Pionierin

12. Juni 2018 14:46; Akt: 13.06.2018 13:10 Print

Dank einseitiger Begabung zu Berufung und Erfolg

von Valérie Hug - In Paris wurde Ursula Keller kürzlich für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Ihr Weg dahin war aber nicht immer einfach.

ETH-Professorin Ursula Keller an der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2018 in Paris. (Video: Valérie Hug)
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«Im Gymi erfüllte ich das komplette Nerd-Paket: Klassenbeste in Mathe, dicke Brille und kurze Haare», erzählt Ursula Keller. Heute ist sie Professorin für Physik an der ETH in Zürich. Sie erinnert sich noch gut an früher.

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Damals musste sie ihrem Vater beweisen, dass sie das Zeug zum Physikstudium hatte: «Ich war die Einzige aus einer Arbeiterfamilie, die studieren wollte. Das war damals für Frauen nicht sehr üblich.» 1979 trat sie dann ihr Studium an der ETH in Zürich an, wo sie auf Gleichgesinnte traf. Nach fünf Jahren hielt sie ein Diplom in Physik in den Händen.

Fernweh und Erfindergeist

Danach zog es die damals 25-Jährige in die USA, um dort ihren Doktor zu machen. «Die meisten meiner Professoren empfahlen mir, zu bleiben und in der Schweiz zu doktorieren. Ich aber wollte weg von hier», sagt Keller.
Im Nachhinein sei dies eine ihrer besten Entscheidungen gewesen. «Wäre ich nicht in die USA gegangen, hätte ich meine jetzige Stelle an der ETH womöglich nicht bekommen.»

Denn nachdem sie 1989 ihren Doktor in angewandter Phsyik an der Standord University in Kalifornien gemacht hatte, ging sie an die AT&T Bell Laboratories, wo sie SESAM erfand. SESAM ist eine Methode zur Erzeugung von ultraschnellen Lichtimpulsen mittels Lasern, die heute weltweiter Industriestandard ist.

Ein Leben für die Physik

«Für mich war der umgekehrte Weg wesentlich einfacher», erzählt Keller. Während die meisten nämlich ihre Karriere in der Grundlagenforschung beginnen, startete sie in der angewandten Physik durch. «Hier ist es egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist. Wenn du den weltbesten Laser baust, spricht das Produkt für sich selbst.»

Andersherum sei es für Frauen immer noch schwieriger, sich gegen ihre männlichen Kollegen zu beweisen. Einen richtigen Grund, wieso es nicht mehr Frauen in den naturwissenschaftlichen Fächer gibt, hat sie in ihrer ganzen Karriere nicht gefunden. Deshalb engagiert sich Keller aktiv und wünscht sich mehr Frauen in diesen Bereichen. Sie selbst habe Glück gehabt: «Ich war schon immer einseitig begabt. Ich konnte gar nicht anders, als mein Leben der Physik zu widmen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anju am 12.06.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Tolle schlaue Frau, mehr von dieser Sorte würde der Schweiz gut tun.

  • Herr Paternoster Live vom CERN am 12.06.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    mit so kurzen Zeiten im Femto und Atto Bereich zu Arbeiten ist bestimmt sehr Spannend

  • Daniel Düsentrieb am 12.06.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Good Job

    Hast du gut gemacht Ursi, ich bin Stolz auf Dich!

Die neusten Leser-Kommentare

  • BRUMMPÄNGLI am 14.06.2018 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antwort auf Frage

    Vielleicht hat es damit zu tun das Frauen mehr Rechtshemisphärisch denken was die emotionale und kreative Hirnhälfte ist. Männer eher linkshemisphärisch, was Mathematik etc begünstigt. Einfach gesagt viele Frauen interessieren sich eher für andere Wissenschaften. Und die brauchen wir ja genau so

  • Mänu am 14.06.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich

    Wissenschaftler sollten vermehrt die wirklichen Probleme unserer Welt lösen (z.B. Entwicklung einer Nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft, der Energieversorgung, Entwicklung friedlicher und toleranter Gesellschaften etc.) als für irgendwelche Firmen immer neue Produkte zu erfinden, die niemand wirklich braucht.

  • M Mueller am 14.06.2018 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Gründe

    1. Kinder 2. Der Job den sie hat ist so mühsam, aufwändig, und die meiste Zeit frustrierend, dass Frauen schlicht keine Lust haben. Männer sind geiler auf den Titel und machen es dann trotzdem. So einfach.

  • Jan E. am 13.06.2018 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat die Arbeit geleistet?

    Scheint wohl gerade in Mode zu sein die Frau(en) hervorzuheben, auch wenn das Team dahinter aus Männern besteht.

  • IvanD am 12.06.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht...

    Egal ob Mann oder Frau, man kann alles erreichen mit einem klaren Ziel vor Augen. Respekt für die Dame und ihrer Leistung

    • Jan E. am 13.06.2018 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Wessen Leistung?

      Es ist primär die Leistung ihres Teams, aber Männerteams scheinen ja derzeit weniger interessant zu sein für die Presse.

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