess die Fachpresse mit den Augen rollen. Neben dem Bond-Song hat Cornell immer wieder Musik für Filme geschrieben, darunter «Misery Chain» für «12 Years A Slave» und «The Keeper» für «Machine Gun Preacher». Für «The Promise» (unter anderem mit Christian Bale [Bild], Deutschschweizer Kinostart am 17. August) spielte er das (gleichnamige) Titel- beziehungsweise Abspann-Lied ein. Er veröffentlichte es am 3. März – es sollte sein letzter Release werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Donnerstag, 18. Mai, ist US-Sänger Chris Cornell (52) überraschend verstorben. Über die Todesursache war zunächst nichts bekannt.

Umfrage
Welches von Chris Cornells Projekten ist Ihr liebstes?

Bekanntheit erlangte der Musiker mit seiner Band Soundgarden, die zu den Geburtshelfern des Grunge zählt und mit ihrem Schaffen den Weg für andere Seattle-Gruppen wie Mudhoney, Pearl Jam und Nirvana ebnete.

Cornell war aber nicht nur Frontmann von Soundgarden – hier sind die wichtigsten Werke seiner Karriere:

Die anderen grossen Songs von Soundgarden
Bleiben wir zunächst aber bei seiner Stammband. Der Vierer aus der Grunge-Hauptstadt Seattle hat in seiner 20-jährigen Schaffenszeit sechs Studioplatten hervorgebracht. «Black Hole Sun» aus dem Jahr 1994 bleibt die bekannteste Single-Auskopplung, «Spoonman» war ebenfalls ein Hit, das 1992er «Rusty Cage» bleibt ein Fan-Liebling – und an dieser Stelle wollen wir «Flower» speziell erwähnen, der Opener der Debüt-LP «Ultramega OK» von 1988.


(Quelle: Youtube/Sub Pop)

Die Audioslave-Grosstat
Als Soundgarden von 1997 bis 2010 pausierten, formte Chris Cornell 2001 mit den Rage-Against-the-Machine-Mitgliedern Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk die Quasi-Supergroup Audioslave. Über drei Alben hinweg fusionierte das Quartett die Alternative-Gitarren der 90er mit dem Hard-Rock der 70er; das schwermütige «Like A Stone» vom selbstbetitelten 2002er-Debüt erreichte die Spitze der US-Rock-Charts.


(Quelle: Youtube/AudioslaveVEVO)

Das Temple-Of-the-Dog-Juwel
Als Cornells Freund Andrew Wood, Sänger von Mother Love Bone und Malfunkshun, 1990 an einer Heroin-Überdosis starb, formierte er mit dessen ehemaligen Bandmitgliedern die Tribute-Gruppe Temple Of the Dog. Daraus entstand eine selbstbetitelte Platte, die 1991 veröffentlicht wurde und unter anderem die Single «Hunger Strike» hervorbrachte. Pearl-Jam-Häuptling Eddie Vedder steuerte zusätzlichen Gesang bei und machte die emotionale Nummer damit zu einem Klassiker des Grunge-Genres.


(Quelle: Youtube/TempleOfTheDogVEVO)

Der Bond-Song
Seit «The Living Daylights» 1987 wurden alle James-Bond-Lieder von Frauen gesungen. Bis 2006 der kernigere (und blondere) Daniel Craig die Rolle des 007 antrat, weshalb «Casino Royale» nach einer neuen Art Bond-Song verlangte. Chris Cornell lieferte diesen mit «You Know My Name» und packte den Track auch gleich auf seine zweite Soloplatte «Carry On», die im Jahr 2007 folgte.


(Quelle: Youtube/MovieSounds)

Der Pop-Abstecher
Apropos Soloalben: Fünf davon veröffentlichte Cornell zwischen 1999 und 2015 und lotete dabei die Genre-Grenzen des Alternative-Rock aus – ausser auf dem 2009er «Scream», wo er sie gänzlich hinter sich liess und (zum Missfallen der Kritiker und vieler Fans) in den Pop eintauchte. Justin Timberlake, Ryan Tedder von OneRepublic und Timbaland drückten der Platte als Produzenten ihre Note auf; der Einfluss von Letzterem ist in der Single-Auskopplung «Part of Me» unüberhörbar.


(Quelle: ChrisCornellVEVO)

Das letzte Lied
Fürs Drama «The Promise» (Deutschschweizer Kinostart am 17. August) mit Christian Bale, Oscar Isaac und Jean Reno hat Cornell den gleichnamigen Abspann-Song geschrieben. Vor rund zwei Monaten hat er die Gitarren-Ballade als eigenständige Single veröffentlicht, die nun zu einer Art Requiem für die 52-jährig verstorbene Grunge-Ikone geworden ist.


(Quelle: Youtube/ChrisCornellVEVO)

(shy)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liverpooler am 19.05.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genie!

    Er war ein unglaublicher Songschreiber&Sänger,mit einer der geilsten Stimme überhaupt,die es jemals gab&auch geben wird. Schlimm...R.I.P. Chris! You are one of the greatest...ever!

  • Marc am 19.05.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Da fehlt einiges in der Aufzählung

    Was ist mit dem Song "Outshined"? Was ist mit "Show Me How to Live"?Was ist mit "Chochise" dem besten Rock Video aller Zeiten?! "Gasoline", "Set It Off" das sind alles Rock Songs für die Ewigkeiten...

  • Typhoeus am 20.05.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig,

    dass er seiner Musik ein Ende gesetzt hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 20.05.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig,

    dass er seiner Musik ein Ende gesetzt hat.

  • Liverpooler am 19.05.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genie!

    Er war ein unglaublicher Songschreiber&Sänger,mit einer der geilsten Stimme überhaupt,die es jemals gab&auch geben wird. Schlimm...R.I.P. Chris! You are one of the greatest...ever!

  • Marc am 19.05.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Da fehlt einiges in der Aufzählung

    Was ist mit dem Song "Outshined"? Was ist mit "Show Me How to Live"?Was ist mit "Chochise" dem besten Rock Video aller Zeiten?! "Gasoline", "Set It Off" das sind alles Rock Songs für die Ewigkeiten...