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02. Februar 2009 11:41; Akt: 25.02.2009 16:07 Print

Diese Fotos sollte niemand sehen

von Henning Steier - Digitalkameras als Karrierekiller: Die Sorglosigkeit ihrer Besitzer könnte vielen zum Verhängnis werden. Denn jeder kann sich im Internet versteckte Fotos anschauen.

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Datenschutz ist hierzulande ein wichtiges Thema. Drei Viertel der Schweizer machen sich oft Gedanken, was im Web über sie zu finden ist. Dies geht aus der ersten repräsentativen Studie zum Thema «Datenschutz in der Schweiz» hervor, die von der Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten zum 3. Europäischen Datenschutztag am 28. Januar in Auftrag gegeben wurde.

Insgesamt wurden 1006 Personen aus allen Schweizer Regionen befragt. 26 Prozent der Teilnehmer finden es sehr wichtig, 52 Prozent wichtig, was mit ihren Daten im Internet geschieht. Am wichtigsten ist der Internet-Schutz den 15- bis 34-Jährigen.

Dass diese Altersgruppe mit Privatem auf Portalen wie Facebook und MySpace oftmals sorglos umgeht, ist bekannt. Daher sperren immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten die Zugänge zu sozialen Netzwerken. Zuletzt kündigten dies vor zwei Wochen Post und SBB an. Die Unternehmen begründeten ihre Entscheidung damit, dass sich im sozialen Netzwerk aktive Kriminelle unter falscher Identität Zugang zu vertraulichen Daten verschaffen können. Zudem sei der Rahmen einer vernünftigen Nutzung überschritten worden, sagte SBB-Sprecher Frédéric Revaz.

Einfache Namen

Wirtschaftliche Schäden sind das eine, der Verlust des guten Rufes das andere. Und bei letztgenanntem spielen Digitalkameras eine wichtige Rolle, ohne dass dies vielen ihrer Besitzer bekannt wäre. Denn die Geräte benennen ihre Bilder mit einfachen Standardnamen. So tragen von Canon-Kameras geschossene Fotos in der Regel die Bezeichnung «IMG_####.jpg», Nikon-Bilder heissen «dcp#####.jpg». Im letzten Fall darf man nur Zahlen von 1 bis 4000 eingeben, um einen realen Bildnamen zu erhalten.

Wer privat fotografiert hat, versieht seine Bilder danach selten mit eigenen Namen. Das hat auf den ersten Blick den Vorteil, dass sie von Fremden schwer im Web zu finden sind, wenn man sie dort veröffentlicht. Denn die Bildersuche von Google und Co. orientiert sich an den Begriffen, welche die Fotos beispielsweise in den Bildunterschriften von Nachrichtenseiten zieren. Ein Nacktbild taucht also nicht auf, wenn man beispielsweise «nackt», «Girl» und «Zürich» eingibt - sofern man es nicht umbenannt oder mit Text versehen hat.

Pärchen vergisst die Welt

Doch wer die oben erwähnten Standardbezeichnungen von Digitalkamerafotos kennt, findet schnell kompromittierendes Bildmaterial im Netz. Und die Webwelt ist oft kleiner als gedacht. Jeder kennt auch hier jeden über wenige Ecken. Und so ist die Mutter zu sehen, der jemand unters Kleid fotografiert hat. Ein verletztes Tier steht neben einem Pärchen, das sich gerade nur um sich selber kümmert. Wer ein solches Foto entdeckt, kann es, wenn er dem Opfer schaden will, beispielsweise auf Sexseiten hochladen.

Mit einem Namen versehen, könnte es von Personalchefs leicht gefunden werden, die eine Suchmaschine einsetzen, um Bewerber zu überprüfen. Und das tun immer mehr, wenn man einer Umfrage unter 300 Führungskräften aus Personalberatungsfirmen glaubt. Sie wurde vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater durchgeführt. Rund 70 Prozent der befragten Personaler gaben an, im Web nach Bewerbern gesucht zu haben. Ein Drittel der Personalberater tat dies «häufig» oder immer.

Wer keine Lust hat, auf gut Glück nach Ergebnissen wie in der obigen Bilderstrecke zu suchen, dem bieten sich zumindest für Google zwei andere Möglichkeiten. Zum einen gibt es eine Webseite, auf der man den so genannten Google Image Voyeur benutzen kann. Dazu muss man einfach nur den Kamerahersteller eingeben und schon bekommt man zahlreiche Treffer aus der ganzen Welt angezeigt. Die zweite Variante ist der Random Personal Picture Finder, welcher Google nach Bildernummern durchsucht. Unter seiner Internetadresse ist auch eine Liste der Standardbildbezeichnungen wichtiger Kameramarken zu finden.