Social Media

31. Januar 2011 09:29; Akt: 31.01.2011 09:45 Print

Schweizer Armee verbietet Facebook

von Daniel Schurter - Die US-Armee hat ihr offizielles Handbuch zum Umgang mit Twitter und Co. modernisiert. Beim Schweizer Militär will man davon nichts wissen.

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Die Schweizer Armee kontrolliert, ob ihre Soldaten fragwürdige Inhalte ins Netz stellen. (Bild: Keystone)

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Immer häufiger nutzen Soldaten Facebook und andere Online-Dienste, um mit ihren Liebsten zuhause in Kontakt zu treten. Das hat die United States Army erkannt und die dienstlichen Richtlinien für den Umgang mit Social Media angepasst. Wie der Blog mashable.com kürzlich berichtete, sind die Bestimmungen gelockert worden. Zwar können die militärischen Kommandanten immer noch den Internet-Zugang einschränken – wie es zuletzt die US Air Force getan hat, um das Lesen von Wikileaks-Zeitungsberichten zu verhindern. Doch herrscht im Verteidigungsministerium anscheinend die Grundhaltung, dass soziale Netzwerke nicht per se schlecht sind, sondern immer stärker zum Alltag des Militärpersonals gehören.

In der Schweiz ist das völlig anders. Zumindest will das die Medienstelle der Schweizer Armee weismachen. Die Nutzung von Facebook sei während des Militärdienstes «weder möglich noch zulässig», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online.

Natürlich hat sich auch bei der Armeeführung herumgesprochen, dass der Zugang zu sozialen Netzwerken immer häufiger über mobile Geräte erfolgt. Laut Medienstelle gilt die Regel, dass Smartphones nur benutzt werden dürfen, wenn der zuständige Kommandant dies ausdrücklich erlaube. Dies könnte etwa während einer offiziellen Pause sein, im Ausgang oder im Diensturlaub.

Mit dem «SE-079»

Also kann der tüchtige Wehrmann eben doch auf Facebook aktiv sein und die Aussenwelt dank Status-Updates auf dem Laufenden halten. Und schliesslich bleiben die meisten Handys und Smartphones der Soldaten und Offiziere auch eingeschaltet, um eine rasche drahtlose Verbindung der verschiedenen Truppenteile zu garantieren. Das «SE 079» – wie das Mobiltelefon im Militär auch scherzhaft genannt wird – sei unverzichtbar, verrät ein Kommandant der Übermittlungstruppen. Zwar verfügt die Armee über absolute Hightech-Funkgeräte und kann dank Richtstrahlverbindungen «geschützt» kommunizieren. Wenn es aber in der Praxis schnell gehen müsse, werde doch wieder zum Handy gegriffen.

Ein anderes Problem – unerwünschte Bild- und Tonaufnahmen - will die Armeeführung seit 2007 mit einer offiziellen Weisung lösen (siehe Box). Die Armeeangehörigen werden laut Mediensprecher im Sinne dieser Weisung angehalten, während der Dienstzeit keine Handys oder andere elektronische Aufnahmegeräte zu benutzen. «Trotzdem stellt die Armee fest, dass gelegentlich Videosequenzen aus dem Militärdienst in sozialen Netzwerken publiziert werden.»

Kein «Konfiszieren»

Die schnell fortschreitende technische Entwicklung im Bereich der Mobiltelefone und Digitalkameras nehme die Armee als gesellschaftliches Phänomen wahr, sagt der Mediensprecher. Ein «Konfiszieren» von Smartphones sei in einer Milizarmee aber undenkbar. Ebenso sei eine rigorose Kontrolle der Soldaten aus Kapazitätsgründen nicht möglich.

Wie die Medienstelle weiter mitteilt, werden die «relevanten Many-to-Many-Netzwerke» von der Armee überwacht. Dazu dürften sicher Youtube und Facebook gehören. Die Kommunikationsverantwortlichen der Armee sowie der militärische Sicherheitsdienst führten regelmässige Kontrollen durch, heisst es. Extremistische, gewaltverherrlichende, sexistische oder diffamierende Publikationen sowie Verstösse gegen die Geheimhaltungspflicht toleriere die Armee nicht. «Ist dies der Fall, wird umgehend die Militärjustiz eingeschaltet.»

Armeeangehörige, die mit «sensitiven Daten» - militärischen Geheimnissen - in Berührung kommen, werden entsprechend geschult. Der Armeesprecher präzisiert: Wer seinen Dienst in einer klassifizierten Anlage ausübe, könne während dieser Zeit sämtliche privaten elektronischen Geräte nicht benutzen. Die Frage von 20 Minuten Online, ob die Schweizer Armee analog zur US Army ein Handbuch für Social Media plane, lässt der Armeesprecher unbeantwortet.

Das US-Handbuch

Im neuen Social Media Handbook der US-Armee finden sich zahlreiche Sicherheitstipps. Manche Richtlinien und Hinweise sind banal, andere können Leben retten. So gilt es für alle Armeeangehörigen, die Facebook-Einstellungen auf «Friends only» zu stellen.

Über soziale Netzwerke wie Facebook und MySpace sollen weder Flugpläne noch andere militärische Anlässe preisgegeben werden. Die Soldaten werden auch daran erinnert, bei ihren Smartphones die GPS-Funktion auszuschalten. In Krisengebieten gilt es, auf der Hut zu sein, sonst könnten die Geolocation-Funktionen den eigenen Standort dem Feind verraten.

