Sexuelle Belästigung

14. Oktober 2017 06:05; Akt: 14.10.2017 09:44 Print

Weinstein-Studio droht Verkauf – oder das Aus

Nach dem Sex-Skandal um Harvey Weinstein würden bereits Gespräche mit Kaufinteressenten für dessen Firma geführt.

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Rechnet mit Harvey Weinstein ab: Uma Thurman, hier bei den Filmfestspielen in Cannes. (18. Mai 2017) Wegen Vergewaltigung zu einer 9-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv) Er sei über die Vergewaltigungs-Anschuldigung «schockiert und traurig»: Nick Carter von den Backstreet Boys an den 52. Country Music Awards in Las Vegas. (2. April 2017) Sie sei damals 18 und noch Jungfrau gewesen. Nick Carter war 22 Jahre alt, schreibt Sängerin Melissa Schuman auf ihrem Blog. (10. Dezember 2003) Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas. Wurde von Harvey Weinstein begrapscht: Ambra Battilana Gutierrez. Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg Auch den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton holen Missbrauchsvorwürfe ein: Bill Clinton bei einer Rede im Jahr 2016. Foto: John Locher (Keystone) «Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung»: Charlie Rose. (Archivbild) Der französische Chansonnier, Fotograf und Schauspieler Serge Gainsbourg (1928–1991) und seine zukünftige Frau Jane Birkin am 26. Mai 1971. Stellt sich auf die Seite von Weinstein und Spacey: Der britische Sänger Morrissey bei einem Auftritt in Kalifornien. (Archiv) «In den letzten 50 Jahren hatte ich sexuelle Beziehungen zu etwa 50 sehr attraktiven Frauen», schreibt ein Richter am Obersten Gericht von Ohio demonstrativ auf Facebook: Bill O'Neill. (Archiv) Es soll eine «Reihe von Beschwerden» geben: Die Teilnehmer des UNO-Klimagipfels in Bonn. (15. November 2017) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015) «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: «Wonder Woman»-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornografie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman. Unter den vielen Demonstranten waren auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017) Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) «Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C. K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wartete angeblich im durchsichtigen Négligé auf ihren Leibwächter: Popstar Mariah Carey. Laut einem Freund Haims gab Sheen dem Jungen Gras zu rauchen und hatte Sex mit ihm: Charlie Sheen (hinten Mitte) mit Corey Haim (l.) und Kerri Green auf einem Promotion-Bild zum Film «Lucas» von 1986. (20th Century Fox Film) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten. Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen; die eine sagt, es sei «sehr bruta gewesen. Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Jetzt distanziert sich auch der Schweizer Uhrenhersteller IWC von US-Schauspieler Kevin Spacey. Netflix hat sich bereits von ihm getrennt, ebenso seine Agentur und seine Sprecherin. Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war, und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Wenige Tage nach seinem Rücktritt im Zuge der Affäre um sexuelle Übergriffe von britischen Politikern ist der Regionalminister aus Wales, Carl Sargeant, tot aufgefunden worden. Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Auch er soll eine Frau sexuell belästigt haben – als sie 17 Jahre alt war: Dustin Hoffman hat wegen des Vorfalls um Entschuldigung gebeten. (Archivbild) Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Fordert eine Kultur des Respekts: Theresa May hat weitere Massnahmen präsentiert, nachdem Fälle von sexuellen Übergriffen britischer Parlamentarier bekannt geworden sind. Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) Der Druck auf den britischen Kabinettschef Damian Green nimmt zu: Auf seinem Computer im Parlament soll sich pornografisches Material befunden haben. (Archivbild) Die New Yorker Staatsanwaltschaft fordert zahlreiche Dokumente bei TWC an: Harvey Weinstein. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten»: Quentin Tarantino (l.) wusste nach eigenen Angaben von einigen Übergriffen von Harvey Weinstein (r.) auf Frauen – und tat nichts. (19. Oktober 2017) Tritt aus dem Verwaltungsrat seiner Produktionsfirma zurück: Harvey Weinstein. (Archivbild) Keine weitere Zusammenarbeit mit TWC geplant: Channing Tatum. (Archivbild) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

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Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» könnte das Filmstudio Weinstein Company verkauft oder gar geschlossen werden. Es sei unwahrscheinlich, dass die Film- und Fernsehproduktionsfirma nach dem Sex-Skandal um ihren Mitgründer Harvey Weinstein als unabhängiges Unternehmen weiterbestehen könne.

Dies berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf eine firmennahe Quelle. Die Weinstein Company hatte Weinstein am Sonntag gefeuert, nachdem die «New York Times» über Vorwürfe der jahrelangen massiven sexuellen Belästigung junger Frauen durch Weinstein berichtet hatte. Seither haben sich zahlreiche Schauspielerinnen mit Belästigungsvorwürfen gegen den Filmproduzenten zu Wort gemeldet, vier Frauen warfen dem 65-Jährigen Vergewaltigung vor. Die Polizei ermittelt.



