Künstliche Intelligenz

30. Oktober 2017 18:31; Akt: 30.10.2017 18:31 Print

ETH-Software verwandelt Handybilder in Profifotos

Das Tool Phancer verbessert Ihre Handy-Fotos, sodass diese aussehen, als seien sie mit einer professionellen Kamera gemacht worden. Entwickelt wurde das Tool an der ETH Zürich.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Praktisch jedes Smartphone hat heutzutage eine eingebaute Kamera. Durch die geringe Grösse der Sensoren und Objektive reicht deren Qualität jedoch – aus physikalischen Gründen
– nicht an Fotos einer professionellen Spiegelreflex-Kamera heran. Das in der Schweiz entwickelte Tool Phancer soll dies nun – zumindest teilweise – ändern.

Umfrage
Fotografieren Sie mit dem Handy?

Es basiert auf einem neuronalen Netzwerk, das mithilfe von Fotos trainiert wurde. Konkret wurden über drei Wochen lang total 22'000 Vergleichsbilder gemacht. Neben einer Spiegelreflex-Kamera wurden auch drei Handykameras auf einem Stativ montiert, um gleichzeitig Fotos mit demselben Bildausschnitt aufzunehmen.

Starke Verbesserung

Anhand dieser Bilder hat der Algorithmus gelernt, Faktoren wie die Farbwiedergabe und die Bildschärfe anzupassen und diese so aussehen zu lassen, als sei sie von einer Profi-Kamera aufgenommen worden. Es wurde auch ein zweiter Algorithmus entwickelt, der nicht mehr auf zwei gleiche Bilder angewiesen ist. Die künstliche Intelligenz lernt dabei automatisch, was gute Bilder ausmacht und versucht, die Fotos entsprechend anzupassen.

Der Qualitätsunterschied wird kleiner

Vor allem Aufnahmen mit älteren oder schlechteren Handykameras profitieren enorm von der Technologie. Kaum zu erkennende Stellen werden wieder sichtbar, Farbstiche werden entfernt, statt dunkler Flächen kommen Details zum Vorschein. Bei Stellen, an denen es gar keine Bildinformationen gibt, kann allerdings auch das Tool nicht weiterhelfen.

Zwar unterscheiden sich die optimierten Handyfotos nach wie vor von solchen, die mit einer professionellen Kamera aufgenommen worden sind. Die ETH-Entwicklung schafft es allerdings, den Unterschied dazwischen viel kleiner werden zu lassen. Dies könnte teilweise auch mit einem Bildbearbeitungs-Programm gemacht werden. Das besondere an der ETH-Software ist jedoch, dass alles automatisch berechnet wird.

Das ist erst der Anfang

Die Forscher hoffen, mit dem neuronalen Netzwerk künftig auch eine intelligente Bildverbesserung erreichen zu können. So wäre es beispielsweise möglich, ein Foto, das an einem verregneten Tag aufgenommen wurde, so aussehen zu lassen, als hätte die Sonne geschienen. Auch bei selbstfahrenden Autos, die ein sauberes und scharfes Bild benötigen, um den Fahrweg zu berechnen, könnte das Tool eingesetzt werden.

Wenn Sie die Entwicklung ausprobieren möchten, können Sie Ihre eigenen Bilder auf der Website von Phancer hochladen. Diese werden nach Angaben der Forscher gleich wieder gelöscht, da auf den Servern nicht genügend Speicherplatz zur Verfügung steht. Da derzeit viele Zugriffe auf die Plattform verzeichnet werden, kann es zu Wartezeiten kommen.

(swe)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Meier am 30.10.2017 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind Profifotos?

    Dass sich Profifotos nur mit den tech. Daten auszeichnen (Schärfe, Kontrast, keine Vignetierung usw) kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Zu einem Profifoto gehört meiner Ansicht nach mehr (Kompositon, Timing, Schnitt, Lichtführung usw). Wenn jemand nur knipsen und nicht fotografieren kann, werden die Bilder zwar technisch optimiert aber immer noch nicht zu Topfotos. Auch mit einer Profikamera (6000+) schaffen es Knipser Schrott zu produzieren, denn es gehört auch ein Grundwissen über ISO, Blende, Verschlusszeit usw. dazu.

    einklappen einklappen
  • Erdenbürger am 30.10.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das richtige Auge

    Ein wirklicher Photoprofi, braucht nicht eine Spitzenkamera, sondern er braucht das richtige Auge, damit er gute Fotos machen kann. Man hats oder eben man hats nicht.

    einklappen einklappen
  • Verfechter am 30.10.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht professionell

    ??? Was soll das, das sind herkömmliche Filter. Die Qualität einer digitalen Aufnahme unterliegt 3 Faktoren, RGB Chip, Optik und zu guter letzt dem Algorithmus zur Berechnung des Bildes. Dieser kann aber nur auf ein RAW Bild mit eigener Einstellung anhand der Erfahrung eingesetzt werden. Alles andere sind Zufallsprodukte und haben nichts mit der Realität zu tun. Nun schon wie früher für den Hausgebrauch reichst.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 31.10.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein Witz

    die Fotos macht das S8 einiges besser als die gezeigten....

  • Mr. Computer Scientist am 31.10.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    @Redaktion

    Es ist schon erstaunlich wie die Medien immer gleich von künstlicher Intelligenz sprechen, wenn ein Algorithmus etwas komplizierter ist als sie verstehen. Dennoch sollte die Präzision nicht zu kurz kommen: Hier wurde ein neuronales Netzwerk eingesetzt, welches nichts anderes als eine hintereinanderschaltung mehrerer Minimierungsalgorithmen ist. Das heisst, am Ende erhält man einen Vektor Sigma welcher optimale Lösungen zur minimierung des Ausgangsproblems enthält. Das hat mit Intelligenz also etwa soviel zu tun wie Fische mit Zahnpasta.

  • Herr Max Bünzlig am 31.10.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    kann das die Firma Apple nicht selber basteln, braucht es dafür nun auch noch die ETH

    • sponti am 31.10.2017 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Max Bünzlig: Doch, Apple kann

      Die Funktion bei Apple heisst Zauberstab/"Foto verbessern" oder so ähnlich und die Resultate sind besser wie die der ETH (die Wolken am Horizont verschwinden nicht).

    einklappen einklappen
  • Boris am 31.10.2017 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hä ?

    Das ist doch nichts anderes als eine etwas bessere Automatik Funktion, verglichen mit den alten Smartphones und also professionell belichtet sind die Fotos dann auch nicht wirklich.

  • Valnes am 31.10.2017 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verbesserung

    Tatsache ist, dass viele Leute mit ihren Handys fotografieren und dann das Ergebnis ohne weitere Bearbeitung verwenden (z.B. auf Facebook stellen). Für diese Fotografen kann die Software zur automatischen Bildbearbeitung sicher eine Verbesserung der Bildqualität (zumindest in technischer Hinsicht) bewirken. Also eigentlich ein tolles Tool. Weshalb man nun gleich den Vergleich zu Profifotos aufnehmen muss, ist mir schleierhaft. Davon ist man immer noch meilenweit entfernt und der Unterschied wird sich nicht mit einer Software überbrücken lassen.