Im neuen Standardwerk finden sich aber auch Tipps für die Angehörigen. Die Soldaten werden angewiesen, ihre Familien im Umgang mit sensiblen Daten zu instruieren. Militärische Informationen dürfen nicht in sozialen Netzwerken gepostet werden. Und bevor man Fotos und Videos online stelle, gelte es, das Material gewissenhaft zu sichten.

Dass die US-Armee im 21. Jahrhundert angekommen ist, zeigt sich nicht nur daran, dass Armeeangehörige im Dienst auf Facebook und Youtube zugreifen dürfen. Die Neuigkeiten über das aktualisierte Social Media Handbook wurden ebenfalls über Twitter verbreitet.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kein grüner mehr am 31.01.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    haha

    unsere "beste Armee der Welt" lebt halt noch hinter dem Mond und scheint sich mit der Realität wenig auseinanderzusetzen. Immerhin, sie haben schon mitbekommen, dass es Facebook gibt ;-) In der Realität benutzen sicherlich 90% Facebook im Dienst. Dank Iphone & Android!!! :-)

  • hans frust am 28.01.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    soldaten schreiben auf facebook was und wann sie wollen. und "rambo"-bilder gibts auch zu haufen. es ist fürs militär absolut nicht möglich dies zu kontrollieren.

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  • frei am 31.01.2011 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schäme dich Schweiz

    Das Militär ist in den USA freiwillig. Also sollten die Soldaten solche Regelungen akzeptieren. Aber nicht in der Schweiz. Die schöne Schweiz ist eines der letzten Europäischen Länder mit der Wehrpflicht (nur für Männer, im Namen der Gleichberechtigung). Somit beschleunigt die Armee ihren Abbau. Einzige Rettung: Freiwilliger Dienst

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas Waldmeier am 09.02.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Leitplanken

    Geschätzte Herren, meines Erachtens kann man es sowieso nicht verbieten, weil wenn es verboten würde, würde sich sowieso jeder über die Vorschrift hinweg setzten. Was es braucht sind klare Leitplanken über den Einsatz dieser neuen Medien. Wir haben zwar moderne Kommunikationsmittel in der Armee, aber diese sind nicht in allen Einheiten vorhanden. Zu dem tragen noch die unterschiedliche Wissenstände jedes einzelnen Ada's dazu bei, diese richtig einzusetzt. Falls Ihre Einheit mobil ist und in einem Subsidiäreinsatz steht geht es schon gar nicht mehr ohne "SE 079".

  • Roger Wymann am 04.02.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schon mal was von Karte, Kompass und Funk gehört

    In vielen Kommentaren wird gesagt das Dienst ohne Handy usw. nicht möglich ist. Komisch. Ich habe Dienst mit Funkgerät, Kompass und gesundem Menschenverstand gemacht. Wenn die heutigen jungen Leute kein Handy,Facebook,Gps und iPad haben, können sie sich ja nicht mal mehr den Hintern putzen. Ihr redet immer vom Ernstfall, aber da kann es sein das eben nichts sensibles elektronisches noch funktioniert, was dann.... ihr Luschen :-)

    • Captain hauptmann am 07.02.2011 01:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Gren Wymann

      Nun nicht jeder ist so ein harter Krieger wie Sie ... aber da ich schon 20 Jahre in der Armee bin ... habe ich auch noch ohne Handy Dienst geleistet... leider hat der von Ihnen gepriesene Funk nur selten richtig funktioniert... Die Funkgeräte in der RS waren nämlich älter als die Soldaten die sie bedienten. Erst 1994 konnten wir mit modernen Funkgeräten ausgerüstet sogar Fz-Betrieb durchführen...

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  • Guschti am 01.02.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld!

    Solange jeder meint er müsse ein Smartphone mit allen Möglichkeiten nutzen wandern auch Informationen beliebig hin und her - nützliches und Unnützes. Und spühlen dazu den Mobileanbietern noch Millionen in die Kasse. Es soll keiner sagen er wisse es nicht!

  • Bergli am 01.02.2011 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    'Soziale Netze' und deren Verwendung

    Die Anfänge aller 'sozialen Netze waren ehrbar. Dass sich in solchen Ansammlungen auch Kriminelle und Geheimdienste tummeln ist logisch (auf dem Jahrmarkt hat es auch mehr Taschendiebe). Sie helfen aber auch Diktatorisches weltweit anzuprangern. Es ist deshalb dringend nötig ALLE für diese Situation (Nutzen und Gefahren)vorzubereiten. Wo? z.B. in der Schule. Volksschule? weit gefehlt! Dort wird zT 'Informatik Unterricht' gegeben der aus copy paste besteht. Wen wundert es also wenn Anwender nicht wissen wie mit solchen Dingen wie Facebook umzugehen ist?

  • eric berg am 31.01.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    facebook ist gold für die us geheimdienste

    ich bin 100% sicher dass die us regierung die facebook profile von allen auch schweizern jeder zeit lesen kann wen sie dass will und dass cia,pentagon,nsa etc. machen dass sicher schon lange,facebook ist perfekt für die um informationen zu sameln den der profile besitzer tuut alles freiwillig da rein die müssen es nur noch auswerten.

    • Peter Lavater am 08.04.2015 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      Snowden

      drei Jahre danach, sagte Snowden genau das

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