In mindestens acht Fällen soll Weinstein Frauen sexuell belästigt haben. Video: Tamedia/AFP

Dem «Wall Street Journal» zufolge laufen Gespräche mit möglichen Kaufinteressen für das Filmstudio. Es sei jedoch unklar, ob ein Geschäft zustande komme. Die Alternative sei, dass die Weinstein Company schliesse.

Bob Weinstein, der zusammen mit seinem Bruder Harvey die Weinstein Company 2005 gründete, betont gemäss der BBC allerdings, dass das Geschäft wie gehabt weiterlaufe. «Die Banken, Partner und Teilhaber stehen hinter uns», so Bob Weinstein.

Das «Wall Street Journal» berichtet weiter, dass ein zunächst gehegter Plan, dass Harvey Weinsteins Bruder Bob das Unternehmen gemeinsam mit Studio-Präsident David Glasser unter einem neuen Firmennamen weiterführe, fallen gelassen worden sei.

Harvey und Bob Weinstein hatten zusammen zunächst die Produktionsfirma Miramax gegründet, die für Erfolge wie «Sex, Lügen und Videos», «Shakespeare in Love» und «Pulp Fiction» verantwortlich zeichnet. Die Weinstein Company produzierte Filme wie «The King's Speech» und «The Artist».

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cinema am 14.10.2017 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mitwisser

    Was ich dabei nicht verstehe ist: So viele Hollywood-Ikonen melden sich jetzt zu Wort, die natürlich alle empört sind aber schon lange davon gewusst haben. Wenn sich ein Filmsternchen einschüchtern lässt, ist das traurig aber nachvollziehbar. Aber gestandene Größen wie eine Angelina Jolie brauchen erst einen Pressebericht, bevor sich sich zu so etwas äußern? Das kommt mir schon sehr verlogen vor. Ich würde mich schämen an deren Stelle, sich jetzt auch noch hinzustellen und zu sagen "Klar doch, das läuft schon immer so". Danke, liebe Mitwisserinnen.

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  • Mike am 14.10.2017 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Warum erst jetzt?

    Die gleiche Frage habe ich mir schon bei anderen Fällen gefragt! Nicht nur jahrelang sondern Jahrzehnte lang wussten alle Bescheid, aber niemand hat etwas getan oder gesagt! Warum haben alle so lange gewartet?

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  • Roger Rabiat am 14.10.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie gewonnen, so zerronnen...

    Unglaublich wie schnell heute etwas den Bach runter gehen kann...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cordula am 15.10.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Am Arbeitsplatz sofort anzeigen

    Wenn jede Frau ihren "Peiniger" anzeigen würde, dann wären die Gerichte total überfordert. Frauen müssen auch lernen, korrekte Signale zu geben, und nicht jeden anflirten, der dann davon fälschlicherweise ausgeht, er könne mit ihr machen was er will. Am Arbeitsplatz die Peiniger anzeigen, und zwar sofort und unmissverständlich.

  • Pia . am 15.10.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    David gegen Goliath wäre das gewesen

    Cinema - wenn du es nicht verstehen kannst, dann kannst du dich nicht in die Lage der jungen Frauen versetzen. Sie wollten Schauspielerinnen werde, und wussten genau, dass sie gegen diesen "Riesen" keine Chance hatten, weil er ihre ganze Existenz vernichten konnte und täte. Zudem, wer hat denn so viel Geld für einen Anwalt gegen den. Beschämend finde ich, dass sehr viele (Männer) es wussten. Warum schweigen bei uns die Frauen (Mütter und Opfer) nach Inzest in der Familie während 50 Jahren?? Frag dich mal das und schau hin, ob bei dir in der Nähe jemand Hilfe braucht!!!

  • Racer am 15.10.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Gesellschaft

    Zuerst schlafen sie sich hoch, danach hauen sie die Karriereleiter in die Pfanne. Einfach nur verlogen. Ist wohl nicht nur bei der Filmindustrie so.

    • Marilla am 15.10.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Handeln - aber sofort

      Racer - als junge Schauspielerinnen hatten sie keine Chancen gegen diesen Koloss sich zu wehren. Schon mal darüber nachgedacht? Die haben sich nicht hochgeschlafen, die hatten einfach das Pech, von einem ekelhaften Schwein abhängig zu sein, er hat zu einem Wildschwein mutiert, und jetzt ist Schluss. Es ist nie zu spät, solche Männer anzuzeigen, ob es nun um den Nachbarn, den eigenen Vater oder den Kollegen oder den Chef handelt.

    • tjt am 15.10.2017 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Racer

      War früher auch in einigen Firmen so. Man musste schweigen auch wenn mans mitbekommen hat. Man wäre sonst Stelle losgewesen.

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  • Koscher am 14.10.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallall

    Frage mich wieviele Frauen auf seinen Sevice, respektive ihre Kariere verzichtet haben trotz viel Talent. Schade um diese, aber ein grosses bravo!

  • fastreader am 14.10.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was?

    Also wie ich das sehe, lassen sich die Kommentare so zusammenfassen: - "Wieso melden sich all die Frauen erst jetzt" - oder: "Es gibt ja keine klaren Beweise, wieso sind alle so gemein zu ihm" Mal darüber nachgedacht, dass die zweite Aussage vielleicht der Grund für die erste ist?