Filmfestival Cannes

19. Mai 2017 15:47; Akt: 30.06.2017 14:47 Print

Pfiffe und Buhrufe bei Netflix-Filmvorführung

Wegen technischer Probleme sorgte der bereits im Vorfeld kritisierte Netflix-Streifen «Okja»für Unmut. Das genervte Festival-Publikum machte seinem Ärger Luft.

Stiess auf Aufmerksamkeit beim berühmtesten Filmfestival der Welt: Trailer zum in Cannes gezeigten Netflix-Streifen «Okja». (Video: Youtube)
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Buhrufe und technische Probleme haben am Freitag die umstrittene Vorführung des Netflix-Films «Okja» im Wettbewerb des Festivals von Cannes überschattet. Die Pressevorführung am Vormittag wurde mehrere Minuten lang unterbrochen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Vorhang im Festivalpalast verdeckte einen grossen Teil der Leinwand, das Gesicht von Hauptdarstellerin Tilda Swinton war zeitweise nicht zu sehen.

Durch Pfiffe, Buhrufe und Klatschen machte das Publikum die Techniker auf das Problem aufmerksam. Nach einer Unterbrechung von sieben bis acht Minuten ging der Film dann weiter. Im Wettbewerb von Cannes sind zwei Filme des Streamingdienstes Netflix vertreten: Neben «Okja» vom südkoreanischen Regisseur Bong Joon Ho ist auch «The Meyerowitz Stories» des US-Regisseurs Noah Baumbach im Rennen um die Goldene Palme.

Kontroverse um Netflix-Filme

Die Nominierung zweier Filme eines Streaming-Dienstes hatte im Vorfeld eine Kontroverse ausgelöst. Schon zu Beginn der Vorführung am Freitag buhten Zuschauer, als das Netflix-Logo auf der Leinwand erschien. Während der Panne sagte ein Zuschauer «Ha! Der ist wirklich nicht fürs Kino gemacht». Am Abend sollte «Okja» im offiziellen Festivalprogramm gezeigt werden.

Das Team von «Okja» verteidigte unterdessen die Teilnahme im prestigeeträchtigen Wettbewerb an der Côte d'Azur: Regisseur Bong sagte bei der Pressekonferenz, Netflix habe ihm «ein grosses Budget anvertraut und völlige Freiheit bei den Dreharbeiten und beim Schnitt gelassen». «Sie haben meine Arbeit respektiert.» Swinton sagte: «Es gibt Platz für alles.» Zu den Äusserungen von Jury-Präsident Pedro Almodóvar sagte sie: «Es ist wichtig, dass er sagen kann, was er möchte.» Bong sagte, er sei ein Fan von Almodóvar, ganz gleich, was dieser sage.

Die Stars kommen in Cannes an

Cannes zieht Konsequenzen

Der spanische Regisseur Almodóvar hatte am Mittwoch gefordert, dass der Gewinner der Goldenen Palme in den Kinos zu sehen sein müsse. Dies ist für die Netflix-Wettbewerbsfilme zunächst nicht geplant. Der Streaming-Dienst aus den USA hat 100 Millionen Abonennten.

In Frankreich müssen zwischen der Kinovorführung und der Online-Ausstrahlung eines Films drei Jahre liegen. Das Festival von Cannes zog aus dem Gezerre die Konsequenz, dass ab 2018 nur noch Filme in den Wettbewerb kommen, die zeitnah auch in französischen Kinos laufen.

(kaf/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralph D am 19.05.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Kindergarten...

    Eigentlich sollte es ja bei so einem Festival um den Film und dessen Qualität gehen und nicht wie dieser vertrieben wird. Traditionen in aller Ehren, aber das Verhalten der Kritiker ist doch sehr engstirnig und zeigt, dass sie vielleicht doch nicht so sehr die Filmliebhaber sind als die, die sie sich so gerne, vor allem in Cannes, geben.

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  • Pufadus am 19.05.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade Cannes!

    Bei Filmfestspielen sollte es um die Kunst einen guten Film zu produzieren gehen und nicht darum wann und wo der gezeigt wird. Schade Cannes!

  • Kinogänger am 19.05.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Buhh cannes

    Also Netflix wird diskriminiert und dies im Jahre 2017, haben wir nichts aus der Weltgeschichte gelernt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Festival Besucher am 20.05.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Pfiffe und Buhrufe???

    Sorry, aber ihr sprecht vom Presse-Event am Tag und und vom eigentlichen Screening am Abend! Am Abend war das Publikum begeistert und gab standing ovations... Insofern, kann man nicht vom genervtem Publikum sprechen, sondern hoechstens von der genervten Presse!Ich kanns beurteilen, denn ich war am Screening Event dabei....

  • Marc am 20.05.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Almorovar und co

    Sorry aber Kino ist von gestern, das werden die auch noch mero.

  • Cineast am 20.05.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Berechtigter Protest

    Ich bin selbst Prime- und Netflix-Nutzer, kann den Protest in Cannes allerdings verstehen. Es ist ein Kinofilmfestival. Warum sollte man da Filme eines Streaming-Dienstes zulassen, die nur gegen Mitgliedschaft in einem Abo-Club zu sehen sind? Sollen sich die Kinos selbst das Wasser abgraben? Wer etwa erwartet in einem guten Restaurant Werbung für Pizza-Bringdienste? Netflix kann ja gegen Amazon antreten, sicher haben wir irgendwann auch solche Festivals, so wie es Wettbewerbe für Fernsehfilme gibt. Noch haben wir unabhängige Regisseure, die experimentieren dürfen - auch ohne Hochglanz.

    • Kaja B. am 24.05.2017 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      Täusch dich nicht...

      Die unabhängigen Regisseure dürfen anscheinend eben nicht so experimentieren wie sie wollen. Da haben die Produzenten schon einiges zu melden, was den Regisseuren und Schauspielern nicht passt. Bei Netflix soll das anders sein. Schau dir an, wieviele Kinostars in ihren Filmen und Serien mitwirken... nicht ohne Grund. Netflix lässt ihnen wirklich freie Hand und ist offen für Expperimente.

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  • Typhoeus am 19.05.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Chaos

    Zu dumm zum Pfeifen.

  • mine am 19.05.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Filz

    Hmm, also geht es darum ein veraltetes Vertriebssystem zu celebrieren. Es geht nicht um die Filme. Es geht nur darum den Filz zu verteidigen.

    • Cineast am 20.05.2017 08:26 Report Diesen Beitrag melden

      Filz... ist überall

      Finden Sie? Netflix und Co. sind also offene Gesellschaften, die nur zum Wohle der Menschheit produzieren, frei von jeglichem finanziellen Interesse, eine Verfilzung mit der Wirtschaft und politischen Interessen soll ausgerechnet bei denen nicht vorhanden sein? Das "veraltete Vertriebssystem" ist Initiator dieses Festivals. Man muss es dem Gastgeber schon selbst überlassen, wen er zu seiner Party einlädt. Sie können einem Golfclub ja einmal vorschlagen, Cross-Golf-Meisterschaften auszutragen. Viel Erfolg.

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