Weinstein-Skandal

13. Oktober 2017 03:51; Akt: 13.10.2017 10:28 Print

Rose McGowan greift Amazon-Chef Bezos an

Harvey Weinstein habe sie vergewaltigt und Amazon-Chef Jeff Bezos habe davon gewusst, sagt Schauspielerin Rose McGowan. Amazon reagiert – angeblich in einer anderen Angelegenheit.

Bildstrecke im Grossformat »
Stellt sich auf die Seite von Weinstein und Spacey: Der britische Sänger bei einem Auftritt in Kalifornien. (Archiv) «In den letzten fünfzig Jahren hatte ich sexuelle Beziehungen zu etwa 50 sehr attraktiven Frauen», schreibt ein Richter am Obersten Gericht von Ohio demonstrativ auf Facebook: Bill O'Neill. (Archiv) Es soll eine «Reihe von Beschwerden» geben: Die Teilnehmer des UNO-Klimagipfels in Bonn. (15. November 2017) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015). «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: Wonder Women-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornographie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnnerin Aly Raisman. Unter den vielen Demonstranten war auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017) Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) «Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C.K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wartete angeblich im durchsichtigen Negligé auf ihren Leibwächter: Popstar Mariah Carey. Laut einem Freund Haims gab Sheen dem Jungen Gras zu rauchen und hatte Sex mit ihm: Charlie Sheen (hinten Mitte) mit Corey Haim (l.) und Kerri Green auf einem Promotion-Bild zum Film «Lucas» von 1986. (20th Century Fox Film) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten. Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen, die eine sagt, es war «sehr brutal». Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Jetzt distanziert sich auch der Schweizer Uhrenhersteller IWC von US-Schauspieler Kevin Spacey. Netflix hat sich bereits von ihm getrennt, ebenso seine Agentur und seine Sprecherin. Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Wenige Tage nach seinem Rücktritt im Zuge der Affäre um sexuelle Übergriffe von britischen Politikern ist der Regionalminister aus Wales, Carl Sargeant, tot aufgefunden worden. Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Auch er soll eine Frau sexuell belästigt haben – als sie 17 Jahre alt war: Dustin Hoffman hat wegen des Vorfalls um Entschuldigung gebeten. (Archivbild) Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Fordert eine Kultur des Respekts: Theresa May hat weitere Massnahmen präsentiert, nachdem Fälle von sexuellen Übergriffen britischer Parlamentarier bekannt geworden sind. Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) Der Druck auf den britischen Kabinettschef Damian Green nimmt zu: Auf seinem Computer im Parlament soll sich pornografisches Material befunden haben. (Archivbild) Die New Yorker Staatsanwaltschaft fordert zahlreiche Dokumente bei TWC an: Harvey Weinstein. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten»: Quentin Tarantino (l.) wusste nach eigenen Angaben von einigen Übergriffen von Harvey Weinstein (r.) auf Frauen – und tat nichts. (19. Oktober 2017) Tritt aus dem Verwaltungsrat seiner Produktionsfirma zurück: Harvey Weinstein. (Archivbild) Keine weitere Zusammenarbeit mit TWC geplant: Channing Tatum. (Archivbild) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Skandal um sexuelle Belästigungen in Hollywood zieht immer weitere Kreise: US-Schauspielerin Rose McGowan hat Hollywood-Produzent Harvey Weinstein Vergewaltigung und Amazon-Chef Jeff Bezos Mitwissenschaft vorgeworfen. «Ich habe dem Leiter Ihres Studios gesagt, dass HW mich vergewaltigt hat. Immer und immer wieder habe ich es gesagt. Er sagte, dass sei nicht bewiesen. Ich sagte, ich sei der Beweis», schrieb McGowan am Donnerstag an Bezos gerichtet auf Twitter.

Amazon äusserte sich zu den Tweets der Schauspielerin zunächst nicht, gab jedoch kurz danach die Freistellung des Leiters der Amazon Studios, Roy Price, bekannt. Allerdings nicht wegen der Vorwürfe McGowans, sondern wegen Anschuldigungen einer Filmproduzentin.

Isa Hackett hatte Price in einem Bericht des «The Hollywood Reporter» sexuelle Belästigung vorgeworfen. Ein Anwalt Hacketts bestätigte den Bericht. Hackett erwäge jedoch keine rechtlichen Schritte gegen Price oder Amazon, schrieb Christopher Tricarico in einer E-Mail. Hackett hatte für Amazon die Serie «Man in the High Castle» produziert.

Weinstein soll 100'000 Dollar gezahlt haben

Die Filmstudios sollten aufhören, Vergewaltiger, mutmassliche Pädophile und sexuelle Belästiger zu unterstützen, schrieb McGowan an den Amazon-Chef. Sie war unter den ersten Schauspielerinnen, die über die Belästigungen durch Weinstein sprachen. Sie hatte mehrfach angedeutet, der 65-Jährige habe sie vergewaltigt, auf Twitter sprach sie diese Anschuldigung nun offen aus.

Eine Sprecherin Weinsteins erklärte, der Filmproduzent weise alle Vorwürfe des nicht einvernehmlichen Kontakts zurück. Die «New York Times» hatte zuvor in einem Enthüllungsbericht geschrieben, dass Weinstein der Schauspielerin 1997 aussergerichtlich 100'000 Dollar gezahlt habe, um das Vorgefallene zu vertuschen.

Amazon hatte in einer Stellungnahme erklärt, gemeinsame Projekte mit der Weinstein Company zu überdenken. Derzeit entwickelt Amazon zwei Formate der Weinstein Company: Die Serie «The Romanoffs» und ein Drama, in dem Julianne Moore und Robert De Niro mitspielen sollen. Die Autorengewerkschaft Writers Guild of America verurteilte sexuelle Belästigung als «Markenzeichnen» der Entertainment-Industrie.

(chk/ap)